Vom Gold zum Radon Heilstollen

Vom Gold zum Radon-Heilstollen: Niedergang und Neuanfang des Edelmetallbergbaus in den Hohen Tauern zwischen dem 16. und dem 20. Jh. von Dr. Fritz Gruber

Gastein und Rauris sind zwei benachbarte, Süd nach Nord verlaufende Täler in den Hohen Tauern und rund 100 km südlich der Stadt Salzburg gelegen. Der Abbau von Edelmetall reicht weit in frühe Jahrhunderte zurück. Es gibt sehr starke Indizien für Goldgewinnung in römischer Zeit[1] sowie für eine südslawisch-karantanische Siedlungsperiode im 9. und 10. Jahrhundert. Ortsnamen wie „Salesen“ und „Reudnitzen“ geben deutliche Hinweise. Salesen, zu karantanisch „želeso“ (Eisen, Erz)[2], bezeichnet noch heute einen der Hauptgipfel des Gasteiner Radhausbergs, der durch die Jahrhunderte der größte Goldlieferant des Fürsterzbistums Salzburg war. Eine zweite „Salesen“ stellt die älteste Bezeichnung für die Erzwies im Angertal dar. Dazu eine Restform ist der heutige „Salesenwald“. Sowohl am Radhausberg als auch auf der Erzwies beißen mächtige Gänge mit Eisenerzen aus. Auf der Erzwies sprechen Metallurgen, wie im konkreten Fall Hasso Moesta, vom „eisernen Hut“, der edelmetallhältige Erzkörper nach oben abdeckt. – Reudnitzen, zu karantanisch „ruda“ (Erz)[3], bezieht sich auf die dem Radhausberg nördlich vorgelagerte Gegend.

Die durch archivalische Schriften nachvollziehbare Entwicklung des Bergbaus setzt um die Mitte des 14. Jahrhunderts ein. Die erste Gasteiner Bergordnung, von 1342, lässt allerdings auf eine mindestens zwei, drei Jahrzehnte zuvor begonnene bergmännische Edelmetallgewinnung schließen, doch sind für diesen früheren Zeitraum keine archivalischen Nachweise vorhanden. Mit Blick auf den gesamten Edelmetallbergbau in den Hohen Tauern ist „Heinzel Arzer de Heusing“ der erste namentlich bekannte (halb-bäuerliche) Gewerke.[4]

Die weitere Entwicklung des Tauerngoldbergbaus ist zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch eine wirtschaftliche Krisensituation markiert, der in der zweiten Hälfte des genannten Jahrhunderts ein neuer Aufschwung folgte. Auswärtiges Kapital, beispielsweise des Augsburger Handelshauses der Fugger[5], und technische Inventionen und Innovationen (3-Phasen-Schmelzen[6], Nasspochen[7], Sackzug[8]) begünstigten den Aufwärtstrend. Mit den Bergordnungen „Statuta et iura“ (1459), „Herdishalb der Tauern“ (1463) und der großen Bergordnung von 1477 war für die Gewerken als die privaten Montanunternehmer, aber auch für die Bergarbeiter (Lehenhäuer, Gedingehäuer – und „Herrenarbeiter“ als „Lidlöhner“, also Zeitlöhner) ein solides Mindestmaß an Rechtssicherheit geschaffen.[9] Um die Wende zum 16. Jahrhundert spezifizierten die Regelungen weiterer Detailfragen in weistum-ähnlicher Form das montanistische Alltagsgeschehen.[10] Die große, umfassende Salzburger Bergordnung wurde 1532 von Dr. Leonhard Auer verfasst[11] und erschien 1556 in Druck[12], drei Jahre nach der Ferdinandeischen Bergordnung von 1553. Diese Bergordnungen sollten für die kommenden Jahrhunderte die rechtliche Basis für jede Art von Bergbau in den österreichischen Ländern sein. Ein Desiderat bleibt der Forschung: Inwieweit werden einerseits die Bergarbeiter und sie betreffende Fragen bei der praktischen Arbeit vor Ort berücksichtigt – und, mit völligem Wechsel des Gesichtspunktes, inwieweit werden die Interessen des Landesherrn als Regalinhaber berücksichtigt, mit seiner jurisdiktionellen und letztendlich auch wirtschaftlichen Macht (Steuern!)? Es gab de facto immer zweierlei Arten von „Bergrecht“.[13]

