Gruber Fritz: Gold und Geld im alten Salzburg (Ausstellung im Gasteiner Museum)

Gold und Geld im alten Salzburg (Ausstellung im Gasteiner Museum)

Die Urproduktion von Gold und Silber aus dem Gastein-Rauriser Großrevier (Gastein ca. 80%, Rauris ca. 20%) wurde in Kolm-Saigurn bzw. in Böckstein-Peck und im Schmelzwerk Lend zugute gebracht. Es kam von dort an das Wardein-Amt nach Salzburg und schließlich in die Salzburger Münzstätte. Diese wurde am 4. Dezember 1810 von Bayern geschlossen.

Einige Jahre als Beispiele, wie viele Münzen aus dem Gold der Tauern in der Salzburger Münzstätte geprägt wurden:

Jahr Reines Gold in Mark Reines Gold in Kilo Golddukaten
1560 2.478 693,84 170.992
1567 1.322 370,16   95.277
1597    444 124,32   39.681
1615      93    26,04 Keine Angabe
1695    150    42,00     8.935
1762    236    64,40   18.838
1770    310    86,80   24.671

Im Jahr 1803 wurden ausgeprägt 14.529 Dukaten, obwohl nur 151,25 Mark Feingold von den Bergwerken kamen. Der Grund lag darin, dass noch aus dem Vorjahr (1802) Gold vorhanden war, das dann 1803 vom neuen Landesherrn mit neuen (!) Prägestempeln und zusammen mit dem „neuen“ Gold von 1803 geprägt wurde. Wahrscheinlich belief sich in beiden Jahren die Golddukatenprägung auf jeweils rund 7.000 Stück.

Der Landesherr erhielt bis zum Jahr 1616 das Gold von den Gewerken, die es ausnahmslos zum Zwangsankauf an ihn einliefern mussten. Der Preis lag mit 106 Gulden pro Mark (0,281 kg) weit unter dem echten Handelswert. Dieser betrug um 1560 beispielsweise 141 Gulden. Dazu kamen noch sonstige „Steuer“-Einnahmen, im Rekordjahr 1557 insgesamt 127.751 Gulden, was grob annähernd etwa 15 bis 25 Millionen Euro entspricht. Und dies zu einer Zeit, da nur sehr wenig Geld im Umlauf und das Landesbudget im Vergleich zu heute sehr, sehr klein war. – Nach 1616, dem Jahr der „Verstaatlichung“ des Edelmetallbergbaues, mussten aus dem eingelieferten Edelmetall ganz normal die Ausgaben bezahlt werden. Unterm Strich kam dabei sehr oft ein großes Defizit zustande. Dass der Bergbau trotzdem weitergeführt wurde, geschah meistens nur deshalb, um „einer armen Bevölkerung ihr Stückl Brot [=Arbeit] zu geben.“

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Die Ausprägung von Silbermünzen ergäbe ein falsches Bild, da beim Ausgangsprodukt nicht nur das aus den Bergwerken kommende Silber, sondern auch das angekaufte Silber enthalten ist. Was Gold betrifft, so gab es überhaupt keine Ankäufe. Sehr selten kam es vor, dass ältere Goldmünzen umgeprägt wurden.

Beispiele:

Jahr Silber aus Bergwerken Silber aus Ankäufen Silbertaler
1560 8.599 Mark 10.542 Mark 189. 903 Stück
1663    598 Mark      866 Mark    10.449  Stück

Sowohl die Zahlen für Gold als auch die für Silber zeigen deutlich einen Niedergang der Edelmetallproduktion in den Hohen Tauern. Die Gründe lagen in der fast 150 Jahre andauernden radikalen Exploitation der erschlossenen Erzmittel, in den Schwierigkeiten beim Schachtbau im Bergesinneren (von den Stollen aus) und der Verarmung der Erze in der Teufe, wobei Letzteres von Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof (als einzigem)  bestritten wurde. Andere Gründe, die in der alten Literatur und sogar manchmal heute noch genannt werden, sind nicht stichhaltig.

© Fritz Gruber

Gruber Fritz: Joseph Gainschnigg (1779-1835)

JOSEPH GAINSCHNIGG (1779-1835) von Dr. Fritz Gruber

Joseph Gainschnigg stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Mesner und Schullehrer in Böckstein, wo er in der 1767 geweihten Kirche „Maria zum guten Rat“ seinen Dienst versah.

Er wuchs in jenem Teil Böckstein auf, der heute als „Altböckstein“ bezeichnet wird und wo sich zu seiner Zeit die Aufbereitungsanlagen (Pocher, Schlämmherde, Quickmühle zur Amalgamation) für die am Radhausberg gewonnenen Erze befanden. In Altböckstein fand er auch seine erste Anstellung und arbeiteten sich bald zum „Wascherhutmann“ hoch. Damit war er der Chef von allen, die in Altböckstein arbeiteten.

Schon in dieser frühen Zeit beschäftigte er sich mit technischen Fragen und zeigte dabei eine auffallende Begabung. Man wurde „höheren Orts“ auf ihn aufmerksam und ermöglichte ihm ein Mathematikstudium an der Universität Salzburg, und zwar bei dem berühmten Universitäts-Professor Pater Dr. Schiegg, der sich übrigens häufig in Gastein aufhielt.

Mit 1801 begann er sich mit dem Plan einer „Aufzugsmaschine“ auf den Radhausberg zu beschäftigen, machte Pläne und erstellte Kostenrechnungen. Im Herbst 1803 lief bereits der Probebetrieb, ab Sommer 1804 der reguläre Betrieb. Prominenter Besucher der Anlage war Kurfürst Ferdinand von Toscana, der damalige Salzburger Landesherr (1803-1805) höchstpersönlich.

Diese „Aufzugsmaschine“ war die erste alpine Seilbahn in den Ostalpen, wahrscheinlich im gesamten Alpenraum. Es handelte sich um eine auf Holzgeleisen laufende Standseilbahn, mit einem wasserradgetriebenen Antriebsmotor hoch oben am Radhausberg nächst dem damaligen Hieronymushaus auf ca. 1950 m Seehöhe, damit 700 Höhenmeter oberhalb der Talstation, die sich am alten Nassfeldweg knapp oberhalb der heutigen Astenalm befand. Es konnten Lasten bis zu 4 000 kg befördert werden und auch den Touristen war das Mitfahren erlaubt … wenn sie sich trauten. Immerhin lief die Bahn an der steilsten Stelle fast senkrecht und Mitfahrer mussten sich vor dieser Stelle auf den Boden legen und dann, wenn es so weit war, mit den Füßen am vorderen Seitenrahmen des truhenartigen Fahrwagens abstützen. Die Seilbahn namens „Aufzugsmaschine“ bestand bis 1865. Das massiv geflochtene und geteerte Hanfseil riss zweimal, doch kam in den 61 Jahren nie jemand zu Schaden. Im Jahre 1831 ließ Gainschnigg wesentliche Teile der Bahn mit neuem Lärchenholzmaterial ersetzen und baute 1832 ein Pendant zur Radhausberger Aufzugsmaschine in Rauris, von Kolm-Saigurn auf den Kälberriedel nächst dem Touristenheim „Neubau“.

Joseph Gainschnigg verdiente sich mit diesen „Meisterstücken“ den Titel eines Kunstmeisters und dann „Oberkunstmeisters“ – das entsprach etwa einem „Diplomingenieur“ der heutigen Zeit. Wäre die damals geplante „Salzburger Bergakademie“ zustande gekommen, so würde man heute auf Gainschnigg als einen Technikprofessor der Salzburger Universität zurückblicken dürfen. Dass es durchaus Überlegungen in diese Richtung gab, beweist seine Studienreise in die sächsischen Bergwerksgebiete, die er auf Staatskosten 1803 und 1804 gemeinsam mit Kajetan Kendlbacher unternehmen durften. Zuletzt hielt sich Gainschnigg noch in Berlin auf (- Kendlbacher war erkrankt -), und als er, von seinen Oberen gedrängt, endlich heimkehrte, brachte er eine Unmenge an schriftlichen Aufzeichnungen technischer Art nach Salzburg.

Joseph Gainschnigg war überall in Salzburg tätig und baute beispielweise für das Eisenwerk in Werfen eine hoch-leistungsfähige Gebläsemaschine. Um 1825 kam eine neue Aufgabe auf ihn zu. Angeregt von Erzherzog Johann, Ladislaus Pyrker von Felsö-Eör und dem Kurarzt Dr. Keine sollte eine Röhrenleitung die heutige Elisabethquelle mit einem „Auffangbecken“ in Bad Hofgastein verbinden. Die Leitung hat eine Länge von 7250 Metern; seinerzeit benötigte man zu deren Errichtung 2235 längsdurchbohrte Stämme von Lärchen und einigen Fichten. Die so transportierte Menge an Thermalwasser belief sich auf ca. 200 Kubikmeter täglich.

Joseph Gainschnigg war in seinem Wesen sehr selbstbewusst und scheute sich nicht, bei technischen Sach-Fragen durchaus seinen Vorgesetzten zu widersprechen, wofür er entsprechende Rüffel einstecken musste. Er war sich aber seiner überragenden technischen Fähigkeiten bewusst und stellte häufig Ansuchen um „Lohnsbesserung“, die er meistens auch bereitwillig von den Salzburger Oberen ausbezahlt bekam. Gainschnigg lebte, berufsbedingt, zuletzt in Lend, wo er auch am 2. August 1835 verstarb. Ein Miniatur-Ölgemälde in ovalem Rahmen befand sich seinerzeit im Besitz der Schwestern Steinberger in Lend.

Der Name „Gainschnigg“, der ursprünglich aus Kärnten herstammt, behauptete sich früh in Gastein und Rauris und verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten in den Salzburger Gauen Inner-Gebirg.

Vom Gold zum Radon Heilstollen

Vom Gold zum Radon-Heilstollen: Niedergang und Neuanfang des Edelmetallbergbaus in den Hohen Tauern zwischen dem 16. und dem 20. Jh. von Dr. Fritz Gruber

Gastein und Rauris sind zwei benachbarte, Süd nach Nord verlaufende Täler in den Hohen Tauern und rund 100 km südlich der Stadt Salzburg gelegen. Der Abbau von Edelmetall reicht weit in frühe Jahrhunderte zurück. Es gibt sehr starke Indizien für Goldgewinnung in römischer Zeit[1] sowie für eine südslawisch-karantanische Siedlungsperiode im 9. und 10. Jahrhundert. Ortsnamen wie „Salesen“ und „Reudnitzen“ geben deutliche Hinweise. Salesen, zu karantanisch „želeso“ (Eisen, Erz)[2], bezeichnet noch heute einen der Hauptgipfel des Gasteiner Radhausbergs, der durch die Jahrhunderte der größte Goldlieferant des Fürsterzbistums Salzburg war. Eine zweite „Salesen“ stellt die älteste Bezeichnung für die Erzwies im Angertal dar. Dazu eine Restform ist der heutige „Salesenwald“. Sowohl am Radhausberg als auch auf der Erzwies beißen mächtige Gänge mit Eisenerzen aus. Auf der Erzwies sprechen Metallurgen, wie im konkreten Fall Hasso Moesta, vom „eisernen Hut“, der edelmetallhältige Erzkörper nach oben abdeckt. – Reudnitzen, zu karantanisch „ruda“ (Erz)[3], bezieht sich auf die dem Radhausberg nördlich vorgelagerte Gegend.

Die durch archivalische Schriften nachvollziehbare Entwicklung des Bergbaus setzt um die Mitte des 14. Jahrhunderts ein. Die erste Gasteiner Bergordnung, von 1342, lässt allerdings auf eine mindestens zwei, drei Jahrzehnte zuvor begonnene bergmännische Edelmetallgewinnung schließen, doch sind für diesen früheren Zeitraum keine archivalischen Nachweise vorhanden. Mit Blick auf den gesamten Edelmetallbergbau in den Hohen Tauern ist „Heinzel Arzer de Heusing“ der erste namentlich bekannte (halb-bäuerliche) Gewerke.[4]

Die weitere Entwicklung des Tauerngoldbergbaus ist zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch eine wirtschaftliche Krisensituation markiert, der in der zweiten Hälfte des genannten Jahrhunderts ein neuer Aufschwung folgte. Auswärtiges Kapital, beispielsweise des Augsburger Handelshauses der Fugger[5], und technische Inventionen und Innovationen (3-Phasen-Schmelzen[6], Nasspochen[7], Sackzug[8]) begünstigten den Aufwärtstrend. Mit den Bergordnungen „Statuta et iura“ (1459), „Herdishalb der Tauern“ (1463) und der großen Bergordnung von 1477 war für die Gewerken als die privaten Montanunternehmer, aber auch für die Bergarbeiter (Lehenhäuer, Gedingehäuer – und „Herrenarbeiter“ als „Lidlöhner“, also Zeitlöhner) ein solides Mindestmaß an Rechtssicherheit geschaffen.[9] Um die Wende zum 16. Jahrhundert spezifizierten die Regelungen weiterer Detailfragen in weistum-ähnlicher Form das montanistische Alltagsgeschehen.[10] Die große, umfassende Salzburger Bergordnung wurde 1532 von Dr. Leonhard Auer verfasst[11] und erschien 1556 in Druck[12], drei Jahre nach der Ferdinandeischen Bergordnung von 1553. Diese Bergordnungen sollten für die kommenden Jahrhunderte die rechtliche Basis für jede Art von Bergbau in den österreichischen Ländern sein. Ein Desiderat bleibt der Forschung: Inwieweit werden einerseits die Bergarbeiter und sie betreffende Fragen bei der praktischen Arbeit vor Ort berücksichtigt – und, mit völligem Wechsel des Gesichtspunktes, inwieweit werden die Interessen des Landesherrn als Regalinhaber berücksichtigt, mit seiner jurisdiktionellen und letztendlich auch wirtschaftlichen Macht (Steuern!)? Es gab de facto immer zweierlei Arten von „Bergrecht“.[13]

Die höchste Blüte des Edelmetallbergbaues in den Hohen Tauern

Die eigentliche große Blütezeit des Edelmetallbergbaues in den Hohen Tauern war das 16. Jahrhundert bis etwa zu den letzten drei Dezennien. Es folgte ein rascher Niedergang, der letztendlich um 1616 in einer de-facto Verstaatlichung endete.[14] Im Folgenden zunächst ein kurzer Rückblick auf das 16. Jahrhundert.

Der absolute Höhepunkt der Edelmetallgewinnung in den Hohen Tauern trat um die Mitte des 16. Jahrhunderts ein. Dazu folgt unten eine statistische Übersicht (Durchschnittswerte gemittelt aus vier Jahren: 1556-1559). Die ausgewiesenen Beträge wurden vom Verfasser aus Hunderten von handschriftlichen Folio-Seiten der sogenannten, im Salzburger Landesarchiv aufbewahrten „Goldseisen-Journale“ [15] erhoben. Jedes Stück Edelmetall, sei es Gold oder Silber, musste zwangsweise an die landesherrliche „Silberhandels“-Stelle abgeliefert und dort genauest aufgezeichnet werden. Die Gewerken bekamen für das von ihnen eingelieferte Edelmetall fertig geprägte Münzen, deren Wert deutlich unter dem Handelswert der eingelieferten Edelmetalle lag.

Gesamtproduktion an Edelmetall – pro Jahr! – im Erzstift Salzburg.

SILBER GOLD
2 563 kg Gewicht 672 kg Gewicht
114 006 Gulden damaliger Handelswert 335 795 Gulden damaliger Handelswert
Damalige Kaufkraft aus heutiger Sicht etwa 11 bis 28 Millionen Euro[16] Damalige Kaufkraft aus heutiger Sicht etwa 33 bis 84 Millionen Euro

Gemittelter Wert der gesamten Edelmetallproduktion im Zeitraum 1556 bis 1559: Rund 80 bis 90 Millionen Euro – pro Jahr! Rechnet man den Wert von Gold und Silber zusammen und teilt die Summe allein durch den Preis des Silbers, so lässt sich eine Vergleichsmenge von 10 532 kg Silber errechnen. Das Silberrevier von Schwaz in Tirol brachte es im selben Zeitraum (1556-1559) auf eine durchschnittliche Jahresmenge von 6 625 kg,[17] Marienberg in seinem Spitzenjahr 1556 auf 5 854 kg, Freiberg in Sachsen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf jährlich maximal 5 000 kg, die Reviere im Oberharz (1595-1599) auf 3 780 kg.[18] Unter Berücksichtigung der obigen Überlegungen, lässt sich feststellen, dass das Gastein-Rauriser Gesamtrevier weit an der Spitze aller Reviere des alten Reiches stand. (Tabelle 1)

Relation von Silber (Vergleichs-Ausgangsgröße) zu Gold. Durchschnitt der Jahre 1556 bis 1559: (Tabelle 2)

SILBER GOLD
Relation nach Menge 100% 25,2%
Relation nach dem Wert (in Gulden) 100% 294,5%

Die Menge an gewonnenem Gold machte rund ein Viertel der Edelmetallproduktion aus, ergab an Wert aber dreimal so viel wie das Silber.

Innerhalb des Salzburger Erzstiftes war Gastein (mit Rauris) nicht nur am Goldsektor führend, sondern auch bei der Silberproduktion. Dazu die folgenden Angaben, jeweils die Jahresdurchschnitte für die Jahre 1556 bis 1559:

Erzstift Salzburg gesamt 2563 kg Ag, Gastein und Rauris 2094 kg Ag, Lungau/Ramingstein 401 kg Ag, Thumersbach nächst Zell am See 40 kg Ag und Hüttau im Fritztal 28 kg Ag. Die Salzburger Gesamtmenge entsprach rund 38% der Brandsilberproduktion von Schwaz in Tirol.[19] Hingegen waren die in Tirol gewonnenen Mengen an Gold unbeträchtlich und spielten in großen wirtschaftlichen Zusammenhängen keine Rolle.[20] Für den Erzbischof des Erzstiftes Salzburg betrug der „steuerliche“ Gewinn (Fron und sogenannter „Wechsel“) je Gewichtsmark (0.281 kg) beim Silber 3,14 Gulden und beim Gold 31,77 Gulden. Im Jahr 1557 bezog der Salzburger Landesherr aus dem Edelmetallbergbau den beachtlichen Wert von 127.751 Gulden,[21] was ziemlich genau 127.000 Wochenlöhnen von Bergarbeitern entsprach.[22] Auf Basis der heutigen Bergarbeiterlöhne kalkuliert, kommt man auf einen Betrag von annähernd 38 bis 42 Millionen Euro – in diesem einen Jahr! – zugunsten des landesherrlichen Steuersäckels. Der Betrag verdient umso mehr Beachtung, als zu berücksichtigen bleibt, dass sich das gesamte Wirtschaftsvolumen des damaligen Salzburg im Vergleich zu heute als markant geringer darstellt.

