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Gruber Fritz: Joseph Gainschnigg (1779-1835)

JOSEPH GAINSCHNIGG (1779-1835) von Dr. Fritz Gruber

Joseph Gainschnigg stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Mesner und Schullehrer in Böckstein, wo er in der 1767 geweihten Kirche „Maria zum guten Rat“ seinen Dienst versah.

Er wuchs in jenem Teil Böckstein auf, der heute als „Altböckstein“ bezeichnet wird und wo sich zu seiner Zeit die Aufbereitungsanlagen (Pocher, Schlämmherde, Quickmühle zur Amalgamation) für die am Radhausberg gewonnenen Erze befanden. In Altböckstein fand er auch seine erste Anstellung und arbeiteten sich bald zum „Wascherhutmann“ hoch. Damit war er der Chef von allen, die in Altböckstein arbeiteten.

Schon in dieser frühen Zeit beschäftigte er sich mit technischen Fragen und zeigte dabei eine auffallende Begabung. Man wurde „höheren Orts“ auf ihn aufmerksam und ermöglichte ihm ein Mathematikstudium an der Universität Salzburg, und zwar bei dem berühmten Universitäts-Professor Pater Dr. Schiegg, der sich übrigens häufig in Gastein aufhielt.

Mit 1801 begann er sich mit dem Plan einer „Aufzugsmaschine“ auf den Radhausberg zu beschäftigen, machte Pläne und erstellte Kostenrechnungen. Im Herbst 1803 lief bereits der Probebetrieb, ab Sommer 1804 der reguläre Betrieb. Prominenter Besucher der Anlage war Kurfürst Ferdinand von Toscana, der damalige Salzburger Landesherr (1803-1805) höchstpersönlich.

Diese „Aufzugsmaschine“ war die erste alpine Seilbahn in den Ostalpen, wahrscheinlich im gesamten Alpenraum. Es handelte sich um eine auf Holzgeleisen laufende Standseilbahn, mit einem wasserradgetriebenen Antriebsmotor hoch oben am Radhausberg nächst dem damaligen Hieronymushaus auf ca. 1950 m Seehöhe, damit 700 Höhenmeter oberhalb der Talstation, die sich am alten Nassfeldweg knapp oberhalb der heutigen Astenalm befand. Es konnten Lasten bis zu 4 000 kg befördert werden und auch den Touristen war das Mitfahren erlaubt … wenn sie sich trauten. Immerhin lief die Bahn an der steilsten Stelle fast senkrecht und Mitfahrer mussten sich vor dieser Stelle auf den Boden legen und dann, wenn es so weit war, mit den Füßen am vorderen Seitenrahmen des truhenartigen Fahrwagens abstützen. Die Seilbahn namens „Aufzugsmaschine“ bestand bis 1865. Das massiv geflochtene und geteerte Hanfseil riss zweimal, doch kam in den 61 Jahren nie jemand zu Schaden. Im Jahre 1831 ließ Gainschnigg wesentliche Teile der Bahn mit neuem Lärchenholzmaterial ersetzen und baute 1832 ein Pendant zur Radhausberger Aufzugsmaschine in Rauris, von Kolm-Saigurn auf den Kälberriedel nächst dem Touristenheim „Neubau“.

Joseph Gainschnigg verdiente sich mit diesen „Meisterstücken“ den Titel eines Kunstmeisters und dann „Oberkunstmeisters“ – das entsprach etwa einem „Diplomingenieur“ der heutigen Zeit. Wäre die damals geplante „Salzburger Bergakademie“ zustande gekommen, so würde man heute auf Gainschnigg als einen Technikprofessor der Salzburger Universität zurückblicken dürfen. Dass es durchaus Überlegungen in diese Richtung gab, beweist seine Studienreise in die sächsischen Bergwerksgebiete, die er auf Staatskosten 1803 und 1804 gemeinsam mit Kajetan Kendlbacher unternehmen durften. Zuletzt hielt sich Gainschnigg noch in Berlin auf (- Kendlbacher war erkrankt -), und als er, von seinen Oberen gedrängt, endlich heimkehrte, brachte er eine Unmenge an schriftlichen Aufzeichnungen technischer Art nach Salzburg.

Joseph Gainschnigg war überall in Salzburg tätig und baute beispielweise für das Eisenwerk in Werfen eine hoch-leistungsfähige Gebläsemaschine. Um 1825 kam eine neue Aufgabe auf ihn zu. Angeregt von Erzherzog Johann, Ladislaus Pyrker von Felsö-Eör und dem Kurarzt Dr. Keine sollte eine Röhrenleitung die heutige Elisabethquelle mit einem „Auffangbecken“ in Bad Hofgastein verbinden. Die Leitung hat eine Länge von 7250 Metern; seinerzeit benötigte man zu deren Errichtung 2235 längsdurchbohrte Stämme von Lärchen und einigen Fichten. Die so transportierte Menge an Thermalwasser belief sich auf ca. 200 Kubikmeter täglich.

Joseph Gainschnigg war in seinem Wesen sehr selbstbewusst und scheute sich nicht, bei technischen Sach-Fragen durchaus seinen Vorgesetzten zu widersprechen, wofür er entsprechende Rüffel einstecken musste. Er war sich aber seiner überragenden technischen Fähigkeiten bewusst und stellte häufig Ansuchen um „Lohnsbesserung“, die er meistens auch bereitwillig von den Salzburger Oberen ausbezahlt bekam. Gainschnigg lebte, berufsbedingt, zuletzt in Lend, wo er auch am 2. August 1835 verstarb. Ein Miniatur-Ölgemälde in ovalem Rahmen befand sich seinerzeit im Besitz der Schwestern Steinberger in Lend.

Der Name „Gainschnigg“, der ursprünglich aus Kärnten herstammt, behauptete sich früh in Gastein und Rauris und verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten in den Salzburger Gauen Inner-Gebirg.