Die höchste Blüte des Edelmetallbergbaues in den Hohen Tauern

Die eigentliche große Blütezeit des Edelmetallbergbaues in den Hohen Tauern war das 16. Jahrhundert bis etwa zu den letzten drei Dezennien. Es folgte ein rascher Niedergang, der letztendlich um 1616 in einer de-facto Verstaatlichung endete.[14] Im Folgenden zunächst ein kurzer Rückblick auf das 16. Jahrhundert.

Der absolute Höhepunkt der Edelmetallgewinnung in den Hohen Tauern trat um die Mitte des 16. Jahrhunderts ein. Dazu folgt unten eine statistische Übersicht (Durchschnittswerte gemittelt aus vier Jahren: 1556-1559). Die ausgewiesenen Beträge wurden vom Verfasser aus Hunderten von handschriftlichen Folio-Seiten der sogenannten, im Salzburger Landesarchiv aufbewahrten „Goldseisen-Journale“ [15] erhoben. Jedes Stück Edelmetall, sei es Gold oder Silber, musste zwangsweise an die landesherrliche „Silberhandels“-Stelle abgeliefert und dort genauest aufgezeichnet werden. Die Gewerken bekamen für das von ihnen eingelieferte Edelmetall fertig geprägte Münzen, deren Wert deutlich unter dem Handelswert der eingelieferten Edelmetalle lag.

Gesamtproduktion an Edelmetall – pro Jahr! – im Erzstift Salzburg.

SILBER GOLD
2 563 kg Gewicht 672 kg Gewicht
114 006 Gulden damaliger Handelswert 335 795 Gulden damaliger Handelswert
Damalige Kaufkraft aus heutiger Sicht etwa 11 bis 28 Millionen Euro[16] Damalige Kaufkraft aus heutiger Sicht etwa 33 bis 84 Millionen Euro

Gemittelter Wert der gesamten Edelmetallproduktion im Zeitraum 1556 bis 1559: Rund 80 bis 90 Millionen Euro – pro Jahr! Rechnet man den Wert von Gold und Silber zusammen und teilt die Summe allein durch den Preis des Silbers, so lässt sich eine Vergleichsmenge von 10 532 kg Silber errechnen. Das Silberrevier von Schwaz in Tirol brachte es im selben Zeitraum (1556-1559) auf eine durchschnittliche Jahresmenge von 6 625 kg,[17] Marienberg in seinem Spitzenjahr 1556 auf 5 854 kg, Freiberg in Sachsen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf jährlich maximal 5 000 kg, die Reviere im Oberharz (1595-1599) auf 3 780 kg.[18] Unter Berücksichtigung der obigen Überlegungen, lässt sich feststellen, dass das Gastein-Rauriser Gesamtrevier weit an der Spitze aller Reviere des alten Reiches stand. (Tabelle 1)

Relation von Silber (Vergleichs-Ausgangsgröße) zu Gold. Durchschnitt der Jahre 1556 bis 1559: (Tabelle 2)

SILBER GOLD
Relation nach Menge 100% 25,2%
Relation nach dem Wert (in Gulden) 100% 294,5%

Die Menge an gewonnenem Gold machte rund ein Viertel der Edelmetallproduktion aus, ergab an Wert aber dreimal so viel wie das Silber.

Innerhalb des Salzburger Erzstiftes war Gastein (mit Rauris) nicht nur am Goldsektor führend, sondern auch bei der Silberproduktion. Dazu die folgenden Angaben, jeweils die Jahresdurchschnitte für die Jahre 1556 bis 1559:

Erzstift Salzburg gesamt 2563 kg Ag, Gastein und Rauris 2094 kg Ag, Lungau/Ramingstein 401 kg Ag, Thumersbach nächst Zell am See 40 kg Ag und Hüttau im Fritztal 28 kg Ag. Die Salzburger Gesamtmenge entsprach rund 38% der Brandsilberproduktion von Schwaz in Tirol.[19] Hingegen waren die in Tirol gewonnenen Mengen an Gold unbeträchtlich und spielten in großen wirtschaftlichen Zusammenhängen keine Rolle.[20] Für den Erzbischof des Erzstiftes Salzburg betrug der „steuerliche“ Gewinn (Fron und sogenannter „Wechsel“) je Gewichtsmark (0.281 kg) beim Silber 3,14 Gulden und beim Gold 31,77 Gulden. Im Jahr 1557 bezog der Salzburger Landesherr aus dem Edelmetallbergbau den beachtlichen Wert von 127.751 Gulden,[21] was ziemlich genau 127.000 Wochenlöhnen von Bergarbeitern entsprach.[22] Auf Basis der heutigen Bergarbeiterlöhne kalkuliert, kommt man auf einen Betrag von annähernd 38 bis 42 Millionen Euro – in diesem einen Jahr! – zugunsten des landesherrlichen Steuersäckels. Der Betrag verdient umso mehr Beachtung, als zu berücksichtigen bleibt, dass sich das gesamte Wirtschaftsvolumen des damaligen Salzburg im Vergleich zu heute als markant geringer darstellt.

Die aktivsten Edelmetallreviere der Blütezeit befanden sich auf der Nordseite des Radhausbergs, auch auf dessen Südwestseite (Sportgastein), weiters am Gangzug Siglitz-Bockhart-Erzwies[23] und in Rauris am Goldberg, am Hohen Sonnblick und Hocharn[24]. Die Ertragslage war in den Gasteiner Revieren zu allen Zeiten wesentlich besser als in Rauris. Die Durchschnittswerte der Jahre 1556 bis 1559 zeigen: Gastein Gold 86,96%, Silber 73,27%; demgegenüber Rauris Gold 13.04% und Silber 26.73%.[25] Weit zurück liegen die kärntnerischen Reviere im Bereich der Hohen Tauern. Die Mölltaler Reviere um Großkirchheim und Obervellach schnitten besser ab als die anderen Kärntner Reviere. Im oberen Mölltal wurden als jeweilige Jahresdurchschnitte aus den Jahren 1560-1562 gewonnen: 21,78 kg Gold und 266,15 kg Silber.[26] Die Goldzeche im kleinen Fleißtal erzielte im Jahr 1582, und dies ist ein auffälliger statistischer „Ausreißer“, beachtliche Spitzenwerte, nämlich 84,86 kg Gold und 151,18 kg Silber.[27]

Die wichtigsten Salzburger Gewerken der Blütezeit entstammten drei Familien.[28] Diese Konzentration des montanistischen Wirtschaftsgeschehens war — zumindest auch — der Situation nach dem Salzburger Bauernkrieg von 1525/1526 geschuldet.[29] Es waren die Weitmoser[30], die Zott[31] und die Strasser.[32] Von der Größe der jeweiligen Montanunternehmungen vermittelt ein Verzeichnis der Schmelzer (ohne Hilfskräfte) und der „Hausdiener“ (Buchhalter und „Einfahrer“, nach heutigen Begriffen: Bergingenieure), aus dem Jahr 1541, einen guten Einblick:[33] (Tabelle 3)

Schmelzer Gastein Schmelzer Rauris „Hausdiener“ Gastein „Hausdiener“ Rauris
Weitmoser 13 6 10 0
Zott 12 6 10 4
Strasser 15 0 15 0
Wieland 0 9 0 8
Perner 8 0 0 0
Premauer 0 4 0 0
Fronhütte 7 4 0 0

Auffällig ist beispielsweise, dass Strasser nur in Gastein verankert war, ebenso Perner. Hingegen waren die aus Augsburg stammenden Wieland nur in Rauris vertreten. Weitmoser führte ein „Firmen-Büro“ nur in Gastein, die Zott ein solches in Gastein und Rauris. Die Gesamtzahl der Schmelzer, in Gastein 55, in Rauris 29, gibt einen aufschlussreichen Hinweis auf den jeweiligen Umfang des Bergbaues in den beiden Tälern. Kalkuliert man, dass die Öfen Tag und Nacht durchgehend in Betrieb standen und ein Schmelzer jeweils 8 Stunden seiner Arbeit oblag, so errechnet sich eine Gesamtzahl von 28 Schmelzöfen.