Die aktivsten Edelmetallreviere der Blütezeit befanden sich auf der Nordseite des Radhausbergs, auch auf dessen Südwestseite (Sportgastein), weiters am Gangzug Siglitz-Bockhart-Erzwies[23] und in Rauris am Goldberg, am Hohen Sonnblick und Hocharn[24]. Die Ertragslage war in den Gasteiner Revieren zu allen Zeiten wesentlich besser als in Rauris. Die Durchschnittswerte der Jahre 1556 bis 1559 zeigen: Gastein Gold 86,96%, Silber 73,27%; demgegenüber Rauris Gold 13.04% und Silber 26.73%.[25] Weit zurück liegen die kärntnerischen Reviere im Bereich der Hohen Tauern. Die Mölltaler Reviere um Großkirchheim und Obervellach schnitten besser ab als die anderen Kärntner Reviere. Im oberen Mölltal wurden als jeweilige Jahresdurchschnitte aus den Jahren 1560-1562 gewonnen: 21,78 kg Gold und 266,15 kg Silber.[26] Die Goldzeche im kleinen Fleißtal erzielte im Jahr 1582, und dies ist ein auffälliger statistischer „Ausreißer“, beachtliche Spitzenwerte, nämlich 84,86 kg Gold und 151,18 kg Silber.[27]

Die wichtigsten Salzburger Gewerken der Blütezeit entstammten drei Familien.[28] Diese Konzentration des montanistischen Wirtschaftsgeschehens war — zumindest auch — der Situation nach dem Salzburger Bauernkrieg von 1525/1526 geschuldet.[29] Es waren die Weitmoser[30], die Zott[31] und die Strasser.[32] Von der Größe der jeweiligen Montanunternehmungen vermittelt ein Verzeichnis der Schmelzer (ohne Hilfskräfte) und der „Hausdiener“ (Buchhalter und „Einfahrer“, nach heutigen Begriffen: Bergingenieure), aus dem Jahr 1541, einen guten Einblick:[33] (Tabelle 3)

Schmelzer Gastein Schmelzer Rauris „Hausdiener“ Gastein „Hausdiener“ Rauris
Weitmoser 13 6 10 0
Zott 12 6 10 4
Strasser 15 0 15 0
Wieland 0 9 0 8
Perner 8 0 0 0
Premauer 0 4 0 0
Fronhütte 7 4 0 0

Auffällig ist beispielsweise, dass Strasser nur in Gastein verankert war, ebenso Perner. Hingegen waren die aus Augsburg stammenden Wieland nur in Rauris vertreten. Weitmoser führte ein „Firmen-Büro“ nur in Gastein, die Zott ein solches in Gastein und Rauris. Die Gesamtzahl der Schmelzer, in Gastein 55, in Rauris 29, gibt einen aufschlussreichen Hinweis auf den jeweiligen Umfang des Bergbaues in den beiden Tälern. Kalkuliert man, dass die Öfen Tag und Nacht durchgehend in Betrieb standen und ein Schmelzer jeweils 8 Stunden seiner Arbeit oblag, so errechnet sich eine Gesamtzahl von 28 Schmelzöfen.

Für die Gewinnung vor Ort diente die Schlägel-Eisen-Arbeit,[34] für die Extraktion das Schmelzen[35] und das Aufbereiten, dieses teilweise unter Einbeziehung des Amalgamationsverfahrens. Zum Stollenvortrieb wurde das an sich natürlich bereits bekannte Pulver (Schwarzpulver) nicht verwendet. Es ist erstaunlich, dass in vielen seriösen historischen Abhandlung noch immer das Märchen von der Belagerung der Festung Hohensalzburg lebt[36], nach welchem Knappen versucht haben sollen, den Berg zu sprengen. Kein Bergmann hätte um 1525 auch nur eine Sekunde geglaubt, dass er mit handgeführten Werkzeugen (Schlägel und Eisen) der Festung irgendwie gefährlich werden könnte.

Was die Arbeitsverfassung anlangt, so galt in Salzburg, wie in den österreichischen Ländern und anders als im sächsischen Bergbau jener Zeit, ausnahmslos das Lehenschaftssystem, dieses im weitesten Sinne geprägt durch verschiedene Formen von „Akkordarbeit“. Das Lehenschaftssystem bot wirtschaftliche Aufstiegschancen, wie der Fall Weitmoser beweist.[37] Der „Lidlohn“, also die Bezahlung der bergmännischen Arbeit nach Zeit, kam beispielsweise für die Grubenzimmerer zum Tragen. — Es gab in Salzburg keine Kuxe (Anteilsrechte), sondern die Besitzer einer Grube rechneten ihre wirtschaftlichen Ergebnisse aliquot nach den ihnen gehörenden Neuntel-Anteilen ab. Es galt die „Ad-Personam“ Bindung in allen Detailbereichen.[38]

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Das Ende der privatwirtschaftlichen Bergbautätigkeit und das Eintreten des „Staates“ (Fürsterzbistum Salzburg) in die Rolle eines alleinigen Gewerken. – Der erste Neuanfang

Die Ertragslage verschlechterte sich in den der Blütezeit folgenden Jahrzehnten dramatisch. Bis zum Jahr 1615 kollabierte die Produktion auf rund 3 kg Gold und 6 kg Silber. Am 9. April 1616 wurde vonseiten des Salzburger Fürsterzbischofs, vertreten durch sein Domkapitel, der Beschluss gefasst, die noch vorhandenen montanistischen Betriebsanlagen von den Privatgewerken zur Gänze (mit einer kleinen, unbedeutenden Ausnahme) um 33.500 Gulden käuflich zu übernehmen.[39] Ab nun gab es nur mehr einen einzigen großen, dominierenden Gewerken: das geistliche Fürstentum Salzburg. Private Unternehmer engagierten sich erst wieder ab 1866, siehe unten.

Als Gründe für den Niedergang werden in der älteren Literatur immer noch genannt: Vordringen der Gletscher, Eindringen amerikanischen Goldes und Vertreibung der Protestanten. Keine dieser vermeintlichen Ursachen war in entscheidender Weise wirksam.[40] Die Radhausberger Hauptgruben lagen weit außerhalb jenes Bereiches, der von Gletschern bedeckt war. Das Vordringen der Gletscher, im Wesentlichen eher ein großflächiger Verfirnungsvorgang, setzte in Gastein und Rauris erst nach 1600 ein. Salzburg hatte mit Amerika keine Handelsbeziehungen, sodass amerikanisches Gold und Silber höchstens gelegentlich in Form von Münzen auftauchte. Die Münze in Hall in Tirol prägte 10 000 Mal weniger Gold als Silber,[41] doch ging ohnedies der allergrößte Teil aller dort geprägten Münzen über die Handelsfirma der Augsburger Fugger in den Fernhandel. Was die Immer und wiederholt bis heute angeführte Vertreibung protestantischer Gewerken betrifft, so galt zwar im Erzstift das erste Emigrations-Edikt von 1588, doch wurde von Fürsterzbischof Wolf Dietrich den protestantischen Gasteiner Gewerken ausdrücklich die Erlaubnis erteilt, hier weiterhin den Aufenthalt zu nehmen und ihre Betriebe zu kontrollieren. Unerlaubt blieb allerdings, die protestantische Religion öffentlich auszuüben und lutherisches Gedankengut zu fördern. Dieses war in der Arbeiterschaft aber schon längst verbreitet, speziell in der bergmännischen Bruderschaft, die fast als eine Vorfeldorganisation der protestantischen Religion auftrat, doch gab es von der Obrigkeit dagegen keinerlei Repressalien. Dies änderte sich ab 1615 zum Schlechteren.

Die Hauptgründe für den rapiden Niedergang waren technische Probleme beim Bau in die Teufe, Raubbau an den erschlossenen Erzmitteln bei Unterlassung von neuen, teuren Schurfvortrieben, Hinwendung der Gewerken zu Herrendienst und Gültenbesitz als sicherere Einnahmsquellen. Die Montankonjunktur, die bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Vehemenz einsetzte, hatte nach rund 150 Jahren intensivster Exploitation ihr Ende erreicht, – wie übrigens auch in vielen anderen Revieren des deutschsprachigen Raumes, ausgenommen die Reviere im Oberharz und, nach der Erschließung neuer Lagerstätten, Freiberg in Sachsen.

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Die „ärarische“ Periode (1616-1865 bzw. 1875). Ein Neubeginn

Als 1615 die erste erzwungene Auswanderung stattfand und 629 Lutherische das Gasteinertal verließen, bedeutete dies für den zur Verstaatlichung anstehenden und im höchsten Grade notleidenden Bergbau keinerlei Probleme, eher das Gegenteil war der Fall: Man war nach der De-facto-Verstaatlichung von 1616 froh, die Zahl jener Bergarbeiter, die man nur auf Druck der erzbischöflichen Salzburger Zentralbehörden im Sinne einer „produktiven Arbeitslosenfürsorge“ weiter besoldete ohne eine echte Arbeit für sie zu haben, verringert zu sehen. Ähnlich gestaltete sich die Sachlage vor der großen Emigration der Evangelischen von 1732 und den Folgejahren. Das geforderte „Stückl Brot“ blieb durch die Jahrhunderte ein Synonym für „Arbeit im Bergbau als einzig möglicher Lebensunterhalt“. Als bereits 1612 die Sorge umging, der gesamte Bergbau könnte geschlossen werden, hieß es vonseiten der fürsterzbischöflichen Hofkammerräte, die Bergwerke seien „zu Nutzen und ferneren Brods Verschaffung vielen Armen zu erhalten„,[42] obwohl das gegen das aufkommende merkantilistisch-kameralistische Denken sprach. Die Salzburger Hofräte könnten vorausgeahnt haben, was Georg Caspar Kirchmaier in seinem um 1698 in Wittenberg erschienenen Werk „Hoffnung besserer Zeiten durch das edle Bergwerk etc.“ schrieb: „Und obschon die Bau-Kosten derer Bergwerk den Ertrag übertreffen, so ist doch der Lohn der Arbeit nur eine Verwechslung: und wird das Land weder ärmer noch reicher, aber wohl glückseliger dadurch: dann es werden viel Leut dadurch zu ihrer Kost kommen und ihr Brot erwerben und das Geld bleibet im Lande.“ Insgesamt war von dieser Problematik vor allem Rauris betroffen, während sich der Gasteiner Bergbau nach 1741 bis ca. ins dritte Drittel des 18. Jahrhunderts gut behaupten konnte. Die Rauriser Pfleggerichtsakten, aber zeitweise auch jene Gasteins, sind voll mit Ansuchen junger meist nachgeborener bäuerlicher Männer, die im Bergbau ihr „Stückl Brot“ suchten, aber abgewiesen wurden. Inwieweit diese Situation mit dazu beitrug, dass sich besonders viele Männer als evangelisch bekannten und im Zuge der große Emigration von 1732 das Land verließen, bleibt ein Desiderat der Forschung.

Die Einführung des Pulversprengens, ab 1628-1630 mit ersten Versuchen, sicher 1642 als Standardmethode, brachte entgegen häufig vertretener Meinung nicht den großen Fortschritt. Dies weisen die Produktionstabellen, die seit 1616 erhalten sind,[43] deutlich aus: die montanistischen Ergebnisse fluktuierten innerhalb gewisser, sich nicht verändernder Grenzen. Es gab keinen Aufwärtstrend.

Zeitraum Gewonnen Kübel Erz
1640-1649 18.447
1650-1659 18.191
1720-1729 20.066
1730-1739 17.471

 

Zweifellos spielen verschiedene Faktoren zusammen, die die Produktionsmenge bestimmen. Aber wenn das Pulversprengen der ganz große Schritt vorwärts gewesen wäre, so hätte sich das, bei tatsächlich ungefähr gleichbleibender Mannschaftsstärke vor Ort, gewiss in den Produktionszahlen niedergeschlagen. Weshalb keine sofortige positive Wirkung eintrat, das lag an der lange unausgereift bleibenden Technik. Wirksame Zündmechanismen im meist nassen Gestein waren noch nicht bekannt; daneben scheint das wirkungslose Verpuffen des Pulvers ein echtes Problem gewesen zu sein. Der große Sprengversuch von 1642 endete mit schwersten Verletzungen unter den Beteiligten. Der Gasteiner Bergwerksverwalter notierte: „Die Gäng sind zu fest und brechen sich nit also wie an andere milderen Pürgen; mehr ist es an vielen Orten zu wassernötig. Viel Arbeit geht darauf und ist mehr Schaden als Nutz dabei. Man will’s aber nit glauben und mit Gewalt erzwingen, bis dergleichen Schaden beschieht.“[44] Hier klingt unüberhörbar ein gewisser Fortschrittsskeptizismus durch. Tatsächlich ist die uralte Schlägel-Eisen-Arbeit als alternative Methode zum modernen Pulversprengen bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nachweisbar.

Die Extraktion des Edelmetalls aus den Erzen, größtenteils aus Arsenkiesen, seltener Freigold aus Quarzen, geschah durch Schmelzen oder durch die „Aufbereitung“. Beim Schmelzen hielt sich die seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts übliche Vorgangsweise in ihren Grundzügen bis in das 19. Jahrhundert: Rösten der Erze, um Schwefel und Arsen zu verringern oder möglichst ganz zu beseitigen, Zusammenschmelzen des Erzes mit Kupfer, durch das das Gold in Lösung geht, Zusammenschmelzen des so erzeugten „Kupfersteins“ mit Blei, durch das eine Legierung von Edelmetall und Blei entsteht („Werkblei“, bis zu 12 Lot Edelmetall pro Mark, selten sogar 14 Lot), schließlich der „Abtreib“-Prozess, durch den sich unter massiver Sauerstoffzufuhr Blei zu Bleiglätte wandelt („rostet“) und eine Gold-Silber-Legierung entsteht, das sogenannte „Blicksilber“, in Salzburg meist als „göldisch Silber“ oder manchmal trotz des Goldgehaltes einfach als „Silber“ bezeichnet.

Die „Aufbereitung“ setzte sich (meistens) aus folgenden Schritten zusammen: maschinelles Pochen bis auf Sandkorngröße, maschinelle „Wasch“-Vorgänge und nachfolgendes „Absetzen“ (in gestaffelten Absetzbecken mit sehr langsam fließendem Wasser), durch die das Gold von den tauben Teilchen durch das Schwerkraftprinzip, einigermaßen, wenn auch nicht völlig, getrennt wird – und schließlich, was den nun hoch angereicherten Gold-„Schlich“ betrifft, dessen Amalgamation zusammen mit Quecksilber in der „Quickmühle“ oder Goldmühle. Das Amalgam aus Quecksilber und Gold, das nun frei von tauben Gesteinspartikeln sein muss, wird dem Pressen durch Leder oder durch das Abglühen in einem „Glaskolben“ unterzogen, sodass reines Gold übrigbleibt. Der letztgenannte Vorgang wurde gelegentlich vor Publikum durchgeführt, vor allem vor Badegästen des Kurortes Bad Gastein. Beeindruckter Zuschauer war beispielsweise der Bayernherzog Albrecht VI., um 1632 und nochmals um 1633.[45] Die Aufbereitung fand nur zur Gewinnung des Freigoldes Anwendung. Hauptvorkommen von Freigold war in Quarzen, seltener in Erzen oder im Muttergestein Gneis.

Diese Aufbereitungs-Vorgänge waren über die Jahrhunderte standorttreu. Was das Raurisertal anlangt, so verblieb das Aufbereiten im heutigen Kolm-Saigurn am Fuße des Hohen Sonnblicks (mit seinem Wetterobservatorium auf rund 3 000 Meter Seehöhe). In Gastein befand sich das Aufbereitungszentrum von allem Anfang an in der „alten Peck“ im nördlichsten Teil des Nassfeldtales, kam aber mit Gründung des Montanzentrums (1741) schrittweise ins heutige Altböckstein.[46] Altböckstein war in diesem Sinne eine einzige große Aufbereitungsanlage (siehe unten).

Als Standorte für den Schmelzbetrieb konnten sich Gastein und Rauris nur bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts halten. Dann ging in den umgebenden Wäldern der Holzvorrat und damit die Holzkohlenerzeugung zu Ende. Das Problem löste der nördlich der beiden Tauerntäler im Salzachtal gelegene Ort Hirschfurt, heute Lend.[47] Der sich selbst erklärenden Name „Lend“ kommt von „Ein-länd-ung“. Es wurde Holz geländet, an Land gezogen, und zwar jenes, das man im Oberpinzgau, wo es reichlich vorhanden war, schlägerte und auf der Salzach flussabwärts triftete. Dieses Holz wurde an Ort und Stelle zu Kohle vermeilert und ermöglichte so den Betrieb von neuen Schmelzhütten. Den Anfang hatte Christoff Weitmoser mit seiner Hütte bereits im Jahr 1542 gemacht.[48] Mit der Gründung der Montan-Gesellschaft namens „Gemeine Lender Handels-Gesellschaft“, um 1569, mussten die privaten Gewerken ein strenges Verbot, das ihnen den weiteren Betrieb ihrer ohnedies veralteten Schmelzhütten in Gastein und Rauris untersagte, akzeptieren. Die Gründung dieser Gesellschaft fiel in einen Zeitraum, zu dem bereits klar war, dass der Bergbau in eine schwere Krise geraten würde und dass synergetische Bündelung aller Kräfte, auch unter Einbeziehung des Landesherrn, vielleicht einen Ausweg weisen könnten. Die neue Handelsgesellschaft, seit der de-facto Verstaatlichung von 1616 mit dem Namen „Lender Handel“ punziert, hielt sich mit ihrer gesamten Organisationsstruktur, die die Urproduktion vor Ort über die Aufbereitung bis zum Schmelzwesen und zusätzlich einen regulären Warenhandel umfasste, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts im Wesentlichen unverändert.

………………………

Die Gründung des Montankomplexes von Altböckstein. Eine Zäsur hin zu einem neuen Aufwärtstrend

Innerhalb der langen staatlichen, in Salzburg als „ärarisch“ bezeichneten Periode brachten die Jahre nach 1741 eine echte Verbesserung. Am 14. Jänner des genannten Jahres legte eine gigantische Lawine den gesamten Gasteiner „Wiegenwald“ um und zerstörte die darunter befindlichen Aufbereitungsanlagen im Nahbereich des heutigen „Hotels Österreichische Evianquelle“, am Eingang zum Nassfeldtal, wo zuvor die alte „Peck“, ein slawischer Name mit der Bedeutung „Ofen“ (Schmelzofen?), situiert war. Die am Talboden über den Anlagen liegenden Schneemassen waren so groß, dass die Salzburger Bergbeamten sich erst im darauffolgenden Sommer einen Überblick verschaffen konnten. Die Übersetzung der Anlagen in das lawinensichere Böckstein ordneten dann Rochus Auer von Winkel, Matthias Felix de Berti und Clessin von Königsklee an, alle drei fürsterzbischöfliche Räte in der damaligen Salzburger Landesregierung. [49] Die betroffene Gegend erhielt von höchster Salzburger Regierungsstelle das Prädikat „fortan unbewohnbar“ und alle maschinellen Einrichtungen und Gebäude fanden in den Jahren nach 1741 eine Neusituierung im heutigen „Altböckstein“. Die Chance, auf einem großen, freien Feld eine Montansiedlung aus dem Boden zu stampfen, wurde wahrgenommen, und es entstand wahrscheinlich die früheste ingenieursmäßig vom Reißbrett weg geplante montanistische Industriesiedlung der Ostalpen, darin alles funktional angeordnet, mit Arbeitseinheit, Wohneinheit und Verwaltungseinheit. Der Aufwand lohnte sich, denn auch neuere Technologien, zum Beispiel „Ungarische Stoßherde“,[50] kamen zum Einsatz und halfen die Produktivität um den unglaublichen Wert von 100% zu steigern. Kamen die Gestehungskosten für einen Kübel an aufbereitetem Erz früher auf 2 Gulden und 13 Kreuzer, so waren es nach Einführung der neuen Maschinen nur mehr 1 Gulden und 4 Kreuzer. Wie war das möglich? Der Gasteiner Verweser Johann Conrad Hagger hatte den Böcksteiner Oberhutmann Martin Moyses beauftragt, die in der Teichl (bei Obervellach in Oberkärnten) bereits in Betrieb stehenden „Stoßherde nach ungarischer Manier“ abzuzeichnen und sie in Böckstein nachzubauen. Dies geschah mit so viel Erfolg, dass Verweser Hagger sich ausrechnete, mit der neuen Methode 43 bis 44 Waschwerksarbeiter einsparen zu können. Diese Reise in die Teichl von Oberhutmann Martin Moyses würde nach modernem Denken wohl in die Nähe des Begriffs „Werksspionage“ gerückt werden.

Aber nicht nur die Produktivität, sondern auch die Erzgewinnung vor Ort konnte in den folgenden Jahrzehnten fast auf das Doppelte gesteigert werden: von 407.797 Kübel (Summe der 20 Jahre von 1729-1748) auf 765.526 Kübel (1749-1768). Die Produktionssteigerung war einer erhöhten Mannschaftszahl geschuldet, aber auch technischen Verbesserungen, etwa beim Pulversprengen, für das mit Baumpech bestrichene „Patronen“ aus starkem Papier, gefüllt mit Pulver in der Korngröße von Stecknadelköpfen, zum Einsatz kamen. – All diese technischen Neuerungen, gesehen in ihrer Gesamtheit, brachten eine jährliche Ersparnis und somit eine Verbesserung des Produktionsergebnisses von rund 2000 Gulden. Die Gründung der Montansiedlung in Altböckstein war somit ein voller Erfolg.[51] Dank der Initiative eines Leobner Arbeitskreises wurde vom Bundesdenkmalamt am 31. Jänner 1978 der endgültige Unterschutzstellungsbescheid für das gesamte montanistische Ensemble von Altböckstein erlassen.[52] Heutigentags werden zwei der Gebäude für museale Zwecke genützt.

Eine weitere große technische Errungenschaft erhielt ihren ersten Anstoß durch Streikdrohungen der Sackzieher, die in den letzten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wiederholt eine bessere Bezahlung ihrer Arbeit verlangten. Ihre Aufgabe bestand darin, mit Erz gefüllte Säcke, die wie die Perlen einer Kette aneinandergereiht waren, im Winter auf eisigen Sackzug-„Riesen“ (wegähnliche Anlagen) zu Tal zu ziehen. Diese Methode wird erstmals 1490 in einer Raitung belegt und bewährte sich durch die Jahrhunderte.[53] Als Reaktion auf die Forderungen ließ die Salzburger Regierung Überlegungen darüber anstellen, ob man den Taltransport der Erze mithilfe einer technischen Neuerung lösen könnte. Technik sollte menschliche Muskelkraft ersetzen. Der Versuch, das Erz am Berg auf kleine Teile zu pochen und über eine „Pochtrübenleitung“ mit Wasser nach dem Pipeline-Prinzip ins Tal zu spülen, bewährte sich nicht. Die aus Holz gefertigten Röhren konnten dem Kompressionsdruck auf Dauer nicht standhalten und barsten häufig. Hinweise auf neue technische Möglichkeiten kamen von Joseph Gainschnigg, dem Sohn eines armen Böcksteiner Schulmeisters, der an der Salzburger Universität wegen seiner Begabung unentgeltlich Mathematik studieren durfte. Er erstellte die Pläne für eine sogenannte „Aufzugsmaschine“, die nach einem Probebetrieb im Herbst 1803 dann 1804 tatsächlich regulär in Betrieb ging. Bei einer Höhendifferenz von rund 700 Höhenmetern und einer Länge von 1,4 km stellte die als eine Art Standseilbahn gebaute Transportanlage die erste echte alpine Seilbahn der Ostalpen dar. Sie diente ausschließlich den Zwecken des Bergbaubetriebs und stand zwischen dem Hieronymushaus als dem wichtigsten Montanstützpunkt am Radhausberg und der Schusterasten im unteren Nassfeldtal in Betrieb. Als Motor fungierte eine oben am Berg befindliche und teilweise mit Stollenwasser angetriebene Anlage, mit einem Wasserrad, das 15,5 m im Durchmesser hatte und das Seil mit einer fahrbaren Truhe an seinem Ende über eine 3,70 m im Durchmesser messende Seiltrommel auf- und abspulte. Lasten ließen sich mit einem Gewicht von bis zu vier Tonnen transportieren. Die Gasteiner Anlage stand bis 1865 in Betrieb und wurde dann bis 1868 abgetragen. In Rauris gab es ein um 1832 errichtetes Pendant gleicher Bauart: von Kolm Saigurn auf den Goldberg (Bereich oberhalb der Melcherböden).[54]

Der Aufschwung und die relativ gute Konjunktur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die es freilich auch nur auf rund 10% der Erträge der Blütezeit im 16. Jahrhundert brachte,[55] wich in der Zeit der staatspolitischen Vorgänge zu Beginn des 19. Jahrhunderts[56] einer Mangelperiode. (Tabelle 4)[57]

Dezennium Kübel Derb-Erz Silber aus dem Schmelzen (Kilogramm) Gold aus dem Schmelzen (Kilogramm) Gold aus der Aufbereitung (Kilogramm)
1780-1789 19.705 5.537 keine Angabe   115
1790-1799 16.849 2.353 k. A.   139
1800-1809 10.823 1.473 k. A.   147
1810-1819 6.398 1.068        86   123
1820-1829 6.297     831   100     83
1830-1836 2.252     633     61     68

 

Zum Vergleich die Entwicklung auf politischer Ebene: Um 1771 Ableben des sehr großzügigen Salzburger Landesherrn Sigismund III. Graf Schrattenbach; Abdankung des als sparsam bekannten Landesherrn Hieronymus Graf Colloredo um 1803; Säkularisierung des geistlichen Fürsterzbistums Salzburgs und 1803-1805 Kurfürstentum: dann 1806-1809 Zugehörigkeit Salzburgs zum Kaisertum Österreich, gefolgt von Zugehörigkeit zum Königreich Bayern 1810-1816; schließlich ab 1816 bleibend zu Österreich gehörig. Die Gründe für den Niedergang können kaum allein in äußeren Bedingungen zu suchen sein, obwohl es auch in diese Richtung Vermutungen unter dem Schlagwort „Verarmung der Erze in der Teufe“ gibt.[58] Eher ist wohl mit einem Nachlassen des Interesses vonseiten der im Umbruch begriffenen staatlichen Strukturen zu rechnen. Ein grober Umriss der Entwicklung zeigt, dass in der Zeit zwischen ca. 1800 und 1830 der gesamte montanistische Betrieb auf rund die Hälfte zurückging.

Obwohl im Verlauf des 19. Jahrhunderts sehr tüchtige Montanisten (Caspar Melchior Balthasar Schroll, Matthias Mielichhofer, Karl Russegger und Carl Reissacher[59]) die montanistische Ertragslage zu steigern versuchten und über die zu leistende „produktive Arbeitslosenfürsorge“ hinauszukommen und echte montanistische Gewinne zu erzielen bemüht waren, winkte das nunmehr in der österreichisch-ungarischen Monarchie für den Bergbau zuständige Ackerbauministerium ab. Im Jahre 1857 wurde das gesamte Gasteiner Montanwesen zum Verkauf ausgeschrieben und 1862/1864/1865 erfolgte abgestuft die letztendlich definitive Schließung des durch rund 250 Jahre betriebenen „ärarischen“ Gold- und Silberbergbaues.[60]

Ignaz Rojacher in Rauris und die private „Union Gewerkschaft“, später „Erste Gewerkschaft Rathausberg“. Ein zweiter Neubeginn

Das Schicksal der Beendigung des montanistischen Staatsengagements traf Rauris 1875. Doch noch im gleichen Jahr durfte sich der frühere Grubenzimmerer und Hutmann Ignaz Rojacher nun privater „Bergbaupächter“ und in der Folge sogar „Bergwerksbesitzer“ nennen. Rojacher war an technischen Neuerungen sehr interessiert. In seinem „Berghaus“ am Goldberg, in 2340 Meter Seehöhe, schaltete Ignaz Rojacher am 1. Mai 1883 erstmals die elektrische Beleuchtung in allen Räumen ein.[61] Ihm ist die Gründung der Wetterbeobachtungsstation auf dem Hohen Sonnblick zu danken, doch sein montanistischer Erfolg blieb weit unter den Erwartungen. Um die Rolle als Nachfolger Rojachers bemühten sich französische Kapitalgeber, doch zogen sie sich bald wieder zurück. Der Rauriser Bergbau war an sein Ende gekommen.

Günstiger stellte sich die Situation in Gastein dar. Bereits ein Jahr nach dem endgültigen Auszug der Staatsmontanisten, also 1866, gründete eine Reihe einheimischer Gasteiner Bürger eine private Bergwerksgesellschaft unter dem Namen „Union-Gewerkschaft“, der 1871 die Gründung der „Ersten Gewerkschaft Rathausberg“ (zur Schreibung vgl. Anm. 64) folgte, doch begann die eigentliche montanistische Gewinnungsarbeit erst 1875.[62] Initiator war um 1866 der Hofgasteiner Kaufmann Peter Höhenwarter. In der „Union-Gewerkschaft“ wollten Gasteiner Bürger ihr Geld wagen, Wirte, Bauern, Handwerker. Als führende Köpfe profilierten sich Dr. Karl Beringer und Paul Weibhauser. Die montanistischen Erfolge der „Ersten Gewerkschaft Rathausberg“ lagen bis 1898 mit den damals als gut bewerteten Erträgen im Durchschnitt bei rund 20 kg Edelmetall pro Jahr, doch dann sank die Produktion auf knappe 6 kg und um 1906 zeichnete sich ein endgültiges Aus ab.[63]

Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof und die „Zweite Gesellschaft Rathausberg“. Ein dritter Neuanfang

In der oben skizzierten Situation suchte der beim Bau der Tauernbahn und des Tauerntunnels (von Böckstein nach Mallnitz) beschäftigte Dipl.-Ing. Karl Imhof ein neues Betätigungsfeld und begann sich für die Zeit nach der Fertigstellung des Tunnels für den Goldbergbau zu interessieren. Entscheidend für einen Neuanfang war die gemeinsame Reise von Karl Imhof und Ludwig Sterner-Rainer nach Zürich zu dem reichen Unternehmer Fritz Meyer, der in der Folge als Financier gewonnen werden konnte. Beim denkwürdigen Gewerkentag von 1911 übernahm Dipl.-Ing. Imhof dann persönlich die Leitung des Unternehmens unter der neuen Bezeichnung „Zweite Gewerkschaft Rathausberg“. Die Kriegsereignisse ließen den Bergwerksbetrieb aber bald ins Stocken geraten, nicht zuletzt deshalb, weil Dipl.-Ing. Karl Imhof in Serbien zwei kriegswichtige Bergwerke leiten musste und nur zwischendurch mehrmals kurzzeitig in Böckstein anwesend war. [64] Die Erfolgsbilanz dieses Unternehmens war aus Sicht der auf Edelmetallgewinnung abzielenden Anstrengungen kein besonderes Ruhmesblatt: In den Jahren 1917 bis 1926 belief sich die Produktion auf 237 kg Gold, 1148 kg Silber, 746 Tonnen Arsen und 1199 Tonnen Schwefel. Durch die kriegswirtschaftliche Nutzung des Arsens (in Legierungen für Schrapnellgeschoße, Schutzanstriche an Schiffen) überstiegen die Erlöse des Arsenverkaufs jene von Gold und Silber bei Weitem: „Nicht die geringen Goldmengen finanzierten den Bergbau, sondern der Erlös des Arsens, das mitgewonnen wurde, da in dem abgebauten Hauptrevier das meiste Gold an Arsenkies, einer Verbindung von Arsen, Eisen und Schwefel, gebunden war. Als die Preise für Arsen bald nach beendetem Weltkrieg fielen, war der Abbau nicht mehr zu halten.[65] Um 1924 wird als Grund für eingetretene Verschlechterungen der Ertragslage angegeben: „Überschuß Verminderung durch Lohnsteigen 1,09 Gramm Au/t und durch gefallenen As-Preis 2.35 Gramm Au/t = — 3.44 Gramm Au/t Hauwerk.[66] Damit verschlechterte sich die Aufwand-Ertrags-Relation bei Gold um rund ein Drittel, bei Silber um rund ein Zehntel. Gravierend wirkte sich zudem das Fallen des Arsenpreises auf ein Fünftel jenes Preises aus, der sich noch während der vorangegangenen Kriegsjahre erzielen ließ. Bei allem bleiben hohe Transportkosten als zusätzliche wirtschaftliche Erschwernis zu bedenken. Die arsenreichen Aufbereitungsprodukte konnten nur in Freiberg in Sachen zugute gebracht werden, da im damaligen Österreich keine Anlage imstande war, die Extraktionsvorgänge für Edelmetalle und Arsen zufriedenstellend durchzuführen.[67]

Aufgrund tiefgreifender Veränderungen in den Besitzkonstellationen trat Dipl.-Ing. Imhof im Juni 1926 von seinen Funktionen zurück. Die Neuen in den Wiener Ministerien hatten kein echtes Interesse an der Weiterführung eines Gewinnungsbetriebes und stellten diesen am 15. Jänner 1927 ein. Alle Bergwerksanlagen verblieben weiterhin unter staatlicher Verwaltung. Eine kleine Anzahl von meist älteren Bergarbeitern wurde nicht entlassen, um ihnen den Lebensunterhalt, ihr „Stückl Brot“, zu sichern. Sie waren fortan mit der Instandhaltung der Stollen und der montanistischen Infrastruktur betraut. Als führende Köpfe dieser Dekade ohne jegliche bergmännische Produktionsaktivitäten fungierten Baron Ing. Ferdinand Florentin und ihm zur Seite der unermüdliche Grubengeometer und versierte Montanforscher Ing. Karl Zschocke.[68] Sie widmeten sich immer wieder der Erforschung der lagerstättenkundlichen Zusammenhänge und der Beurteilung historischen Schrifttums aus, für ihre Zeit, moderner Sichtweise.

Im Oktober 1937 begann der englische „Edron-Trust“, der vom österreichischen Staat günstige Optionen zugesagt erhalten hatte, mit Prospektionsarbeiten. Als eigentlicher Financier stand hinter dem Unternehmen ein äußerst wohlhabender Engländer, Sir Edmund W. Janson vom Londoner Finanzhaus Percy Tarbutt.[69]

Die „Zweite Gewerkschaft Rathausberg“ unter Führung der Preuß-AG und die „Gasteiner Heilstollen Gesellschaft“. Ein vierter Neuanfang

Als am 31. März 1938 die nunmehr deutsche Reichsregierung sämtliche dem „Edron Trust“ zuvor gewährten Begünstigungen zurückzog, sah sich dieser veranlasst, auf eine Weiterführung seines Engagements in Gastein zu verzichten. Als Nachfolgeunternehmen bot sich die deutsche Preuß-AG an, die nach Abtreten der österreichischen Regierung sofort deren gesamten Kuxenbesitz (Summe der aliquoten Anteilsrechte) am Gasteiner Bergbau übernahm. Sie vergütete den Engländern die getätigten Aufwände, sodass diese am 2. Juli 1938 auf alle Ansprüche am Bergbau offiziell verzichteten. Die Position der sonst noch vorhandenen Kuxeninhaber war schlecht: Ihnen wurde zur Wahl gestellt, gegen Bezahlung von 1000 Reichsmark je Kuxe auf ihre Rechte zugunsten der Preuß-AG zu verzichten oder in der Gesellschaft zu bleiben und den horrend hohen Kuxenzuschuss von 30.000 Reichsmark je einzelner Kuxe zu bezahlen.[70] Der Bund besaß zu diesem Zeitpunkt bereits 54,30% der Kuxe. Kleine private Kuxeninhaber, meist mit weniger als 1% der Kuxe waren zum Beispiel: Dipl.-Ing. Dr. Imhof (0,22%), Konsul Imhof (0,88%), Dr. Kovarbasic, Dr. Meyer, Dr. Richter und Fritzi Planner, E. Tweer, F. Wydler-Hollis, Buneau-Varilla. Kuxenbesitz um die 10% hatten Dr. Fleischmann und May de Madiis, W. Gutmann hielt 22%. Die Kärntner Gewerken May de Madiis befanden sich unter den ganz wenigen, die in der neuen Preuß-AG Gesellschaft verblieben. — Einige englische Montanexperten führten nach Vorgaben der Deutschen unter Bergassessor Dipl.-Ing. Siegfried Fleming den Gasteiner Bergbau aber noch bis Ende Juli 1939 weiter.