Für die Gewinnung vor Ort diente die Schlägel-Eisen-Arbeit,[34] für die Extraktion das Schmelzen[35] und das Aufbereiten, dieses teilweise unter Einbeziehung des Amalgamationsverfahrens. Zum Stollenvortrieb wurde das an sich natürlich bereits bekannte Pulver (Schwarzpulver) nicht verwendet. Es ist erstaunlich, dass in vielen seriösen historischen Abhandlung noch immer das Märchen von der Belagerung der Festung Hohensalzburg lebt[36], nach welchem Knappen versucht haben sollen, den Berg zu sprengen. Kein Bergmann hätte um 1525 auch nur eine Sekunde geglaubt, dass er mit handgeführten Werkzeugen (Schlägel und Eisen) der Festung irgendwie gefährlich werden könnte.

Was die Arbeitsverfassung anlangt, so galt in Salzburg, wie in den österreichischen Ländern und anders als im sächsischen Bergbau jener Zeit, ausnahmslos das Lehenschaftssystem, dieses im weitesten Sinne geprägt durch verschiedene Formen von „Akkordarbeit“. Das Lehenschaftssystem bot wirtschaftliche Aufstiegschancen, wie der Fall Weitmoser beweist.[37] Der „Lidlohn“, also die Bezahlung der bergmännischen Arbeit nach Zeit, kam beispielsweise für die Grubenzimmerer zum Tragen. — Es gab in Salzburg keine Kuxe (Anteilsrechte), sondern die Besitzer einer Grube rechneten ihre wirtschaftlichen Ergebnisse aliquot nach den ihnen gehörenden Neuntel-Anteilen ab. Es galt die „Ad-Personam“ Bindung in allen Detailbereichen.[38]

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Das Ende der privatwirtschaftlichen Bergbautätigkeit und das Eintreten des „Staates“ (Fürsterzbistum Salzburg) in die Rolle eines alleinigen Gewerken. – Der erste Neuanfang

Die Ertragslage verschlechterte sich in den der Blütezeit folgenden Jahrzehnten dramatisch. Bis zum Jahr 1615 kollabierte die Produktion auf rund 3 kg Gold und 6 kg Silber. Am 9. April 1616 wurde vonseiten des Salzburger Fürsterzbischofs, vertreten durch sein Domkapitel, der Beschluss gefasst, die noch vorhandenen montanistischen Betriebsanlagen von den Privatgewerken zur Gänze (mit einer kleinen, unbedeutenden Ausnahme) um 33.500 Gulden käuflich zu übernehmen.[39] Ab nun gab es nur mehr einen einzigen großen, dominierenden Gewerken: das geistliche Fürstentum Salzburg. Private Unternehmer engagierten sich erst wieder ab 1866, siehe unten.

Als Gründe für den Niedergang werden in der älteren Literatur immer noch genannt: Vordringen der Gletscher, Eindringen amerikanischen Goldes und Vertreibung der Protestanten. Keine dieser vermeintlichen Ursachen war in entscheidender Weise wirksam.[40] Die Radhausberger Hauptgruben lagen weit außerhalb jenes Bereiches, der von Gletschern bedeckt war. Das Vordringen der Gletscher, im Wesentlichen eher ein großflächiger Verfirnungsvorgang, setzte in Gastein und Rauris erst nach 1600 ein. Salzburg hatte mit Amerika keine Handelsbeziehungen, sodass amerikanisches Gold und Silber höchstens gelegentlich in Form von Münzen auftauchte. Die Münze in Hall in Tirol prägte 10 000 Mal weniger Gold als Silber,[41] doch ging ohnedies der allergrößte Teil aller dort geprägten Münzen über die Handelsfirma der Augsburger Fugger in den Fernhandel. Was die Immer und wiederholt bis heute angeführte Vertreibung protestantischer Gewerken betrifft, so galt zwar im Erzstift das erste Emigrations-Edikt von 1588, doch wurde von Fürsterzbischof Wolf Dietrich den protestantischen Gasteiner Gewerken ausdrücklich die Erlaubnis erteilt, hier weiterhin den Aufenthalt zu nehmen und ihre Betriebe zu kontrollieren. Unerlaubt blieb allerdings, die protestantische Religion öffentlich auszuüben und lutherisches Gedankengut zu fördern. Dieses war in der Arbeiterschaft aber schon längst verbreitet, speziell in der bergmännischen Bruderschaft, die fast als eine Vorfeldorganisation der protestantischen Religion auftrat, doch gab es von der Obrigkeit dagegen keinerlei Repressalien. Dies änderte sich ab 1615 zum Schlechteren.