Die Preuß-AG (auch oft als „Preußag“ geschrieben) konzentrierte ihre Aktivitäten einerseits auf den Weiterbau des von Dipl.-Ing. Imhof begonnenen Erschließungsstollens zwischen dem Gasteiner Nassfeld und Kolm Saigurn im benachbarten Rauriser Tal.[71] Hier war von vornherein klar, dass einem sofortigen Beginn von Erzgewinnungsarbeiten nichts im Wege stand, zumindest was das auch nun wieder begehrte Arsenerz betraf. Hingegen war beim zweiten Großprojekt ebenso klar, dass es eine ungeheure Menge an typischem Risikokapital erfordern würde: Ein völlig neuer Stollen sollte in geringer Höhe oberhalb von Böckstein (im unteren Nassfeldtal) von West nach Ost in den Radhausberg eingetrieben werden, um die erhofften „Erzwurzeln“ jener Erzgänge, die in vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten oberhalb der Waldgrenze bis um die 2400 m Seehöhe hinauf reiche Vererzungen zum Abbau boten, nun ganz herunten in einer Höhe von ungefähr 1280 m Seehöhe zu unterfahren. Die Preuß-AG griff damit einen Plan auf, den zuvor bereits die Ingenieure des Edron-Trusts entworfen hatte, allerdings an anderer Stelle, nämlich unweit nördlich des heutigen Auto-Verladebahnhof in Böckstein. Aus montanistischer Sicht stellte sich das Unternehmen als kompletter Fehlschlag heraus, denn es ließ sich so gut wie überhaupt kein Erz gewinnen und von nennenswertem Edelmetall konnte keine Rede sein. Der von Dipl.- Ing. Karl Imhof, nun längst in Pension, aufgrund seiner Berechnungen vorhergesagte Misserfolg war Wirklichkeit geworden. Es geschah aber etwas, was weder Dipl.-Ing. Imhof noch sonst jemand ahnen hatte können: Die Mineure stießen beim Stollenvortrieb nach rund 1,5 km auf eine Zone immer wärmer werdenden Gesteins, sodass schließlich im innersten Bereich des sogenannten hangenden Südauslängens eine Temperatur von 45° Celsius zu messen war.[72] Die Vermutung eines wie immer gearteten Zusammenhangs mit den Heilquellen von Bad Gastein lag nahe, zumal viele der Arbeiter eine Besserung ihrer von früher her vorhandenen rheumatischen Beschwerden verspürten.

Das Zusammenwirken von natürlicher Wärme und dem in der Stollenluft in optimaler Dosis enthaltenen Edelgas Radon erwies sich als hochgradig heilkräftig, besonders bei Erkrankungen des „rheumatischen Formenkreises“ und bei Asthma. In einer gemeinsam gezeichneten Erklärung stellten Univ.-Prof. Dr. A. Hittmair und Univ.-Prof. Dr. F. Scheminsky fest: „Die mit der Frage nach dem Heilwert des Radhausberg-Unterbaustollens [Gasteiner Heilstollens] bei Badgastein-Böckstein betrauten Vorstände des Forschungsinstituts Gastein in Badgastein und der Medizinischen Universitätsklinik in Innsbruck haben ihre diesbezüglichen Ergebnisse verglichen und sind übereinstimmend zum abschließenden Urteil gelangt, dass der Behandlung im Stollen ein Heilwert zuzusprechen ist, welcher dem der Badkuren in Badgastein gleichkommt, bei einer beachtlichen Anzahl von Kranken aber den Heilwert aller bisher gebräuchlichen, auch der modernsten Behandlungsmethoden übertrifft.[73] In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich die medizinische Wissenschaft auf die weitere Vertiefung der Kenntnis von den beiden Wirkungsmechanismen natürliche Überwärmung der Luft und Einfluss der Radon-Emanation.[74] Federführend war die Universität Innsbruck.

Bis heute gibt es zur Herkunft weder der Wärme noch des Radongehalts wirklich belastbare wissenschaftliche Erklärungen.[75] Zur Diskussion gestellt wurden beispielsweise: Wärme quasi als Rest einer geologisch alten, damals „normalen“ geothermischen Tiefenstufe (Prof. Stini), Wärmeanomalie aufgrund des Vorhandenseins eines hochliegenden Batholithen (Introsivkörpers) mit Magma (Prof. Vetters, mündlich), weiters (bislang unaufgefundenes) juveniles oder vadoses Thermalwasser in der Nähe des Stollens (Prof. Stini, Prof. Pohl-Rühling, mündlich), chemische Reaktionen (Prof. Exner), Vorhandensein von Uranmineralien (Uranophan, Uronotil) und diversen Uranzerfallsprodukten (Prof. Haberlandt und Ing. Zschocke). Uran-Pechblende kommt nicht vor. Heute ist vom breiten Besucherpublikum die Theorie des für den Heilstollen verantwortlichen Geologen Dr. Brantmaier voll akzeptiert, [76] obwohl der in seiner Theorie wichtige Wasserdampf von den Professoren der „Gründerzeit“ nach 1945 (Exner, Haberlandt, Schiener), sogar trotz entsprechender Versuche (mit Lehm massiv abgedichtete Glasstürze über den wärmeführenden Gangklüften), niemals festgestellt werden konnte.[77] Karl Zschocke, Mineraloge, Bergmann und langjähriger Betriebsleiter des Heilstollens, vermerkt ausdrücklich, dass die „Gangklüfte staubtrocken“[78] sind und von den 140 durch den Stollen aufgefahrenen Klüften nur eine einzige geringfügig feucht ist.[79] Für die ja heute tatsächlich im Stollen vorhandene Luftfeuchtigkeit bot Zschocke eine überzeugende Erklärung (vorhandene bzw. fehlende Luftzirkulation über Stollenluft und eingebaute Lutten). Typisches Stollenwasser, wie es überall zu erwarten wäre, findet sich nur im äußeren, tagnahen Teil des Heilstollens.

Es gibt zu der gesamten Problematik eine reiche Fachliteratur und die jüngere Wissenschaftler-Generation bemühte sich im Rahmen des „Forschungsinstitutes Gastein“, gegründet im Jahr 1936 von Dr. Emmerich Granichstätten in Anwesenheit des damaligen österreichischen Bundespräsidenten Dr. Wilhelm Miklas, um neue Erkenntnisse. Heutigentags werden diesbezüglich Fragestellungen und Lösungsvorschläge von den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Paracelsus-Universität (Salzburg) sowie von der Universität Innsbruck konstant im Auge behalten.

Der Heilstollen trug ursprünglich den Namen „Pasel“-Stollen, und zwar nach Ing. Dr. Curt Pasel, Geheimer Bergrat im Reichs- und Preußischen Wirtschaftsministerium. Im Volksmund avancierte der „Pasel“-Stollen wegen seiner Heilwirkung schon bald zum „Wunderstollen“. Heutigentags sieht man das wissenschaftlich-nüchtern. Der jeweils rund einstündige Aufenthalt im Stollen ist ein medizinisch anerkanntes Heilmittel. In neuerer Zeit kam dazu ein modernes Kurhaus mit therapeutischen Zusatzanwendungen und dieses dient nun gewissermaßen als Eingangsstation zum Stollen. Jährlich absolvieren rund 8.800 Kranke mit insgesamt ca. 84.000 Einzelanwendungen[80] die meist drei Wochen umfassende Stollenkur, teilweise mit ganz wesentlichen Verbesserungen der Krankheitszustände. Es bleibt das zu unterstreichen, was Ludwig/Gruber 1982 schrieben: „Kriegswirtschaftliche Sinnlosigkeit zeitigte im medizinisch-sozialen Bereich einmal positive Spätfolgen.“[81]

Als die Preuß-AG Ende 1945 Bilanz zog, sah sie sich mit einem tristen Resümee konfrontiert: Insgesamt hatte man in den sieben Betriebsjahren rund 12,5 Millionen Reichsmark ausgegeben, davon im Nassfelder Imhofstollen-Revier 9,5 Millionen Reichsmark, im neuen Radhausberger Aufschließungsstollen (Pasel-Stollen, heute „Gasteiner Heilstollen“) rund 2,5 Millionen Reichsmark und den Rest in einem kurzfristigen Rauriser Versuchsbetrieb. Auf der Haben-Seite standen dem rund 0,5 Millionen Reichsmark für Edelmetalle aus dem Nassfeld und rund 1,4 Millionen Reichsmark für „Nebenprodukte“ gegenüber, wobei natürlich der wertmäßig bei weitem dominierende Anteil wieder auf den Arsenverkauf entfiel. Von Juli 1941 bis Ende Dezember 1944 wurden erzeugt: 223,408 kg Gold, 1.107,25 kg Silber, 996,5 t Arsen und 1.279,2 t Schwefel.[82] Der Preis für Arsen nahm im Zweiten Weltkrieg – und danach! – eine weitgehend parallele Entwicklung wie im und nach dem Ersten Weltkrieg. In ihrer Geschäftsgebarung traf das Riesendefizit die Preuß-AG aber nicht mit voller Härte, denn das zuständige Reichswirtschaftsministerium übernahm von den 12,5 Millionen im Minus stehenden Reichsmark immerhin beachtliche 9,5 Millionen Reichsmark zur Tilgung. Dies geschah im Rahmen des sogenannten „Förderprämienverfahrens“, das den Staat verpflichtete, das Defizit im Bergbau als kriegswirtschaftlichem Industriezweig[83] den privaten Bergbaufirmen zu vergüten, zumindest zu einem sehr großen Teil.[84] Die von Ing.-Dr. Curt Pasel veranlassten Zubuße-Zahlungen trafen seit 1940 regelmäßig bei der Gewerkschaft Radhausberg ein. – Der kriegführende deutsche Staat dachte auch beim Heilstollen entlang militärischer Interessenslinien, doch vergeblich: Ein „Wirtschaftlicher Lagebericht des Oberbergamtes Wien“ stellte unter anderem fest, dass der Böcksteiner Heilstollen wegen seiner hohen Temperatur im Rahmen der Bemühungen zur „Untertageverlegung der Rüstungsindustrie“ ungeeignet sei. Dass das „Förderprämienverfahren“ trotzdem zum Tragen kam, muss hauptsächlich der Produktion des kriegswichtigen Arsens (Imhof-Stollen im Nassfeld) geschuldet gewesen sein.

Nach Angaben von Betriebsleiter und Grubengeometer Ing. Karl Zschocke wurden in der Zeit von 1938 bis 1944 durch die Preuß-AG folgende Leistungen erzielt: 13.000 Meter mit Aus- und Vorrichtungsstollen, dazu im Abbau (Nassfeld) 35.000 Tonnen Hauwerk mit einem durchschnittlichen Gehalt von 6,95 Gramm/Tonne Gold. Weitere Durchschnittswerte: 36,35 Gramm/Tonne Gold und Silber zusammen, 3,80% Arsen und 4,96% Schwefel. Das Ausbringen betrug bei Au 93,31%, bei Ag 88,36%, bei As 76.12 %.[85]

Nach 1945 setzte sich das Unternehmen fort, diesmal unter dem Namen „Gewerkschaft Radhausberg“, nun richtig mit >d<. Die Preuß-AG besaß 1952 noch rund 38% der Besitzanteile, trennte sich aber dann durch regulären Verkauf von diesen, trotz des Wissens, dass mit der neuen Therapiestation in Zukunft auf Basis völlig neuer wirtschaftlicher Voraussetzungen eine sinnvolle, weil gewinnbringende Weiterarbeit einmal möglich sein könnte. Der Staat als neuer Mehrheitsbesitzer ließ in der Folge Anteilsverteilungen zu, die sich größtenteils innerhalb der verschiedenen Institutionen der öffentlichen Hand abspielten. Ebenfalls im Jahr 1952 konstituierte sich eine gesonderte Heilstollen-Betriebsgesellschaft, die den Stollen samt Kurhaus zu einer modernen Therapiestation ausbaute.

In der sehr warmen Stollenluft ist im innersten Bereich das Edelgas Radon vorhanden, das einen sehr wesentlichen konstitutiven Beitrag zur Heilwirkung beisteuert. Die Berghauptmannschaft Salzburg anerkannte am 20. Juni 1955 die vorhandenen Radon- (und Thorium-) Emanationen quasi als Bergwerksprodukte und verlieh, wohl erstmals in der österreichischen Bergrechtsgeschichte, „für den Aufschluss von Zerfallsprodukten uran- und thoriumhältiger Mineralien[86] offizielle bergrechtliche Grubenmaße.[87] Tatsächlich werden auch heute noch alljährlich bergmännische Arbeiten im Heilstollen vorgenommen.

Resümee: Das im Stollen auftretende Radongas, verbunden mit einer Temperatur um die 40° Celsius, ist im besten Sinne des Wortes ein moderner „Schatz der Alpen“.

Bibliographie (in Auswahl):

Ammerer , Gerhard

1982 Die Entwicklung des Goldbergbaues im Rauriser Tal in Salzburg, in: Der          Anschnitt 34 (1982), S. 46-59

BLICKLE, Peter

2012   Der Bauernkrieg. Die Revolution des gemeinen Mannes, 4. Aufl. München 2012

CANAVAL, Richard

1911   Die Erzgänge der Siglitz bei Böckstein in Salzburg, in: Zeitschrift für praktische Geologie 19 (1911), H. 8

Canaval, Richard

1924 Das Goldfeld der Ostalpen und seine Bedeutung für die Gegenwart, in: Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch 72 (1924), S. 25-48

Cech, Brigitte

1995 Archäologische Untersuchungen im historischen Bergbaurevier am Oberen Bockhartsee, in: Gasteiner Rundschau (1995), S. 17-20

Cech, Brigitte

2015  Tauerngold- Historische und montanarchäologische Zeugnisse zum Edelmetallbergbau in den Ostalpen, in: Stöllner, Thomas/Oeggl, Klaus (Hrsg.): BERGAUF BERGAB 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen, Bochum 2015, S. 571-575

Dopsch, Heinz (Hrsg.)

2009  Christoff Weitmoser und seine Zeit. Aus technisch-bergmännischer, wirtschaftlicher, sozialer und kunstgeschichtlicher Sicht. Beiträge des Weitmoser-Symposions in Bad Hofgastein vom 20. bis 23. September 2006, Bad Hofgastein 2009. Folgende Autoren sind vertreten: Dopsch, Heinz/Gruber, Fritz/Schlegel, Walter/Roth, Hans/Walterskirchen, Gerhard/Weber, Ludwig/ Gstrein, Peter/Lippert Andreas & Theune Claudia/ Sperl, Gerhard/Mayrhofer, Christoph/Ludwig Karl-Heinz

ACHTUNG NEU! ###########FLORENTIN, Ferdinand

1937   Der Goldbergbau der Hohen Tauern, in: Badgasteiner Badeblatt 10 (1937), S. 59 f.

Florentin, Ferdinand

1953  Die letzte Betriebsperiode des Gasteiner und Rauriser Goldbergbaues 1938-1945, in: Bad Gasteiner Badeblatt 13-15 (1953)

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1977   Lawinenschutzanlagen als Produkt des hochalpinen Bergbaus, in: Technikgeschichte 44 (1977), S. 203-212.

Gruber, Fritz

1979  Altböckstein und die jüngere Geschichte der Tauerngoldproduktion (Böcksteiner Montana 1), Leoben 1979. S. 1-69.

Gruber, Fritz

1981   Historische Bemerkungen zur Stollenbautechnik im Bundesland Salzburg (Böcksteiner Montana 4), Böckstein 1981

Gruber, Fritz

1983  Die Edelmetallausbringung aus den Gasteiner Fronerzen von 1525, in: Der Anschnitt 35 (1983), S. 231 ff

Gruber, Fritz

1989  Die Salzburger Bergwerksreformation von 1591. Veränderungen der Arbeitsverfassung in der Konjunkturabschwungsphase, in: Ludwig, Karl-Heinz/ Sika, Peter. (Hrsg.): Bergbau und Arbeitsrecht. Die Arbeitsverfassung im europäischen Bergbau des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Vorträge einer internationalen Tagung vom 28. September bis 2. Oktober 1987. (Böcksteiner Montana 8). VWGÖ Wien. S. 365-379

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1991a  Die frühe Geschichte Lends. Ein Beitrag zur Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Edelmetallgewinnung, in: Erika Pfeiffenberger-Scherer (Hrsg.): Lend-Embach – eine Gemeinde im Wandel der Zeit. Lend 1991, S. 23-68

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1991b ‚Salzburger Bergordnungen‘, Artikel in: Ruh, Kurt/Keil, Gundolf/Schröder, Werner/Wachinger, Burghart/Worstbrock, Franz Josef (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, Band 8/2, Berlin-New York 1991, S. 562-566

Gruber, Fritz

1993   Spezifische Formen der Arbeitsorganisation im Salzburger Bergbau zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in: Dopsch, Heinz/Kramml, Peter: Paracelsus und Salzburg. Vorträge bei den internationalen Kongressen in Salzburg und Badgastein anlässlich des Paracelsus-Jahres 1993 (14. Ergänzungs-Band der MGSL), Salzburg 1993. S. 319-338.

Gruber, Fritz

1997  Salzburg’s „Silberhandel“ and silver mining. A historical survey, in: Luciano Brigo e Marco Tizzoni (Hrsg.): Il Monte Calisio E L’Argento nelle Alpi dall’Antichita al XVIII Secolo. Giacimenti, storia e rapporti con la tradizione mineraria mitteleuropea, Civezzano-Fornace (Trento), 12-14 ottobre 1995. S. 129-137.

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2000b   Montanhistorisches am Weg zum Hohen Sonnblick, in: Scherer, Erika (Hrsg.): Auf dem Weg zum Hohen Sonnblick, Schwarzach i. Pg., S. 55-98

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2001  Die Entstehungsgeschichte der Bergwerksreviere im Bockharttal, Gastein, in: MGSL 141 (2001), S. 113-130

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2003a  Der Bergbau am Hohen Bockhart als „Staatsbetrieb“ (1616-1711), in: MGSL 143 (2003), S. 193-217

Gruber, Fritz

2003b  Die bergmännische Lehenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Salzburger Reviere von Gastein und Rauris, in: Bericht über den 23. Österreichischen Historikertag in Salzburg vom 24. bis 27. September 2002 (Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer Historiker und Geschichtsvereine 32), Salzburg 2003, S. 626-647

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2004a Einige Ausdrücke des Montanwesens in etymologisch-sprachgeschichtlicher Sicht, in: res montanarum 34 (2004), (Festschrift für Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. H. Dr. h. c. mult. Günter B. L. Fettweis), MHVÖ, S. 101-113

Gruber, Fritz

2004b Das Raurisertal. Gold & Silber. Bergbaugeschichte, Rauris 2004, S. 1-255, 686 Anmerkungen mit Quellenangaben, zahlreiche Grafiken und Bilder, ausführliches Register

Gruber, Fritz

2005  Das schwere Leben der Bergleute, in: Gruber, Fritz (Hrsg.): Altböckstein und die jüngere Geschichte der Tauerngoldproduktion; mit Beiträgen von Gruber, Fritz; und einem Beitrag aus 1938 von Imhof, Karl, 2., erweiterte Auflage von 1979. S. 8-39

Gruber, Fritz

2006   Der Edelmetallbergbau in Salzburg und Oberkärnten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, in: Paar,Werner/Günther, Wilhelm/Gruber, Fritz (Hrsg.): Das Buch vom Tauerngold, Salzburg, S.193-365 (2. Auflage von „Schatzkammer Hohe Tauern“, siehe Gruber 2000, jedoch Umfang um 30 Seiten erweitert)

Gruber, Fritz

2008  Dipl.-Ing. Dr. techn. Karl Imhof (1873-1944) und sein Wirken im Nassfelder Goldbergbau, in: res montanarum 44 (2008), MHVÖ, S. 58-69

Gruber, Fritz

2009  Christoff Weitmoser als bedeutendster Vertreter des Salzburger Privatgewerkentums, in: Dopsch, Heinz (Hrsg.) 2009, siehe oben, S. 31-55.

GRUBER, Fritz

2010   Freispruch für die Gletscher: Unschuldig am Niedergang des Goldbergbaues in den Hohen Tauern, in: MGSL 150 (2010), S. 227-260

Gruber, Fritz

2012a Der völlige Niedergang des Tauern-Goldbergbaues zwischen 1560 und 1590/1600, in: res montanarum 50 (2012), Jubiläumsausgabe, MHVÖ, S. 203-224

Gruber, Fritz

2012b Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins und seiner Salzburger Umgebung. Bergbau – Badewesen – Ortsnamen – Biografien — Chronologie, (30. Ergänzungs-Band der MGSL). S. 1-528, 838 Anmerkungen mit Quellenangaben; mit reichem Bildmaterial, Statistiken und ausführlichem Index

Gruber, Fritz

2012c Das Montanzentrum „Knappenwelt Angertal“, in: Gruber, Fritz, 2012b, (Mosaikstein Nr. 19), S. 121-136

Gruber, Fritz

2014  Das Gold der Fugger. Gastein und Rauris – Bergbau im Salzburger Land, Augsburg 2014, S. 1-48, mit Bibliografie und reichem Bildmaterial

Gruber, Fritz

2015  Edelmetallbergbau in den Hohen Tauern. Anfänge, Aufschwung und Blüte – ein Überblick, in: Stöllner, Thomas/Oeggl, Klaus (Hrsg.): BERGAUF BERGAB 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen, Bochum 2015, S. 565-570

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1980   Salzburgs „Silberhandel“ im 16. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte der Edelmetalle (Böcksteiner Montana 3), Leoben 1980, S. 1-59

Gruber, Fritz/LUDWIG, Karl-Heinz

1982  Salzburger Bergbaugeschichte. Ein Überblick, Salzburg, S. 1-150, mit Urkunden-Anhang, Index

Gruber, Fritz/LUDWIG, Karl-Heinz

1991   Der Metallbergbau, in: Dopsch, Heinz/Spatzenegger, Hans (Hrsg.): Geschichte Salzburgs. Stadt und Land, Band II, 4. Teil, XXIV/3, S. 2593 – 2629

Günther, Wilhelm

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2006   Die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse des Edelmetallbergbaues in Salzburg und Oberkärnten im 19. und 20. Jahrhundert, in: Paar,Werner/Günther, Wilhelm/Gruber, Fritz (Hrsg.): Das Buch vom Tauerngold, Salzburg. S. 365-516

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1977 Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins, 2. Aufl. Bad Hofgastein 1977

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1982   Salzburger Ortsnamenbuch (9. Ergänzungsband der MGSL), bearbeitet von Reiffenstein, Ingo/Ziller, Leopold, Salzburg 1082

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1926   Beiträge zur Geschichte des österreichischen Bergbaues. Gewinnungsdaten vom Goldbergbau bei Böckstein aus den Jahren 1616-1836, in: Montanistische Rundschau 10 (1926), S. 326 ff.

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1947 Das Tauerngold, in: Österreichische Rundschau 1947, II/2, S. 279-281

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1977   Der Salzburger Edelmetallbergbau des 16. Jahrhunderts als Spiegel der Moderne, in: Eberhard Zwink (Hrsg.): Salzburg in der europäischen Geschichte (Symposion der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde anlässlich des Landesfestes „900 Jahre Festung Hohensalzburg“ am 6./7. Juni 1977), Salzburg 1977, S. 111-135

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1968 Aus der hundertjährigen Geschichte der Gewerkschaft Rathausberg, in: Mitteilungen aus dem Forschungsinstitut Gastein 33 (1968), S. 1-55

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1889   Das Angertal-Erzwiesrevier in den Hohen Tauern, Döllach 1889

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1841  Der Aufbereitungsprozess gold- und silberhaltiger Pocherze im Salzburgischen Montanbezirke, Stuttgart 1843

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1765   Tyrolische Bergwerksgeschichte, Wien 1765

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1976   Der Sackzug – eine historische alpenländische Fördermethode, in: Der Anschnitt 28 (1976), S. 123-128

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1981   Geologische Studien über die Golderzvorkommen und die Goldgewinnung in den Hohen Tauern (Böcksteiner Montana 5), Leoben 1981

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1903   Die Tiroler Erzbergbaue 1301-1668, Innsbruck 1903

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1948   Die Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales, Wien 1948

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1965  Der Goldbergbau in den Hohen Tauern und die Auffahrung des Radhausberg-Unterbaustollens (Pasel-Stollen, Thermalstollen, Heilstollen) in Böckstein bei Badgastein, in: Scheminsky, Ferdinand (Hrsg.) 1965, S. 69-85

ZSCHOCKE, Karl

1968   Die Schmelzplätze im Gasteiner und Rauriser Tal, in: Archaeologica Austriaca 43 (1968), 2-17

……………………………………………………………………….

Abkürzungen:

HHStA: Haus- Hof- und Staatsarchiv, Wien

MGSL: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde

MHVÖ: Montanhistorischer Verein Österreichs

SLA: Salzburger Landesarchiv

 

 

[1] Gruber 2015, S. 570, dort mit weiterführender Literatur.

[2] Hörburger 1982, S. 192. Zu slawischen Namen in Österreich, speziell in Kärnten, vgl. die Arbeiten von Heinz-Diether Pohl, Klagenfurt. Das >s< ist hier im Slawischen stimmhaft und wird meistens bei der Übernahme in Lateinschrift mit >z< wiedergegeben. Vgl. slowenisch „Železna Gora“ (Eisen-Berg), russisch железо, Eisen.

[3] Auf der südlichen Abdachung des Tauernhauptkammes findet sich der Name „Ruden“ in einer erzreichen Gegend. Das >eu< entstand aus altem („langem“) >u< unter Einfluss der Lautverschiebung von >u< zu >au< unter gleichzeitiger Wirkung des I-Umlautes: Ruden – Rauden –Räudenitzen – Reudnitzen. Verfasser hielt in der montanhistorischen Tagung vom Juni 2010 in Böckstein einen Vortrag zum Thema bergbau-bezüglicher Orts- und Großflurnamen.

[4] Hinterseer 1977, S. 70.

[5] Darüber im Detail: Gruber 2014.

[6][6] Ludwig/Gruber 1987, S. 93 f. und S. 96-99. Vgl. weiters Sperl 2009, S. 159-178.

[7] Ludwig/Gruber 1987, S. 88-91 et passim

[8] Weiß 1976; vgl. auch Ludwig/Gruber S. 82-85 und die S. 101, 112, 151, 246, 303, 318 f., 357 und 362; bemerkenswert ist der Sackzieheraufstand, hier S. 319.

[9] Gruber 1991b, S. 562-566

[10] Gruber/Ludwig 1982, Dokumentenanhang S. 85-122: „Freibrief zur Bergordnung, 1477“, „Die neue ‚Erfindung‘ auf dem Embach, 1489“, „Maßnahmen zur Förderung der Bergwerke, kurz nach 1489“, „‚Reformation‘ Erzbischof Leonhards über Gebrechen und Mängel bei den Gastein/Rauriser Bergwerken, 1501“.

[11] Dr. Leonhard Auer ist in einem Beitrag über die 14 Forderungsartikel im Bauernkrieg von 1525 ein eigenes Kapitel gewidmet, Erscheinungstermin voraussichtlich Herbst 2016 in den MGSL.

[12] Enthalten in Johann Georg Lori: Sammlung des baierischen Bergrechts mit einer Einleitung in die baierische Bergrechtsgeschichte, München 1764, S. 199-240. Die Datierung „xxxviii“ erklärt sich daraus, dass in der Druckfassung noch ein kurzer Zusatzartikel betreffend die innergebirgischen „Durchschläge“ vom „Sunntag Letare in der Vasten“ 1538 enthalten ist.

[13] Karl-Heinz Ludwig bearbeitet diesen Fragenkomplex wissenschaftlich und wird demnächst dazu eine grundlegende Publikation vorlegen.

[14] Die Blütezeit ist in der Literatur mehrfach abgehandelt, sodass hier einige Beispiele genügen mögen: Reissacher 1880, S. 1-55; Wogrinz 1940; Zimburg 1948, S. 60-81 und 127-141, jeweils mit Wiedergabe zeitgenössischer Gedichte des 16. Jahrhunderts; Ludwig/Gruber 1987; Hinterseer 1977, S. 412-435; Imhof 1938, S. 39-52; Ammerer 1982, S. 46-59; Gruber 2012b, S. 91-97, S.113-140, S. 210-219, S. 231-272.

[15] Der Name leitet sich von Hans Goldseisen her. Er war der Verwalter der Edelmetall-Einlieferungsstelle. Zu den weit ins Detail gehenden Ausführungen vgl. Gruber/Ludwig 1980, hier besonders S. 43.

[16] Es ist unmöglich, exakte Kaufwert-Äquivalente zu fixieren. Die Vorstellungen davon, was einerseits die Arbeit und andrerseits die Handelswaren „wert“ waren, gehen zwischen heute und damals weit auseinander. Dazu kommt, dass auch die Wertrelationen innerhalb der Gruppe der Waren in Teilbereichen völlig anders waren als heute. Dies lässt sich am Beispiel des einst begehrten „Unschlitts“ (Rindstalg) zeigen, für den heute kaum noch Nachfrage besteht. Vgl. Gruber 2012, S. 501 f.

[17] Westermann 1988, S. 111

[18] Ludwig/Gruber 1978, S. 276

[19] Westermann E. (1988), S. 111. Durchschnittsmenge 1556 bis 1559 betrug 6 625 kg.- Neben Fugger, Mandlich, Lingg und Dreiling war die „Römisch Kayserliche Majestät“ ab 1558 der bedeutendste Teilhaber.

[20] Sperges 1765, S. 36 und S. 77; Wolfstrig-Wolfskron 1903, S. 175 und S. 313. Es wurden punktuell minimale Mengen gefunden, zum Beispiel als Seifengold. Das Vorkommen am Heinzenberg (Zillertal) gehörte teilweise zu Salzburg und war nicht durchgehend in Betrieb.

[21] Gruber/Ludwig 1980, S. 28 f. und S. 41

[22] Ludwig 1987, S. 399. Der Betrag galt für „Herrenhäuer“ im Zeitlohn. Lehenhäuer konnten bei Brechen besonders edelmetallreicher Erze auch etwas mehr verdienen, hatten aber gleichzeitig das Risiko unter Umständen leer auszugehen. Für solche Fälle sprang man später mit dem sogenannten „Hilfsgeld“ ein.

[23] Canaval 1911; Gruber 2006, S. 247-281; weiters speziell für das Bockhart-Hochtal: Gruber 2001, S.113-130; 2002, S. 251-265; 2003a, S. 193-217.

[24] Gruber 2004b

[25] Gruber 1980, S. 40-42, mit detaillierten Aufgliederungen

[26] Renker 1970, S. 197. Auch die Reviere außerhalb des Bereichs der Hohen Tauern (Steinfeld, Friesach, Gmünd, Wolfsberg-St. Leonhard) kamen bei Weitem nicht an die an sich schon nicht gerade üppigen Ergebnisse von Großkirchheim und Obervellach heran. Relativ größere Mengen erzielte St. Leonhard, das es bei Gold auf einen Jahresdurchschnitt (aus 1560-1562) von 64,63 kg brachte. Quelle wie oben, S. 197.

[27] Gruber 2006, S. 350. Die vorangehenden und folgenden Jahre brachten es ungefähr auf die Hälfte. Nach 1586 brach die Produktion markant zusammen, sodass schließlich, um 1602, nur noch 2,81 kg Gold und 48,89 kg Silber zu Buche schlugen.

[28] Gruber 1987, über die „Großen Drei“ S. 264-276 und öfter. Der Verfasser bereitet eine Monografie über die Familie der Weitmoser zur Publikation vor.

[29] Aus der umfangreichen Literatur über die Bergleute im Bauernkrieg stechen die Beiträge von Karl-Heinz Ludwig besonders hervor, beispielsweise Ludwig K.-H. (2009): Die Bergleute im Bauernkrieg 1525/26: Salzburg zwischen Habsburg und Wittelsbach – oder politisch darüber hinaus, in: Dopsch H. (2009), S. 191-248.

[30] Gruber 2009, in: Dopsch 2009, S. 31-55

[31] Gruber, Fritz/Tammann, Andreas: Genealogie der Zott. Erscheint ca. 2017

[32] Vorgänger waren die Fugger, Melchior von Meckau, Anthoni von Ross, die Baumgartner von Kufstein u.a.; Nachfolger in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts: Familie Katzpeck, Familie Rosenberger. Als kleine Gewerken neben den „Großen Drei“ sind zu nennen: Christoff Perner und Virgil Krünner. Ausführlich über die Genannten in Ludwig/Gruber 1980 und Ludwig/Gruber 1987.

[33] Gruber 1987, S. 248

[34] Gruber 1981; Günther 2001

[35] Gruber 1991a; Sperl 2009, S. 159-178

[36] Blickle 2012, S. 36. Blickle sagt, dass 1525 die bei der „Aushöhlung“ (so wörtlich) des Festungsberges eingesetzten Knappen wegen ausbleibender Soldzahlungen zu arbeiten aufhörten, sodass „die Burg nicht im Berg versank“ (so wörtlich). Dazu gibt es nicht den geringsten belastbaren Hinweis. Vgl. dazu auch Ludwig 2009, S. 212 f.

[37] Gruber 2003, S. 642 ff. Über die Lehenschaft allgemein S. 626-647

[38] Darüber ausführlich Gruber F. (1993), S. 321 ff.

[39] Ludwig/Gruber 1987, S. 350-369: Verstaatlichung und Ausblick. –Vgl. auch Gruber 1979, S. 7-67.

[40] Gruber 2012a

[41] Renker 1970, S. 179. Im Jahr 1589 gelangten mehr als 100 000 Mark Silber, also das 10 000-Fache an Gewicht gegenüber dem Gold nach Hall. Es handelte sich um amerikanisches Edelmetall, das die Fugger in Hall in Tirol, wo eine wassergetriebene Münzprägemaschine in Betrieb stand, vermünzen ließen.

[42] Bergbericht von 1612 (Privatarchiv F.G.). Vgl. auch SLA Rauris, Pfleggerichtsakten, 1720 und Folgejahre. Zahlreiche weitere Belege, zum Beispiel SLA Bergwesen Amtssachen Lend 1720/1; SLA Bergwesen Amtssachen Rauris 1733/3.

[43] Kämpf 1926, S. 326 ff. (Tabelle)

[44] SLA, Montanakte. Ratschlag Libell in Gastein, 1642. Vgl. auch Kirnbauer F.: Die Geschichte der Sprengarbeit im Bergbau, in: Festschrift der Aktiengesellschaft Dynamit Nobel, Wien 1965, S. 120 ff. Weiters Günther W. (2001).

[45] Gruber 2012, S. 305-313, hier S. 310

[46] Gruber 2012, S. 321-329; Gruber 1979, 12-23

[47] Gruber 1991a, mit detailierten Darstellungen: „Die Lender Holzkohlen-Gesellschaft (1553-1569“ S. 50-63, Die „Gemeine Lender Handels-Gesellschaft (1569-1589)“, S. 63-73

[48] Die in der Literatur weit verbreitete Angabe, dass bereits um 1542 eine „Lender Gesellschaft“ von einem „soliden Gewerkenverein“ gegründet wurde, ist in jeder Hinsicht falsch.

[49] SLA, Bestand Bergwerks-Relationen 1741-1742. Im Detail bei Gruber 1979, S. 12 ff. Weiters Gruber 2012, Mosaikstein Nr. 50: „Wie es zur Gründung des Montankomplexes von Altböckstein kam, 1741“, S. 321-329.

[50] SLA, Bergwesen Oberamt Gastein, 1746/7.

[51] SLA, Berghauptmannschaftsakten Gastein, sub 1747/22: „Gründtliche Bweis-Tabelle das die neu errichteten Stoßherde dem hochfürstlichen Aerario … nützlich seien.“

[52] Bescheid des Österreichischen Bundesdenkmalamtes Zl. 504/78, mit ausführlicher Begründung.

[53] Ludwig/Gruber 1987, S. 83 ff, im Detail mit weiterführenden Angaben. Weiters Gruber 2012, Mosaikstein Nr. 35: „Der Sackzug – eine hochalpine Transportmethode (1490 bis ca. 1798 beziehungsweise 1880)“, S. 236-247. Vgl. in diesem Zusammenhang auch Gruber 1977.

[54] Gruber 2012, Mosaikstein Nr. 59: „Die Aufzugsmaschine (1804-1868), erste alpine Seilbahn Österreichs“, S. 374-382

[55] HHStA, Allgemeine Urkundenreihe sub „1787“. „Extract aus den Hauptrechnungen betreffend die in Gastein und Rauris eroberten Erze 1616 bis 1787„, von Anselm Thaddäus Lürzer von Zehendthal

[56] Säkularisierung des geistlichen Fürsterzbistums Salzburgs und 1803-1805 Kurfürstentum, dann 1806-1809 Zugehörigkeit zum Kaisertum Österreich, gefolgt von Zugehörigkeit zum Königreich Bayern 1810-1816, dann ab 1816 bleibend zu Österreich gehörig.

[57] In Kilogramm umgerechnet nach Kämpf 1926, S. 328

[58] Details bei Gruber 2006, S. 228

[59] Kroker 1976

[60] Für dies und das Folgende vgl. Reissacher 1860, Mutschlechner 1968. Gruber 1979, Gruber/Ludwig 1982, Gruber/Ludwig1991, Günther 2006, Gruber 2012. Für den infrage stehenden Zeitabschnitt gibt es eine Reihe allgemein historischer Darstellungen, die sich auch des Bergbauthemas annehmen. Hier seien nur die wichtigsten Autoren angeführt: Hacquet de la Motte, Vierthaler, Schultes, Koch-Sternfeld, Muchar, Zimburg, Hinterseer; Zauner, Hübner, Zillner und andere. Spezifisch zu Bergbaufragen forschte keiner von ihnen, doch bringen Hacquet und Koch-Sternfeld jeweils einzelne konkrete neue Angaben.

[61] Mündliche Mitteilung von Siegfried Kopp, Rauris, dem hiermit gedankt sei. Diese sehr interessante Tatsache wurde von ihm 2015 erstmals offengelegt.

[62] Gruber 2006, S. 464 f.:

[63] Gruber 1979, S. 40; Günther 2006, S. 398-403

[64] Gruber 2008, S. 58-69: Vgl. Gruber 2012 Mosaikstein Nr. 64: „Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof (1873-1944) und die Zweite Gewerkschaft Rathausberg“. Die Schreibung „Rathausberg“ ist nicht korrekt, wurde aber von der Ersten – und Zweiten Gewerkschaft Rathausberg als Standard verwendet. Aus etymologischer Sicht richtig ist nur „Radhausberg“.