Die Hauptgründe für den rapiden Niedergang waren technische Probleme beim Bau in die Teufe, Raubbau an den erschlossenen Erzmitteln bei Unterlassung von neuen, teuren Schurfvortrieben, Hinwendung der Gewerken zu Herrendienst und Gültenbesitz als sicherere Einnahmsquellen. Die Montankonjunktur, die bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Vehemenz einsetzte, hatte nach rund 150 Jahren intensivster Exploitation ihr Ende erreicht, – wie übrigens auch in vielen anderen Revieren des deutschsprachigen Raumes, ausgenommen die Reviere im Oberharz und, nach der Erschließung neuer Lagerstätten, Freiberg in Sachsen.

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Die „ärarische“ Periode (1616-1865 bzw. 1875). Ein Neubeginn

Als 1615 die erste erzwungene Auswanderung stattfand und 629 Lutherische das Gasteinertal verließen, bedeutete dies für den zur Verstaatlichung anstehenden und im höchsten Grade notleidenden Bergbau keinerlei Probleme, eher das Gegenteil war der Fall: Man war nach der De-facto-Verstaatlichung von 1616 froh, die Zahl jener Bergarbeiter, die man nur auf Druck der erzbischöflichen Salzburger Zentralbehörden im Sinne einer „produktiven Arbeitslosenfürsorge“ weiter besoldete ohne eine echte Arbeit für sie zu haben, verringert zu sehen. Ähnlich gestaltete sich die Sachlage vor der großen Emigration der Evangelischen von 1732 und den Folgejahren. Das geforderte „Stückl Brot“ blieb durch die Jahrhunderte ein Synonym für „Arbeit im Bergbau als einzig möglicher Lebensunterhalt“. Als bereits 1612 die Sorge umging, der gesamte Bergbau könnte geschlossen werden, hieß es vonseiten der fürsterzbischöflichen Hofkammerräte, die Bergwerke seien „zu Nutzen und ferneren Brods Verschaffung vielen Armen zu erhalten„,[42] obwohl das gegen das aufkommende merkantilistisch-kameralistische Denken sprach. Die Salzburger Hofräte könnten vorausgeahnt haben, was Georg Caspar Kirchmaier in seinem um 1698 in Wittenberg erschienenen Werk „Hoffnung besserer Zeiten durch das edle Bergwerk etc.“ schrieb: „Und obschon die Bau-Kosten derer Bergwerk den Ertrag übertreffen, so ist doch der Lohn der Arbeit nur eine Verwechslung: und wird das Land weder ärmer noch reicher, aber wohl glückseliger dadurch: dann es werden viel Leut dadurch zu ihrer Kost kommen und ihr Brot erwerben und das Geld bleibet im Lande.“ Insgesamt war von dieser Problematik vor allem Rauris betroffen, während sich der Gasteiner Bergbau nach 1741 bis ca. ins dritte Drittel des 18. Jahrhunderts gut behaupten konnte. Die Rauriser Pfleggerichtsakten, aber zeitweise auch jene Gasteins, sind voll mit Ansuchen junger meist nachgeborener bäuerlicher Männer, die im Bergbau ihr „Stückl Brot“ suchten, aber abgewiesen wurden. Inwieweit diese Situation mit dazu beitrug, dass sich besonders viele Männer als evangelisch bekannten und im Zuge der große Emigration von 1732 das Land verließen, bleibt ein Desiderat der Forschung.