[65] Leitmeier 1947, S. 279-281: Hans Leitmeier habilitierte sich bei Prof Ippen (dieser aus persönlich-weltanschaulichen Gründen ein Gegner Imhofs) und war dann Vorstand des Mineralogisch-petrographischen Instituts der Universität Wien. (Kopie: Privatarchiv F. G., Nr. W 4)— Imhof erwähnte das Arsen nur am Rande. Vgl. Günther 2006, S. 403-428 mit vorwiegend technischen Angaben

[66] Aufgrund von erhaltenen Unterlagen erstellte Statistik, undatiert, vermutlich von Karl Zschocke oder Ferdinand Florentin. (Kopie: Privatarchiv F. G., W 42, handschriftliche Tabellen.)

[67] Florentin 1937, S. 59 f.

[68] Zschocke 1968, S. 1-17 bearbeitete die historischen Schlackenhalden, die er in zwei Typen kategorisierte, in spät-mittelalterliche und in „vor“- mittelalterliche.

[69] Der Genannte war auch einer der zwei Direktoren der Gesellschaft. Der zweite Direktor hieß Lt. Col. Ronald Waterhouse. In Böckstein war als General Manager G. Maitland Edwards vor Ort tätig. (Schreiben Edwards an den englischen Konsul in Wien, Captain John William Taylor; Kopie: Privatarchiv F.G., W 28)

[70] (Kopie: Privatarchiv F.G., W 38). Rundschreiben des Gewerkenrates von August 1938

[71] Über diesen Zeitabschnitt vgl. die ausführlichen Darlegungen bei Florentin 1963, Mutschlechner 1968, Gruber 1979, Günther 2006

[72] Immer noch grundlegend das umfangreiche Buch von Scheminzky 1965 (Hrsg.), darin zum Beispiel folgende Beiträge: Scheminsky F.: „Vom Bergbau zur Stollentherapie“; Zschocke K.: „Der Goldbergbau in den Hohen Tauern und die Auffahrung des Radhausberg-Unterbaustollens (Pasel-Stollen, Thermalstollen, Heilstollen) in Böckstein bei Badgastein“; Haberlandt H., Scheminzky F. und Schiener A.: „Die hydrothermalen Mineralien im Heilstollen“; Scheminsky F.: „Die Wirkfaktoren der Stollentherapie“; Halhuber M. J., Inama K., Haus E., Christa CJ, und E. und K. Riemer: Die Stollenbehandlung bei rheumatischen Erkrankungen am stationäre Krankengut der Klinischen Sonderstation in Badgastein der Innsbrucker Med. Univ.-Klinik; Henn O.: „Die Stollenbehandlung des Morbus Bechterew“ und zehn weitere Beiträge zu medizinischen Fachfragen.

[73] Scheminzky 1965 (Hrsg.) – Darin: Vom Bergbau zur Stollentherapie, S. 29-69., hier S. 55. Die ausführlichen Radon-Messreihen ermittelten Radiologen der Universität Salzburg: Pohl E. und Pohl-Rüling J.: Physikalische und physikalisch-radiologische Messungen im Thermalstollen, ebenda S. 137-163. Die Radonemanation in der Stollenluft wurde erstmals von Prof. Hernegg, Universität Wien, wissenschaftlich bestätigt.

[74] Deuten, Peter/Falkenbach, Albrecht/Harder, Dietrich/Jäckel, Hans/Kaul, Alexander(Philipsborn von, Henning (Hrsg.): Radon als Heilmittel, Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2005. Prof. Dr. Deuten ist (heute emeritierter) Vorstand des Instituts für Physiologie und Balneologie der Universität Innsbruck, Dr. Falkenbach war langjähriger ärztlicher Leiter der „Krankenanstalt Gasteiner Heilstollen in Bad-Gastein-Böckstein

[75] Details vgl. Wikipedia unter Stichwort „Gasteiner Heilstollen“. Es ist nicht Aufgabe dieses Überblicks, auf das Für und Wider der einzelnen ( hypothetischen!) Denkansätze einzugehen.

[76] Vgl. Wikipedia unter „Gasteiner Heilstollen“; weiters „Wie funktioniert der Heilstollen aus geologischer Sicht?“, wie Anm. 82, mit beiliegender CD.

[77] Der Verfasser konnte noch persönlich mit den genannten Professoren themenbezogene Gespräche führen.

[78] Maschinschriftliches Gutachten vom 17.08.1945: „Vorkommen von Uran im Golderzgebiet der Hohen Tauern mit 4 Beilagen von Bergverwalter Karl Zschocke, Böckstein“ (Kopie: Privat-Archiv F. G., W 216).

[79] Zschocke schreibt 1956: „Während der Zeit von 1945 bis heute sind die einst ganz trockenen Grubenbaue feucht und naß geworden, hervorgerufen durch die natürlichen Bewetterungsverhältnisse. Während des jahrelangen Betriebsstillstandes fand keine künstliche Bewetterung statt. Der kalte, feuchte im Stollen einziehende, in den Grubenbauen erwärmte und in den Lutten ausziehende, natürliche Wetterwechsel war im Winter viel lebhafter als im Sommer, wo sich die Feuchtigkeit in den Grubenbauen steigerte. Die in den letzten Jahren nur ab und zu in Betrieb gesetzte, dem natürlichen Wetterwechsel entgegengesetzt wirkende künstliche Bewetterung reichte nicht aus, um den früheren trockenen Zustand in den Grubenbauen wieder herzustellen. Auch der hohe Wasserverbrauch bei der Tiefbohrung, beim Streckenvortrieb und beim Reinigen der Liegeroste vermehrte die Verdunstung.“ (Maschinschriftlicher Brief Zschockes an Prof. Scheminsky, Vorstand des Physiologischen und Balneologischen Instituts der Universität Innsbruck und Leiter des Forschungsinstituts Gastein. Kopie: Privatarchiv F. G., W 221.)

WENN DIESES ZITAT AUS ZSCHOCKES BRIEF ZU LANG IST, DANN ERSUCHE ICH HÖFLICH UM TILGUNG DIESER ANMERKUNG. Ich werde dann zu diesem Thema – einmal – einen eigenen Artikel schreiben. Ich verfüge dazu noch über weiteres Material.

[80] Statistisches Zahlenmaterial von 2015, zur Verfügung gestellt von der Direktion des Gasteiner Heilstollens

[81] Gruber/Ludwig 1982, S. 74.

[82] Gutachten von Karl Zschocke, Betriebsleiter und Grubengeometer (Kopie: Privatarchiv F.G., Nr. W 39).

[83] Deutsches Bundesarchiv, Koblenz, R 7/769-772. Für die Eruierung der Akten ist Prof. Dr. Karl-Heinz Ludwig zu danken.

[84] Gruber 2012, Mosaikstein 65: „Tätigkeitsbericht der Gewerkschaft Rathausberg vom 31.12.1945“, S. 416-422

[85] Gutachten Zschockes, S. 1, (Kopie: Privatarchiv F. G., W 35).

[86] Zschockes „Gesichtspunkte“, maschinschriftliches Manuskript vom 1. Juli 1960, S. 9, mit weiterführenden Details.

[87] Günther 2006, S. 97-104: „Vom Radhausberg-Unterbaustollen zum Gasteiner Heilstollen“, mit reichem Bildmaterial und ausführlichen technischen Details.- Ohne Historisches, aber mit ausführlichen sonstigen Informationen brilliert: Gasteiner Heilstollen (Hrsg.): Ärzte-Information „Gasteiner Heilstollen Radon-Therapie“. Verordnung/Indikationen/Wissenschaft, Böckstein 2014

200 Jahre Gastein bei Österreich – ein Überblick

200 Jahre Gastein bei Österreich – ein Überblick von Dr. Fritz Gruber

Das Gasteiner Tal gehört seit 1297 zu Salzburg und Salzburg gehört seit 1816 bleibend zu Österreich, nachdem es schon vorher zeitweise in habsburgischem Besitz war, die französische Besatzungszeit 1809/10 aushielt und dann sechs Jahre unter bayerischer Herrschaft stand.

Für die Zeit von 1816 bis heute wird eine von OSR Walter Wihart gestaltete Ausstellung mit ausführlichen Texttafeln interessante Informationen bieten, die die Entwicklung Salzburgs vor dem Hintergrund des Geschehens in Österreich und ganz Europa in hervorragender Weise ausleuchtet und mit Bildmaterial darstellt. Aus diesem Grund darf es hier erlaubt sein, das staatspolitische Geschehen nur in kurzen Umrissen zu skizzieren.

Gastein als Teil Salzburgs – und somit als Teil Österreichs

Nachdem das eigenständige Fürsterzbistum Salzburg im 18. Jahrhundert an wirtschaftlicher und staatspolitischer Bedeutung verloren hatte, versuchte der letzte geistliche Landesfürst, Hieronymus Graf Colloredo, durch Reformen einen neuen Aufwärtstrend zu ermöglichen. An ihn erinnert am Radhausberg die Ruine des einstigen Hieronymus-Berghauses und in der Montansiedlung Altböckstein zeigt man noch heute das Colloredo-Haus, das dort zum denkmalgeschützten Gebäude-Ensemble gehört.

Der „Reichs-Deputations-Hauptschluss“ beendete die weltliche Herrschaft Colloredos in Salzburg. Die Zeit ab 1803 war staatspolitisch ereignisreich, doch ist darauf hier nicht einzugehen, mit Ausnahme der französischen Militärverwaltung 1809/10. Es war nämlich Napoleon, der 1810 zugunsten Bayerns verfügte, dass Salzburg in den neu geschaffenen bayerischen Verwaltungskreis, genannt „Salzachkreis“, einzugliedern sei. Salzburg war damit bayerisch geworden und Gastein musste seine „Herren“, nach rund einem halben Jahrtausend salzburgischer Zugehörigkeit, nun zum zweiten Mal in Bayern suchen.  

Um 1815 „tanzte“ der Wiener Kongress und der österreichische Außenminister Klemens Metternich wurde zum „Kutscher Europas“. Aber man tanzte ja nicht nur, man verhandelte auch. Metternich war – zumindest anfangs – recht erfolgreich und schlug für das habsburgische Österreich das Bestmögliche heraus. Die in Wien versammelten Herrscher der europäischen Staaten wollten alles neu ordnen, vor allem auch etliche Staatsgrenzen neu ziehen. Nicht alle der damaligen Politiker in Bayern werden besonders begeistert gewesen sein, doch sie stimmten zu: Salzburg soll zu Österreich kommen, wenn auch mit Verlust einiger grenznaher Distrikte. Am 1. Mai 1816 war es so weit. Das Herzogthum (noch mit >th<) Salzburg wurde im Markus-Sittikus-Saal der Salzburger Residenz hochoffiziell an Österreich übergeben. Damit war Gastein, nach 1806, nun zum zweiten Mal österreichisch geworden.

Wie ging’s weiter? Dem Klemens Metternich, ab 1821 Staatskanzler, gefielen die Ideen und Werte der Französischen Revolution gar nicht, und so stellte er sich in der Innenpolitik konsequent gegen alle Liberalen, vor allem, wenn sie sich politisch organisieren wollten. Kaiser Franz I. von Österreich hielt alles unter seiner persönlichen Kontrolle bis zu seinem Tod 1835, sodass die konservative Kontinuität gewahrt blieb. Kaiser Ferdinand I. von Österreich, der „Gütige“, an dessen Regierungsfähigkeit berechtigterweise gezweifelt wurde, war ein hervorragender Botaniker und sprach fünf Sprachen fließend, nur konnte er, aus Gesundheitsgründen, nicht regieren. Das erledigte für ihn ein „Staatskomitee“, bestehend aus honorigen Männern und unter der Leitung von Staatskanzler Metternich. Er war nun allein der große Macher! Das „System Metternich“ ging so lange gut, bis der national-liberale Schock der Revolution von 1848 alle „betroffen“ machte, und dies im Doppelsinn dieses Wortes. Beides sollte vorbei sein: Metternichs verpöntes Spitzelwesen und die beschauliche „Biedermeier“-Zeit. Kaiser Ferdinand dankte ab und Erzherzog Franz Josef stieg zum neuen Kaiser auf. Er regierte von 1848 bis 1916, verlor zwei große Kriege, schloss andererseits den wichtigen „Ausgleich“ mit Ungarn und das Bündnis mit dem Deutschen Reich, 1879. Nach der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als an Serbien den Krieg zu erklären. Die staatspolitische Initialzündung zu dem fürchterlichen Geschehen, das sich sehr rasch zum Ersten Weltkrieg entwickeln sollte, wurde von seiner Hand unterzeichnet.

Wie erging es Gastein und Salzburg, während sich all dies auf der österreichischen Bühne abspielte? Als Salzburg um 1816 administrativ an Oberösterreich angegliedert wurde, drohte die totale Provinzialisierung. Es war arg, als auf den Plätzen der Stadt Salzburg das Gras wuchs – für die Botaniker vielleicht interessant, solange sie sich nicht als Lokalpatrioten sahen. Diese gab es, und sie wollten Salzburg wieder zu Bedeutung bringen und sich von Linz als ihrer auferlegten Hauptstadt trennen. Die Bemühungen waren letztendlich von Erfolg gekrönt. Im Jahr 1861 erlangte das Land im Rahmen der Verfassungsentwicklung des Habsburgerstaates wieder uneingeschränkte Selbständigkeit. Es wandelte sich zu einem eigenen Kronland mit eigener Landesgesetzgebung, wobei die Beibehaltung der österreichischen Staatlichkeit im Typus der föderalistischen Ausprägung weiterhin als Selbstverständlichkeit nie infrage gestellt war. Das föderalistische Denken setzte sich sogar auf die Bezirksebene fort und 1867/68 kam es zur Errichtung von Bezirkshauptmannschaften, so auch in St. Johann im Pongau (zuvor in Werfen).

Ob die Eingliederung Salzburgs in das Habsburgerreich nur Positives brachte, ist wie jede allgemeine Frage, an irgendeiner Ecke negativ zu beantworten. Dieses negative „Eckerl“ trug in Salzburg den Namen „Kunstschätze“. Sich aus diesen mit dem einen oder anderen Stück zu bedienen, scheuten sie sich alle nicht, zuerst nicht die Franzosen (Mineraliensammlungen!), dann die Bayern und schließlich die Wiener Zentralbehörden. Rückgaben wären schön: ein schöner Traum oder doch ein realer, verwirklichbarer Wunsch? Die Zukunft wird es zeigen.

Gastein im Jahr 1816 und in den Folgejahren

Was war nun eigentlich in diesem bedeutungsschweren Jahr in Gastein los? Darauf eine einfache Antwort: eigentlich überhaupt nichts. Alles nahm seinen gewohnten Lauf, allerdings mit einer großen Ausnahme: Es war das Wetter, das verrückt spielte. 1816 gilt zu Recht als das „Jahr ohne Sommer“, so auch in Gastein, wo im Tal sogar noch im Juli Schnee lag. Schuld daran hatte der Tambora, ein Vulkan in Indonesien (Insel Sumbawa), der im Frühjahr 1815 mit einer unvorstellbar großen Eruption ausbrach und eine Wolke aus Aschenstaub rund um die Erde sandte. Das miserable, jeder Fruchtreifung entgegen wirkende Wetter traf vor allem die Bauern.

In Gastein gedieh das Getreide in normalen Jahren sehr gut, und sogar in Böckstein gab es ein großes Weizenfeld, heute eine Wiese. Der Schwerpunkt allen landwirtschaftlichen Schaffens lag aber schon damals auf der Viehzucht. Im Sommer bevölkerten die Gasteiner Almen um 1816 rund 700 Rinder, 200 Pferde und 4 000 Stück Kleinvieh (Schafe und Ziegen/Böcke). Auf das, was im Jahr 1848, dem Jahr der „Bauernbefreiung“ vom alten grundherrschaftlichen System, verwirklicht wurde, boten sich 1816 bestenfalls zukunftsorientierte Gedankenexperimente an. Die Bauern steckten, gegen ihren Willen, noch ein wenig in – auslaufenden! – mittelalterlichen Strukturen.

Erwähnenswert ist für 1816 und die Folgejahre noch eine zweite Ausnahme, doch betraf diese nur die Gäste. Es war die polizeiliche Bad-Inspektion in Person des „früheren Hofkammer Secretariats Accessisten und derzeitigen Unter-Commissaire bei der k.k. Polizey-Direktion in Linz“, Andreas Albrecht Chabert. Dieser Mann verrichtete als geheimer, dessen ungeachtet hier natürlich allen bestens bekannter Spitzel Metternichs seine „Spionagetätigkeit“ im Gasteiner Badewesen und unterstand ab 1817 direkt einem gehassten Mann, nämlich Josef Graf Sedlnitzky, seines Zeichens Leiter der Obersten Polizei- und Zensurhofstelle. Chabert, der schon unter französischer Administration etliche Polizei-Mandate abgefasst hatte, schrieb gern, und so schrieb er aus Gastein eine Unzahl von Berichten, die heute sehr interessant sind, weil sie das Badeleben jener Zeit widerspiegeln. Da es in Bad Gastein offenbar keine politischen Missetäter zu eruieren gab, so begnügte er sich beispielsweise damit, an höchste Stelle zu melden, dass beim Straubinger der bayerischer Oberkirchenrat Wiesmayr logiere, der aber nichts spreche und nur finster dreinblicke. Immerhin: Er war aus Bayern und daher grundsätzlich verdächtig.

Als man in Bayern Bilanz über den bayerischen Bergbau in Gastein und Rauris zog, dürfte es lange Gesichter gegeben haben: Von 1809 bis 1815 hatte man nur Verluste eingefahren, im Jahresdurchschnitt immerhin 2 931 Gulden. Vielleicht hing dieser Ärger noch im Jahr 1828 dem Maximilian Graf Montgelas nach, als er in Gastein die Badekur absolvierte. Er hielt während der Zeit des defizitären Bergbaus die Position eines bayerischen Ministerpräsidenten, seine „Dienstjahre“ reichten von 1799 bis 1817. Montgelas äußerte sich 1828 recht abfällig über Gastein und die Gasteiner.