Die Einführung des Pulversprengens, ab 1628-1630 mit ersten Versuchen, sicher 1642 als Standardmethode, brachte entgegen häufig vertretener Meinung nicht den großen Fortschritt. Dies weisen die Produktionstabellen, die seit 1616 erhalten sind,[43] deutlich aus: die montanistischen Ergebnisse fluktuierten innerhalb gewisser, sich nicht verändernder Grenzen. Es gab keinen Aufwärtstrend.

Zeitraum Gewonnen Kübel Erz
1640-1649 18.447
1650-1659 18.191
1720-1729 20.066
1730-1739 17.471

 

Zweifellos spielen verschiedene Faktoren zusammen, die die Produktionsmenge bestimmen. Aber wenn das Pulversprengen der ganz große Schritt vorwärts gewesen wäre, so hätte sich das, bei tatsächlich ungefähr gleichbleibender Mannschaftsstärke vor Ort, gewiss in den Produktionszahlen niedergeschlagen. Weshalb keine sofortige positive Wirkung eintrat, das lag an der lange unausgereift bleibenden Technik. Wirksame Zündmechanismen im meist nassen Gestein waren noch nicht bekannt; daneben scheint das wirkungslose Verpuffen des Pulvers ein echtes Problem gewesen zu sein. Der große Sprengversuch von 1642 endete mit schwersten Verletzungen unter den Beteiligten. Der Gasteiner Bergwerksverwalter notierte: „Die Gäng sind zu fest und brechen sich nit also wie an andere milderen Pürgen; mehr ist es an vielen Orten zu wassernötig. Viel Arbeit geht darauf und ist mehr Schaden als Nutz dabei. Man will’s aber nit glauben und mit Gewalt erzwingen, bis dergleichen Schaden beschieht.“[44] Hier klingt unüberhörbar ein gewisser Fortschrittsskeptizismus durch. Tatsächlich ist die uralte Schlägel-Eisen-Arbeit als alternative Methode zum modernen Pulversprengen bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nachweisbar.

Die Extraktion des Edelmetalls aus den Erzen, größtenteils aus Arsenkiesen, seltener Freigold aus Quarzen, geschah durch Schmelzen oder durch die „Aufbereitung“. Beim Schmelzen hielt sich die seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts übliche Vorgangsweise in ihren Grundzügen bis in das 19. Jahrhundert: Rösten der Erze, um Schwefel und Arsen zu verringern oder möglichst ganz zu beseitigen, Zusammenschmelzen des Erzes mit Kupfer, durch das das Gold in Lösung geht, Zusammenschmelzen des so erzeugten „Kupfersteins“ mit Blei, durch das eine Legierung von Edelmetall und Blei entsteht („Werkblei“, bis zu 12 Lot Edelmetall pro Mark, selten sogar 14 Lot), schließlich der „Abtreib“-Prozess, durch den sich unter massiver Sauerstoffzufuhr Blei zu Bleiglätte wandelt („rostet“) und eine Gold-Silber-Legierung entsteht, das sogenannte „Blicksilber“, in Salzburg meist als „göldisch Silber“ oder manchmal trotz des Goldgehaltes einfach als „Silber“ bezeichnet.

Die „Aufbereitung“ setzte sich (meistens) aus folgenden Schritten zusammen: maschinelles Pochen bis auf Sandkorngröße, maschinelle „Wasch“-Vorgänge und nachfolgendes „Absetzen“ (in gestaffelten Absetzbecken mit sehr langsam fließendem Wasser), durch die das Gold von den tauben Teilchen durch das Schwerkraftprinzip, einigermaßen, wenn auch nicht völlig, getrennt wird – und schließlich, was den nun hoch angereicherten Gold-„Schlich“ betrifft, dessen Amalgamation zusammen mit Quecksilber in der „Quickmühle“ oder Goldmühle. Das Amalgam aus Quecksilber und Gold, das nun frei von tauben Gesteinspartikeln sein muss, wird dem Pressen durch Leder oder durch das Abglühen in einem „Glaskolben“ unterzogen, sodass reines Gold übrigbleibt. Der letztgenannte Vorgang wurde gelegentlich vor Publikum durchgeführt, vor allem vor Badegästen des Kurortes Bad Gastein. Beeindruckter Zuschauer war beispielsweise der Bayernherzog Albrecht VI., um 1632 und nochmals um 1633.[45] Die Aufbereitung fand nur zur Gewinnung des Freigoldes Anwendung. Hauptvorkommen von Freigold war in Quarzen, seltener in Erzen oder im Muttergestein Gneis.

Diese Aufbereitungs-Vorgänge waren über die Jahrhunderte standorttreu. Was das Raurisertal anlangt, so verblieb das Aufbereiten im heutigen Kolm-Saigurn am Fuße des Hohen Sonnblicks (mit seinem Wetterobservatorium auf rund 3 000 Meter Seehöhe). In Gastein befand sich das Aufbereitungszentrum von allem Anfang an in der „alten Peck“ im nördlichsten Teil des Nassfeldtales, kam aber mit Gründung des Montanzentrums (1741) schrittweise ins heutige Altböckstein.[46] Altböckstein war in diesem Sinne eine einzige große Aufbereitungsanlage (siehe unten).

Als Standorte für den Schmelzbetrieb konnten sich Gastein und Rauris nur bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts halten. Dann ging in den umgebenden Wäldern der Holzvorrat und damit die Holzkohlenerzeugung zu Ende. Das Problem löste der nördlich der beiden Tauerntäler im Salzachtal gelegene Ort Hirschfurt, heute Lend.[47] Der sich selbst erklärenden Name „Lend“ kommt von „Ein-länd-ung“. Es wurde Holz geländet, an Land gezogen, und zwar jenes, das man im Oberpinzgau, wo es reichlich vorhanden war, schlägerte und auf der Salzach flussabwärts triftete. Dieses Holz wurde an Ort und Stelle zu Kohle vermeilert und ermöglichte so den Betrieb von neuen Schmelzhütten. Den Anfang hatte Christoff Weitmoser mit seiner Hütte bereits im Jahr 1542 gemacht.[48] Mit der Gründung der Montan-Gesellschaft namens „Gemeine Lender Handels-Gesellschaft“, um 1569, mussten die privaten Gewerken ein strenges Verbot, das ihnen den weiteren Betrieb ihrer ohnedies veralteten Schmelzhütten in Gastein und Rauris untersagte, akzeptieren. Die Gründung dieser Gesellschaft fiel in einen Zeitraum, zu dem bereits klar war, dass der Bergbau in eine schwere Krise geraten würde und dass synergetische Bündelung aller Kräfte, auch unter Einbeziehung des Landesherrn, vielleicht einen Ausweg weisen könnten. Die neue Handelsgesellschaft, seit der de-facto Verstaatlichung von 1616 mit dem Namen „Lender Handel“ punziert, hielt sich mit ihrer gesamten Organisationsstruktur, die die Urproduktion vor Ort über die Aufbereitung bis zum Schmelzwesen und zusätzlich einen regulären Warenhandel umfasste, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts im Wesentlichen unverändert.

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Die Gründung des Montankomplexes von Altböckstein. Eine Zäsur hin zu einem neuen Aufwärtstrend