Die Entwicklung des Besucherstroms ging nach 1816 deutlich nach oben und erreichte allmählich wieder den Stand wie vor der bayerischen Zeit. An Prominenten, nun überwiegend aus Österreich, fehlte es nicht. Schon im Jahr 1816 tauchte Friedrich von Gentz mit einem Gefolge von 11 Personen in Gastein auf, um die „Neuerwerbung“ im wilden Gebirge persönlich in Augenschein zu nehmen und die heilende Wirkung des warmen Wassers am eigenen Leib zu erproben. An Schlechtwettertagen las er die philosophischen Werke Kants und lud Goethe nach Gastein ein. Dieser kam nicht, wollte aber Gasteiner Mineralien: „Auch Gold vom Radhausberg wäre angenehm!“ – Herr von Gentz schien sich im Badeort der Kritik ausgesetzt zu haben, so geschehen jedenfalls vonseiten Franz Grillparzers, und das Wort vom „Genießer, Lüstling und Sybariten“ (Rudolf Holzer) machte die Runde. Dass er hier als Sechzigjähriger von der Liebe einer Zwanzigjährigen „beglückt“ (O-Ton des Herrn v. Gentz) wurde, spricht für die Qualität des Gasteiner Thermalwassers, wäre aber ansonsten völlig banal und uninteressant, wäre dieser Friedrich von Gentz nicht als Vertrauter Metternichs der Protokollführer des Wiener Kongresses von 1815 gewesen. (Übrigens spielte auch Metternich ganz gern den großen Lebemann!)

Als weitere Besucher Gasteins in der Zeitspanne nach 1816 prägten sich ins historische Gedächtnis: Kaiser Franz I. von Österreich, Erzherzog Rainer und vor allem Erzherzog Johann, der sich auf den alten Wetzel-Gütern ankaufte. Heute gibt das „Meranhaus“ davon Zeugnis. Ganz besonders hervorzuheben ist Ladislaus Pyrker von Felsö-Eör, der eines der ältesten erhaltenen Häuser Gasteins erwarb und dieses zu einem Militär-Badekurhaus widmete. Heute steht an dessen Stelle das moderne Hanusch-Kurheim. Pyrkers Gastein-Aufenthalte beginnen 1817, ein Jahr nach der Österreich-Werdung unseres Tales. Pyrker war nicht nur höchstrangiger Geistlicher und schließlich, 1827, sogar Erzbischof im ungarischen Erlau/Eger, sondern auch ein großer Literat. Die letztgenannte Eigenschaft verbindet ihn mit Franz Grillparzer, der Gastein 1818, 1819, 1820 und 1831 besuchte. – Franz Schubert, Arthur Schopenhauer, Wilhelm von Humboldt und etliche weitere Größen des Dezenniums nach 1816 stiegen in Gastein ab, um hier ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun. Der für Österreich „neue“ Kurort zog auch eine Reihe begabtester Landschaftsmaler an, darunter finden sich so berühmte Namen wie Matthäus Loder, Jacob und Rudolf von Alt, Ferdinand Waldmüller, Thomas Ender, Carl Libay; – später Georg Petzoldt, Adolf Menzel, Gustav Klimt und zahlreiche weitere. Sie alle ließen sich von Gasteins landschaftlicher Schönheit inspirieren.

Das Jahr 1865 und die Folgejahre, auch das Schicksal des neuen „privaten“ Goldbergbaus

Das Jahr 1865 verdient deshalb besondere Beachtung, weil es dem Namen „Gastein“ Eingang in die damalige Weltpresse verschaffte. Von New York über London bis Moskau und Kairo schrieb man über die „Gasteiner Konvention“, auch unter dem Namen „Gasteiner Vertrag“ bekannt, geschlossen am 14. August dieses Jahres. Nach dem Dänenfeldzug einigten sich Preußen und Österreich über die Aufteilung der eroberten Gebiete, und sie taten dies im nun weltberühmten Zimmer Nr. 7 des Hotels Straubinger, dessen Anblick heutigentags – leider! – nur mehr traurig zu stimmen vermag. Ebendies gilt für das ehemals fürsterzbischöfliche, dann kaiserliche „Badeschloss“, vielleicht sogar in noch höherem Maße! Da leuchtet Gastein in weltpolitischem Zusammenhang einmal ganz groß auf – und 150 Jahre später ist die Reminiszenz an diese einstige Welt-Berühmtheit kollektiv verdrängt und kaum noch einem Gasteiner bekannt. Man mache einen Test aufs Exempel!

Das Jahr 1865 ist noch in anderer Hinsicht einer besonderen Erwähnung wert: In diesem Jahr fand der staatliche (!) Goldbergbau nach 250 Jahren sein Ende. Musste 1615 der selbständige Staat namens „Fürsterzbistum Salzburg“ von den pleite gegangenen Privatgewerken die Weiterführung des gesamten montanistischen Besitzes übernehmen, nicht zuletzt „um einer armen Bevölkerung Brot und Arbeit zu geben“, so waren es 1866 wiederum private Gewerken, die in Gastein das wirtschaftliche Abenteuer eingingen und nun ihrerseits vom Staat, ab 1868 vertreten durch das damals zuständige österreichische Ackerbauministerium, den Bergbau am Radhausberg mit allen seinen Chancen und Risiken übernahmen. Die Initiative ergriff der Bad Hofgasteiner Kaufmann Peter Höhenwarter, der 1866 mit einer Reihe von unternehmungslustigen Gasteinern die montanistische „Union-Gewerkschaft“ gründete. Diese Gewerken-Vereinigung setzte sich später als „Erste Gewerkschaft Radhausberg“ fort, der ab 1907 die „Zweite Gewerkschaft Radhausberg“ folgte, ab 1911 unter der Direktion von Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof. Das montanistische Engagement des englischen „Edron-Trusts“ (Herbst 1937 bis Sommer 1938) und der Montanfirma „Preuß-AG“ (1938 bis 1945), diese heute im TUI-Großkonzern aufgegangen, erfolgte unter dem weiterbestehenden Firmennamen „(Zweite) Gewerkschaft Radhausberg“. Heutigentags sind als jüngste Sprösslinge dieser Entwicklung die „Erzbergbau Radhausberg“-Gesellschaft und die „Heilstollen- Betriebsgesellschaft“ als äußerst wichtige Wirtschaftsfaktoren im Tal zu nennen.

Ein Jahr später, 1866, kam übrigens, nachdem 1794 der große Steinbau des fürsterzbischöflichen „Badeschlosses“ den Anfang gemacht hatte, auch eine allgemein rege Bautätigkeit in Schwung, als deren bedeutendstes Projekt sich der Bau der neuen Preimskirche erweisen sollte, heute Bad Gasteiner Pfarrkirche, diese feierlich eingeweiht am 27. November 1876. Die alte Kirche war am geologisch instabilen Rutschhang nicht mehr zu halten und hatte abgetragen werden müssen. – Zwei Jahre später kam es zur Grundsteinlegung der evangelischen Christofforus Kirche, diese nun auf stabilem Felsgrund. Den gleichen Vorzug durfte die 1767 eingeweihte Böcksteiner Kirche für sich in Anspruch nehmen; sie wurde aber erst 1891 zur Pfarrkirche erhoben.

Das Jahr 1879 und die Folgejahre

Zwar nicht durch die Weltpresse, aber immerhin durch die gesamte deutschsprachige Presse ging das große Kaisertreffen vom September 1879. Der deutsche Kaiser Wilhelm I. und der österreichische Kaiser Franz Joseph I. trafen, wie später noch mehrere Male, auf dem Straubinger-Platz zu feierlichem Empfang aufeinander. Kaiser Wilhelm I. absolvierte zwanzigmal die Gasteiner Badekur und die Gemeinde Bad Gastein bedankte sich, indem sie zu seinem Begräbnis 1888 einen Kranz schickte, geflochten aus eintausend Edelweiß. – Sein Enkelsohn Wilhelm II. weilte ebenso in Gastein zur Kur wie Kaiserin Elisabeth, diese von 1886 bis 1893 mit insgesamt sechs Aufenthalten. Dr. Laurenz Krisch hat darüber eine Monografie geschrieben, in der auch zwei von Kaiserin Elisabeth verfasste Gastein-Gedichte wiedergegeben sind (Schriften des Gasteiner Museums, 1998).

Im Jahr 1879 war der deutsche Kanzler Fürst Bismarck – wie auch sonst mehrmals – in Gastein, um sich mit dem päpstlichen Nuntius Jacobini und dessen Beraterstab zu treffen. Man war beiderseits bemüht, den in Deutschland seit längerem wogenden „Kulturkampf“ zu beenden. Bismarck wollte eine völlige Trennung von Staat und Kirche. Streitpunkte, die in Gastein zur Sprache kamen, waren die Schulgesetze und die neu beschlossene Zivilehe. – Außerdem führte Bismarck im gleichen Jahr 1879 in Gastein Vorverhandlungen zum deutsch-österreichischen Bündnis. Dieser „Zweibund“ wurde am 7. Oktober 1879 offiziell unterzeichnet.

Die Anwesenheit der hohen und höchsten Herrschaften zog natürlich viele Gäste nach Gastein. Man wollte „dabei“ sein. Der Schüttelreim vom „Bandelwahn auf der Wandelbahn“ charakterisierte die Situation. Man wollte auf der sich westlich an die Wasserfallbrücke anschließenden ca. 130 m langen und 5 m breiten, gut eingedeckten „Wandelbahn“ hin und her „wandelnd“ neue Kontakte knüpfen, um vielleicht auf diese Weise einen Orden zu bekommen, möglichst einen am Band, zumindest am „Bandl“, auch wenn sich das wohl so gut wie immer als „Wahn“ herausgestellt haben dürfte, eben als „Bandelwahn“. Diese „Wandelbahn“ stellte aus architekturgeschichtlicher Sicht ein geradezu monströses Bauwerk dar; im Jahr 1971 musste es einer modernen Betonkonstruktion des renommierten Architekten Gerhard Garstenauer weichen. Derzeit ist es in Verfall begriffen, wie eigentlich alles im kulturgeschichtlich überaus wertvollen Bad Gasteiner Zentrum rund um den Wasserfall. Dass es so weit kommen konnte, dafür sind Spekulanten die Ursache.

Der „Big Deal“ von 1912 und der schwierige Weg dorthin

Das Jahr 1912 brachte einige Unruhe ins Tal. Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof erwog mithilfe seines Rechtsanwalts Dr. Povinelli, sich von Bad Gastein zu lösen und Böckstein zur einer selbständigen Gemeinde zu machen. Sie beriefen sich auf ein Gutachten von 1850, demzufolge es damals im Gasteiner Tal sogar fünf Gemeinden gegeben habe: Marktgemeinde Hofgastein (726 Seelen), „Kuralgemeinde“ Hofgastein (Wieden, Harbach, Heißingdfelding, Vorderschneeberg, zusammen mit 1369 Seelen), „Vikariatsgemeinde“ Dorfgastein (703 Seelen), „Vikariatsgemeinde Wildbadgastein“ (gesamt 680 Seelen, davon Wildbadgastein 378 Seelen; und Remsach 302 Seelen) sowie schließlich auch Böckstein (157 Seelen, aber mit 19 270 Joch die mit weitem Abstand größte Gemeinde-Fläche). Der Plan wurde nicht verwirklicht und es herrschte fortan wieder Ruhe. Viel wichtiger war damals etwas ganz anderes, nämlich der zur Diskussion stehende „Big Deal“ um das warme Wasser:

Schon die letzten drei Dezennien des 19. Jahrhunderts hatten Bewegung in die besitzrechtlichen Verhältnisse im Umkreis der Nutzung des Thermalwassers gebracht. Durch die Jahrhunderte war der „Genuss“ desselben kaum geregelt und eine Warmwasserquelle („warmer Brunnen“) bestimmte ihren Wert einzig und allein über den Wert des umgebenden Grundes, wenn sich dieser etwa als Ziegenweide nützen ließ. Jede Art von Wasser gehörte zwar regalrechtlich grundsätzlich zunächst immer dem Landesherrn, doch im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich bei den Gasteiner Thermalquellen, quasi aus wilder Wurzel, schließlich doch auch offiziell anerkannte persönliche Besitzrechte. Quellen am Nordhang unter dem Hotel Straubinger beanspruchte die Familie Straubinger; und Quellen am west-schauenden Teil des Quellhanges hatten wechselnde Besitzer, unter ihnen in früher Zeit vor allem die Pfarre Hofgastein, die die Hauptquelle, die heutige Elisabethquelle, durch die Jahrhunderte hindurch lange zu ihrem Besitzstand zählte.

Wohl der bedeutendste Markstein für die Entwicklung nach 1816 war der bereits 1825 beschlossene Bau einer Thermalwasserleitung von Bad Gastein nach Bad Hofgastein, die so gut isoliert war, dass auf der doch relativ langen Transportstrecke von 7 250 m das Thermalwasser durch entsprechend wirksame Isolierungen nur sehr geringfügig an Wärmegraden einbüßte. So konnte am 13. Oktober 1828 von offizieller staatlicher Seite grünes Licht für den Bau einer Hofgasteiner „Filial-Badeanstalt“ gegeben werden, und damit öffnete sich ein weit einladendes Tor zu Aufbau und Weiterentwicklung eines Kurortes, ein Tor, das dann auch tatsächlich rasch zu hohem Renommee und bedeutendem wirtschaftlichem Erfolg führte.

Im Jahr 1870 entschloss sich die Salzburger Regierung, seit 1861 ja in der Position eines selbständigen Bundeslandes, zum Ankauf des größten Teils der Thermalquellen und verfügte im gleichen Jahr die Festlegung von „Quellschutzgebieten“ rund um die Thermalquellen und teilweise bis Böckstein. – Als sich dann in der Folgezeit die Finanzlage verschlechterte, wollte die Salzburger Regierung zu flüssigem Geld kommen und bot das in ihrem Besitz stehende Gasteiner Thermalwasser zum Kauf an. Die Gasteiner fürchteten nun, dass fremde Konkurrenten auf den Plan treten könnten, und dies nicht zu Unrecht, denn französische Financiers, so ging das Gerücht, wollten viel, ja sehr viel bieten. In dieser Situation hatte Bürgermeister Carl Straubinger eine geniale Idee: Soll doch der Kaiser die zu Gebot stehenden Quellen kaufen. Der Coup gelang: Am 4. Jänner 1886 stimmte Kaiser Franz Joseph zu, und die Quellen samt großem Grundbesitz (Quellschutzgebiet), der bis nach Böckstein reichte (einschließlich des heutigen „Kurhauses Rader“, früher „Kaiserliches Kaltwasser-Kurhaus“), gingen besitzrechtlich an den „Allerhöchsten Familienfonds“ der habsburgischen Familie über. Der Kaufpreis lag bei 550 000 Gulden; dieser Betrag entsprach    1 100 000 Kronen, und zwar ab 1. Jänner 1900, ohne Zinsen gerechnet.

Aber in der Gemeinde Bad Gastein regte sich bald Begehrlichkeit: Es wäre halt doch sehr schön, wenn man die Quellen selber hätte. Das Haus Habsburg erteilte zunächst, 1897, die Einwilligung zu einem Pachtvertrag, der die Gemeinde aber durch einen hohen Pachtzins sehr belastete. Das Kaiserhaus ließ beispielsweise auch ein kleines Elektrizitätswerk bauen und verlangte für den abverkauften Strom höhere Preise, als sie in Wien üblich waren. Immer mehr waren mit der „kaiserlichen Ära“ unzufrieden, je später, je mehr. Der Vorwurf stand im Raum, dass die Interessen des Kurwesens vernachlässigt würden. Abhilfe, so meinten manche zunächst, könnte nur der Rückkauf der Quellen durch die Salzburger Landesregierung bringen. Aber es kam anders.

Fünfzehn Jahre später, 1912, ging der große, sozusagen der finale „Big-Deal“ über die Bühne. Er umfasste zwei getrennte, aber zusammengehörende, da zusammen geplante Transaktionen: Vertrag 1: Bad Gastein verkauft Thermalwasser an Bad Hofgastein und lukriert Geld, ungefähr 25 % der Kosten für Vertrag zwei; – Vertrag 2: Bad Gastein kauft die Quellen aus kaiserlichem Besitz.

Im Detail ging es um Folgendes: Zunächst verzichtete die Salzburger Landesregierung offiziell auf ihr Vorkaufsrecht, allerdings unter der Bedingung des Freibezugs von Thermalwasser zugunsten des Armen-Badespitals (heute die moderne Kuranstalt „Badehospiz“). Dies positiv geklärt, konnte nun die „Generaldirektion der Privat- und Familien-Fonde Sr. k. k. apostolischen Majestät“ mit Verträgen vom 10. und 13. November 1912 allen seinen Gasteiner Besitz an die Gemeinde Bad Gastein verkaufen. Der Preis lag nun bei 2 500 000 Kronen, was von habsburgischer Seite kommentiert wurde: Das Gasteiner Engagement hätte, so die Kalkulation unter Berücksichtigung der üblichen 5 % Habenzinsen „weder Gewinn noch Verlust“ gebracht. Die einträgliche Nutznießung des Thermalwassers, direkt oder indirekt, immerhin 26 Jahre lang (1886-1912), blieb dabei unberücksichtigt. Die Herren „Öconomici“ des Kaiserhauses wussten, wie sich Vorteile herausschlagen ließen.

Bad Gastein konnte den finanziellen Brocken des Kaufpreises „mit Würgen“ schlucken. Zum einen half ein in größerem Umfang gewährtes Darlehen der Österreichisch-Ungarischen Staatsbank mit ihrer Salzburger Filiale; und zum anderen durften die Gemeindeväter eine für den 1. Jänner 1916 in Aussicht gestellte künftige Zahlung von Bad Hofgastein erwarten. Die Bad Gasteiner Gemeinde hatte nämlich, den bevorstehenden „Big Deal“ konkret ins Auge fassend, den Bad Hofgasteinern bereits mit Verträgen vom 27. und 29. Februar 1912 ein großes Zugeständnis gemacht und dafür von der Gemeinde Bad Hofgastein die Summe von 620 000 Kronen rechtsverbindlich versprochen bekommen. Dies war der zu erlegende Preis dafür, dass die Bad Gasteiner als Geber den Bad Hofgasteinern als Nehmern exakt 950 m³ Thermalwasser unentgeltlich überlassen mussten, und zwar täglich und auf ewige Zeiten. Das war möglich, da trotz des täglichen „Aderlasses“ noch mehr als genügend Thermalwasser in Bad Gastein verblieb.

Die Gemeindeverwaltungen beider Kurorte nutzten in ihren Wasserabteilungen die Finanzquellen, die so stetig flossen wie das Warmwasser zu den Endverbrauchern, zum allergrößten Teil also zu den Hotels, wo die Gäste die von den Kurärzten verordneten Bäder bezahlten und so die Schuldenstände – über viele, ja sehr viele der folgenden Jahre hinweg, ganz allmählich, schön peu à peu – verringern halfen. Dem Vernehmen nach waren 1912 alle zufrieden: Bad Hofgastein, Bad Gastein und der Kaiser. Natürlich war zuvor, im Frühjahr 1912 und schon um etliches früher den Anfang machend, schier endlos hin und her verhandelt worden: Fünf Laufmeter an gestaffelten Akten liegen dazu im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv, doch auf die zahlreichen sich „spießenden“ Detailfragen einzugehen, würde hier viel zu weit führen.

Die Gemeinde Bad Gastein hielt nun den größten Teil des kostbaren Warmwassers in ihrem Besitz – und dazu noch ausgedehnte Grundflächen in Richtung Böckstein. Der weit vorausblickende Traum des großartigen Ortschefs Carl Straubinger war endlich Wirklichkeit geworden! Aber es gibt noch etwas, was ihm, nun Kaiserlicher Rat, zu verdanken ist: die Tauernbahn-Trasse durch das Gasteiner Tal. Im Jahr 1901 unterzeichnete Kaiser Franz Joseph diese Variante – gegen die Konkurrenz der Trasse über das oberkärntnerische Gmünd im Malta Tal. Um 1905 war die Nordrampe der Bahntrasse fertig. Erstmals 1909 stand dann in Böckstein das Signal auf Grün zur Durchfahrung des Tauerntunnels in seiner vollen Länge von 8.8 km. Im Jahr 1911 war die gesamte Strecke zwischen Spittal an der Drau und Schwarzach durchgängig befahrbar.

Der Massentourismus konnte nun so richtig aufblühen, zumal neue Hotelbauten viele Gäste nicht nur aus aller Welt anzogen, sondern vor allem auch aus der österreichischen Mittelschicht: Als Beispiel sei der Schriftsteller Peter Rosegger genannt, der am 11. Juli 1906 per Bahn in Bad Gastein eintraf. Stellvertretend für viele andere bedeutende Hoteliers sei hier der Stammvater der Gasteiner Hoteliersfamilie Windischbauer genannt, nämlich Alois Windischbauer, gestorben 1916. Auf seine Initiative entstanden in ihrer Urform der „Elisabethhof“, der (nun abgetragene) „Gasteinerhof“ sowie der „Kaiserhof“. Später folgten als Großhotels das „Hotel Mozart“, das „Bellevue“ und das „Grand Hotel De‘ l Europe“, über das Dr. Laurenz Krisch eine Monografie schrieb (Schriften des Gasteiner Museums 2009).

Gastein in den Dreißiger und Vierziger Jahren des 20.Jahrhunderts

Nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs, auf den hier wegen der ausführlichen Behandlung in der kommenden Ausstellung ebenso wenig einzugehen ist wie auf den Zweiten Weltkrieg, brachten die Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts das Hochkommen des Nationalsozialismus. Die Tausend-Mark-Sperre ließ die Gasteiner Hoteliers in eine äußerst schwierige Lage geraten. Lag die Zahl der deutschen Gäste 1932 noch bei 16 141, so fiel sie 1933 auf 1 909 ab, also auf etwas mehr als ein Zehntel! Dr. Laurenz Krisch kam aufgrund seiner streng wissenschaftlich geführten und alles erreichbare Schriftmaterial aus dieser Zeit einschließenden Dissertation zu folgendem Ergebnis: Die Unternehmer, „die durch Konkurse oder Ausgleiche in ihrer Existenz bedroht waren, waren deutlich stärker nationalsozialistisch gesinnt“ als beispielsweise die vielen durch die Tausend-Mark-Sperre arbeitslos Gewordenen, „die sich eher der kommunistischen Partei zuwandten.“ Und Dr. Krisch weiter: „Die Kombination von traditionellem ‚Deutschbewusstsein‘, fähigen Führerpersönlichkeiten, geschlossenen nationalsozialistischen ‚Wir‘-Gruppen und die sich anbahnende Wirtschaftskrise waren meines [L. Krischs] Erachtens die Ursachen dafür, dass die beiden Gasteiner Orte (Bad Gastein und Bad Hofgastein) zu ‚Nazi-Nestern‘ wurden, wie der Bad Hofgasteiner Hauptschuldirektor 1934 behauptete“ (Ende Zitat L. Krischs). In der „Reichskristallnacht“ (Reichspogromnacht) vom 9. November 1938 kam es zu Beschädigungen von Hotels, die in jüdischem Besitz standen, doch traf es keine Personen, da die Juden zuvor bereits das Tal verlassen hatten. Soweit der wissenschaftliche Forscher Dr. Krisch, dessen Arbeiten auch für die folgenden Aussagen häufig herangezogen werden.

Im Jahr 1940 verwandelte sich Bad Gastein zu einer Lazarett-„Stadt“ für die Wehrmacht. Nach Aussage des damaligen Kurdirektors Heinrich von Zimburg waren hier zeitweise rund 10 000 verwundete Soldaten gleichzeitig anwesend, die medizinisch versorgt werden mussten. – Am 10. Mai 1945 rückte die erste motorisierte amerikanische Einheit der 101. Airborne Division, von Bad Reichenhall kommend, in Bad Gastein ein. Im Oktober 1945 bezogen die ersten jüdischen DPs (Displaced Persons) aus den europäischen Ostgebieten ihre Quartiere in Bad Gastein, das fortan als sogenanntes „Lager“ galt. Das Grand-Hotel in Bad Hofgastein führte die UNRRA als Spital, wobei UNRRA für „United Nations Relief and Rehabilitation Administration“ steht. Als im Jahr 1947 sowohl die jüdischen Flüchtlinge als auch die amerikanischen Besatzungssoldaten aus Gastein abzogen, erwiesen sich die zuvor meist überbelegten Hotels als stark in Mitleidenschaft gezogen und bedurften einer Renovierung.

Der Neu-Aufschwung in Gastein: Kurwesen und Seilbahnen

Der Bevölkerung ging es in den Nachkriegsjahren schlecht und der Tourismus kam nur allmählich wieder in die Gänge. Das Kurwesen erhielt nach dem „Big Deal“ von 1912 neue Impulse durch zwei wichtige Bauten: in Bad Hofgastein ein (- aus heutiger Sicht unter der Bezeichnung „altes“ laufendes -) Kurhaus (1916) und in Bad Gastein das „Kurbadehaus“ (1931). – Wenige Jahre später, 1936, kam es nicht nur zur Eröffnung des von Kurdirektor Heinrich von Zimburg neu gegründeten „Gasteiner Museums“ (Wiedereröffnung 1974 durch Dr. Hermann Greinwald und Dr. Fritz Gruber), sondern auch zur Etablierung des „Gasteiner Forschungsinstituts“ in Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Dr. Wilhelm Miklas. Dieses Institut sollte der weiteren Erforschung der Heilkraft des Thermalwassers gewidmet sein, nachdem bereits Pierre Curie und Prof. Heinrich Mache, beide im Jahr 1904, den Radongehalt des Wassers festgestellt hatten. Pierre Curie, gemeinsam mit seiner Gattin Marie Curie um 1903 mit dem Nobelpreis geehrt, hielt das Gasteiner Heilwasser für „das stärkste“ in Europa, wobei mit „stärkste“ wohl gemeint war „das im höchsten Grade radioaktive unter allen untersuchten Heilwässern“. Man hatte endlich gefunden, was Dr. Ignaz Niederhuber als Gasteiner Badearzt schon 1790 mit seherischer Gabe als das geheimnisvolle „Agens“, also das auf geheimnisvolle Weise „Handelnde“, „Wirkende“, vermutete. — Heute ist alles geklärt, auch die im „Gasteiner Heilstollen“ wirksamen Heilfaktoren Radongehalt, Wärme und Luftfeuchtigkeit. Die neuerdings von der Heilstollendirektion aufgestellte Theorie klingt bestechend einfach und plausibel: In jenen Gesteinsmassen, die den Stollen zu allen Seiten umgeben, tritt vom Thermalwasser stammender Wasserdampf auf und gelangt irgendwie in den Stollen. Manche Naturwissenschaftler hegen allerdings Zweifel. Schon der frühere Geologe, Mineraloge und langjährige Stollen-Betriebsleiter Ing. Karl Zschocke sagte, das Gestein im Stollen „ist staubtrocken“ (so wörtlich). Die Feuchtigkeit kommt einfach durch die Lüftungsrohre in die hinteren Teile des Stollens. Wie auch immer: Hauptsache ist, der Heilstollen wirkt – und das tut er in hervorragender Weise! Besonders die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises finden erfolgreiche Linderung, aber auch bei Asthma bewährt sich der Stollen. Für die empirisch-medizinische Erforschung machten sich Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Scheminsky und Oberarzt Dr. Otto Henn in der „Pionierzeit“ des Heilstollens verdient.

Was die Kurärzte des 19. Jahrhunderts als besonders wichtig für das Gelingen einer Kur herausstrichen, war die Wirkung des „locus amoenus“, also des „schönen Ortes“, womit sie die schöne, angenehme und gesunde Umgebung meinten. Heute sind zur Schönheit der Natur mit gutem Recht auch die modernen „Facilities“ hinzuzurechnen, die das Kur- beziehungsweise das Urlaubserlebnis in noch höherem Maße „facilis, -e“, also „leicht, erhebend, erfreuend“ machen. Zu Erreichung dieses Zieles gelangten in jüngerer Zeit in beiden Kurorten große Hallenbäder zur Ausführung: das Bad Gasteiner „Felsenbad“, heute „Felsentherme“, und die Bad Hofgasteiner „Alpentherme“, diese samt neuem Kurhaus.

Und noch etwas ganz Wichtiges: Den „locus amoenus“ kann man am besten auf den Bergen oben genießen – und dazu verhelfen seit dem letzten Krieg die „Facilities“ der technischen Bergbeförderung. Der Tourismus wäre heute ohne die Seilbahnanlagen in Sportgastein, am Graukogel und Stubnerkogel und auf der Schlossalm sowie ohne jene auf das Dorfgasteiner Fulseck unvorstellbar. Technikbegeisterte einerseits und Skilaufbegeisterte andererseits freuen sich schon auf die neue Super-Anlage, die die „Gasteiner Bergbahnen“-AG in naher Zukunft auf die Schlossalm bauen wird.

Die erfreuliche moderne Situation bildete sich nicht schlagartig aus, sondern allmählich. Wenn man in die Geschichte blickt, so zeigt sich: Gastein glänzt als Pionierland im Seilbahnwesen! Im Herbst des Jahres 1803 bezwang erstmals eine mittels Wasserrad getriebene und an einem Seil hängende Fördertruhe auf einem Holzgeleise die 700 Höhenmeter zwischen der Astenalm und dem Hieronymushaus auf 1950 m Seehöhe. Diese Anlage funktionierte einwandfrei bis 1865 und diente den Bergbaubedürfnissen, manchmal auch zur Personenbeförderung. Erster prominenter Gast: Kurfürst Ferdinand von Toskana, der damalige Landesherr des „Kurfürstentums Salzburg“ (1803-1805). Es war die erste echt alpine Seilbahn der Ostalpen, wahrscheinlich sogar noch darüber hinaus. Dann stand eine Zeitlang eine Art Personenaufzug für Gehbehinderte im Straubinger in Betrieb: Die Bäder befanden sich ja am Hang unterhalb des Hauses, daher war ein – im Tal erster! – Personenlift nötig! Für die Auf- und Abbewegungen waren zwei Männer mit dicken Armmuskeln zuständig. Sie betätigten ein massives Kurbelrad, das Seile, mit einem Sessel daran, auf- und abwickelte. – Viel später, 1926, gedieh ein Plan sehr weit, der eine Seilschwebebahn von Bad Gastein zum Gipfel des Gamskarkogels vorsah; diese kam dann aber doch nicht zur Ausführung, übrigens ebenso wenig wie eine Transportseilbahn für Erze, die am Talboden des Nassfeldtales von Sportgastein/Nassfeld bis Böckstein führen sollte und deren meterlangen Pläne zur Bau-Ausführung bereitlagen. – Mehr als zehn Jahre später, 1939, unterzeichneten Gasteiner Bürger den Gründungsvertrag für die „Stubnerkogel-Bergbahngesellschaft“. Am 30. Dezember 1945 ging ein Sessellift auf dem Graukogel in Betrieb und im Jahr darauf folgte ein Sessellift zur Hofgasteiner „Aeroplan“-Kitzstein Gegend hinauf. Seit diesen Anfängen nahm das Seilbahnwesen in Gastein einen gewaltigen Aufschwung – bis in unsere Tage, als vor Kurzem mit der Bad Gasteiner „Flying Waters“ Seilanlage eine neue, künftig gewiss weiter ausbaubare Variante auf den Plan trat.

Der Grund für die überragende Bedeutung des Seilbahnwesens liegt heutigentags zum allergrößten Teil im nach wie vor boomenden Wintertourismus, der mittlerweile übrigens auch Dorfgastein erreicht hat. Der seilbahnmäßige Zusammenschluss mit dem benachbarten Großarl Tal über das Fulseck machte den Ort für Wintersportler so attraktiv, dass dort 2015 und 2016 die amerikanische Ski-Nationalmannschaft ihr Europa-Standquartier aufschlug. – Dem Vernehmen nach ist in Dorfgastein eine weitere Großseilbahn im Vorplanungsstadium.

Der Wintersport in Gastein

Bereits im 16. Jahrhundert schrieb in Gastein ein damaliger Bergrichter ziemlich verärgert, dass die Knappen schon am Freitag mit ihren „Brettern“ vom Berg ins Tal abfuhren, um früher bei den in den Wirtshäusern wartenden „unverheurateten“ Frauen zu sein. Die Knappen werden wohl sogenannte „Ha-Bretter“, diese seinerzeit allgemein zum Heutransport üblich, verwendet haben, aber immerhin: In gewissem Sinne waren sie die „Vorläufer“ der heutigen Wintersportler. Die eher einem Skibob ähnlichen „Knappenrössl“ bewährten sich ebenfalls schon sehr früh für Talfahrten.

Der „richtige“ Wintersport kam wahrscheinlich durch zwei Rauriser in unsere Gegend: Ignaz Rojacher und Wilhelm von Arlt. Die beiden brachten 1880 von ihrer Reise nach Falun in Schweden quasi als „Souvenirs“ zwei Paar Skier mit. Den Herren und Damen des Österreichischen Alpenvereins, dessen Bad Gasteiner Sektion bald darauf, 1883, gegründet wurde, konnten diese neuen Geräte nicht entgangen sein. Es dürfte kaum lang gedauert haben, bis man auch in Gastein diesen neuen Sport ausübte und sich dafür begeisterte. Der bis heute berühmte Lilienfelder Skipionier Matthias Zdarsky führte in den Jahren 1908, 1909 und 1911 in Bad Gastein „Militärskikurse“ durch. Der Skiclub Bad Gastein wurde 1912 gegründet. Der bekannte Skipionier Oberst Georg Bilgeri war in den folgenden Jahren wiederholt zu Gast in Bad Gastein. – Besonders viel für den Wintersport in Gastein tat der berühmte Ski-„Instruktor“ (und Kunstmaler) Ernst Dosenberger, in Bad Hofgastein 1922-1932 und 1945, über den Dr. Laurenz Krisch eine Monografie verfasste (Schriftenreihe des Gasteiner Museums, 2013). Der bisherige Höhepunkt des Wintersports im Gasteiner Tal war die im Jahr 1958 am Graukogel durchgeführte Skiweltmeisterschaft. Als großartigster „Meister“ ging aus dieser „Meisterschaft“ Toni Sailer hervor. – Es gab dann noch vierzehn Damen-Weltcup-Rennen, die als Großveranstaltungen von der FIS ausgetragen wurden und unter dem Namen „Gasteiner Silberkrugrennen“ firmierten (1961-1988). Diese werbeträchtigen Rennen sind heute nur noch als Erinnerungswert vorhanden. Gastein assoziierte sich in der Folge mit der „Ski amadé“-Wintersportregion und ist mit seinem winterlichen – und in letzter Zeit durchaus auch sommerlichen – Breitensport die wichtigste Säule des gesamten Tourismus im Tal.

Resümee

Was die Landwirtschaft anlangt, so war Gastein um 1816 noch ein weitestgehend von diesem Erwerbszweig dominierend geprägtes Tal, mit einer rund 1000-jährigen bäuerlichen Tradition. Mit dem kleinen Maisfeld in Dorfgastein ging im letzten Jahr der letzte Rest des früher weitverbreiteten Getreideanbaus verloren, doch spielt heute die Viehwirtschaft nach wie vor eine Rolle im Tal, von Sportgastein bis zu den Almen um Dorfgastein.

Um 1816 konnte die kurmäßige Nutzung des Thermalwassers bereits auf eine rund 500-jährige Geschichte zurückblicken, wenn sich diese auch meist nur in kleinem Rahmen abspielte. Die Bäder des Jahres 1816 boten sich als sehr einfach dar, doch der Kurbetrieb gewann dessen ungeachtet neuen Auftrieb, zunächst nur in Bad Gastein, etwas später dann auch in Bad Hofgastein. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts errang Bad Gastein durch die Kaiserbesuche das Flair eines Weltkurortes, während Bad Hofgastein durch seine Jahrhunderte hindurch gepflogene zentralörtliche Funktion – Markt-Privilegium seit 1371! – für die breite, meist bäuerliche Bevölkerung vorrangig bedeutend blieb und erst etwas später sein hohes Ansehen als Kurort festigen konnte. Die Nächtigungszahlen der beiden Kur- und Wintersportorte liegen heute im Großen und Ganzen gleichauf, öfters mit kleinem Vorsprung für Bad Gastein.

Mit dem Bergbaubetrieb am Radhausberg, einschließlich des infrastrukturellen Umfeldes in Altböckstein, fristete um 1816 eine spezifische Art „industrieller Produktion“ bereits seit Längerem ein eher bescheidenes Dasein. Der Bergbau nahm dann in jüngerer Zeit unter der deutschen Preuß-AG nochmals einen gewissen Aufschwung, doch brachte das Jahr 1945 das definitive Ende des Abbaubetriebes. An die in sehr früher Zeit „glorreichen“ Tage, als man allein im Jahr 1557 nicht weniger als 830 kg Gold und 2723 kg Silber gewann, erinnern heute noch die vom Verein „Via aurea“ gegründete „Knappenwelt Angertal“ und die beiden Museen in der „Montansiedlung Altböckstein“.

Im Tal fehlte nun jedwede Industrie, und der Tourismus in seinen verschiedenen Ausprägungsformen steht bei Weitem dominierend im wirtschaftlichen Vordergrund. Dabei zeigten die letzten Jahrzehnte die bedingungslose Anpassung an den „jungen“ Trend, sodass das Kurwesen nun im großen Rahmen des Tourismus nicht mehr an erster Stelle steht. Die Infrastruktur, sowohl die kommunale als auch die der Hotellerie, sucht mit beeindruckenden Investitionen den neuen Wunschvorstellungen eines relativ jungen Gästepublikums zu entsprechen.

Damit endet der sich über 200 Jahre erstreckende Überblick, der zwangsläufig durch die Auswahl der Themen subjektiv gefärbt sein musste. Eine völlig objektive Darbietung in Schrift und Bild wird die kommende Ausstellung bringen, deren Besuch bereits jetzt sehr – oder besser: dringendst !- empfohlen wird.

Dr. Fritz Gruber

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