Innerhalb der langen staatlichen, in Salzburg als „ärarisch“ bezeichneten Periode brachten die Jahre nach 1741 eine echte Verbesserung. Am 14. Jänner des genannten Jahres legte eine gigantische Lawine den gesamten Gasteiner „Wiegenwald“ um und zerstörte die darunter befindlichen Aufbereitungsanlagen im Nahbereich des heutigen „Hotels Österreichische Evianquelle“, am Eingang zum Nassfeldtal, wo zuvor die alte „Peck“, ein slawischer Name mit der Bedeutung „Ofen“ (Schmelzofen?), situiert war. Die am Talboden über den Anlagen liegenden Schneemassen waren so groß, dass die Salzburger Bergbeamten sich erst im darauffolgenden Sommer einen Überblick verschaffen konnten. Die Übersetzung der Anlagen in das lawinensichere Böckstein ordneten dann Rochus Auer von Winkel, Matthias Felix de Berti und Clessin von Königsklee an, alle drei fürsterzbischöfliche Räte in der damaligen Salzburger Landesregierung. [49] Die betroffene Gegend erhielt von höchster Salzburger Regierungsstelle das Prädikat „fortan unbewohnbar“ und alle maschinellen Einrichtungen und Gebäude fanden in den Jahren nach 1741 eine Neusituierung im heutigen „Altböckstein“. Die Chance, auf einem großen, freien Feld eine Montansiedlung aus dem Boden zu stampfen, wurde wahrgenommen, und es entstand wahrscheinlich die früheste ingenieursmäßig vom Reißbrett weg geplante montanistische Industriesiedlung der Ostalpen, darin alles funktional angeordnet, mit Arbeitseinheit, Wohneinheit und Verwaltungseinheit. Der Aufwand lohnte sich, denn auch neuere Technologien, zum Beispiel „Ungarische Stoßherde“,[50] kamen zum Einsatz und halfen die Produktivität um den unglaublichen Wert von 100% zu steigern. Kamen die Gestehungskosten für einen Kübel an aufbereitetem Erz früher auf 2 Gulden und 13 Kreuzer, so waren es nach Einführung der neuen Maschinen nur mehr 1 Gulden und 4 Kreuzer. Wie war das möglich? Der Gasteiner Verweser Johann Conrad Hagger hatte den Böcksteiner Oberhutmann Martin Moyses beauftragt, die in der Teichl (bei Obervellach in Oberkärnten) bereits in Betrieb stehenden „Stoßherde nach ungarischer Manier“ abzuzeichnen und sie in Böckstein nachzubauen. Dies geschah mit so viel Erfolg, dass Verweser Hagger sich ausrechnete, mit der neuen Methode 43 bis 44 Waschwerksarbeiter einsparen zu können. Diese Reise in die Teichl von Oberhutmann Martin Moyses würde nach modernem Denken wohl in die Nähe des Begriffs „Werksspionage“ gerückt werden.

Aber nicht nur die Produktivität, sondern auch die Erzgewinnung vor Ort konnte in den folgenden Jahrzehnten fast auf das Doppelte gesteigert werden: von 407.797 Kübel (Summe der 20 Jahre von 1729-1748) auf 765.526 Kübel (1749-1768). Die Produktionssteigerung war einer erhöhten Mannschaftszahl geschuldet, aber auch technischen Verbesserungen, etwa beim Pulversprengen, für das mit Baumpech bestrichene „Patronen“ aus starkem Papier, gefüllt mit Pulver in der Korngröße von Stecknadelköpfen, zum Einsatz kamen. – All diese technischen Neuerungen, gesehen in ihrer Gesamtheit, brachten eine jährliche Ersparnis und somit eine Verbesserung des Produktionsergebnisses von rund 2000 Gulden. Die Gründung der Montansiedlung in Altböckstein war somit ein voller Erfolg.[51] Dank der Initiative eines Leobner Arbeitskreises wurde vom Bundesdenkmalamt am 31. Jänner 1978 der endgültige Unterschutzstellungsbescheid für das gesamte montanistische Ensemble von Altböckstein erlassen.[52] Heutigentags werden zwei der Gebäude für museale Zwecke genützt.

Eine weitere große technische Errungenschaft erhielt ihren ersten Anstoß durch Streikdrohungen der Sackzieher, die in den letzten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wiederholt eine bessere Bezahlung ihrer Arbeit verlangten. Ihre Aufgabe bestand darin, mit Erz gefüllte Säcke, die wie die Perlen einer Kette aneinandergereiht waren, im Winter auf eisigen Sackzug-„Riesen“ (wegähnliche Anlagen) zu Tal zu ziehen. Diese Methode wird erstmals 1490 in einer Raitung belegt und bewährte sich durch die Jahrhunderte.[53] Als Reaktion auf die Forderungen ließ die Salzburger Regierung Überlegungen darüber anstellen, ob man den Taltransport der Erze mithilfe einer technischen Neuerung lösen könnte. Technik sollte menschliche Muskelkraft ersetzen. Der Versuch, das Erz am Berg auf kleine Teile zu pochen und über eine „Pochtrübenleitung“ mit Wasser nach dem Pipeline-Prinzip ins Tal zu spülen, bewährte sich nicht. Die aus Holz gefertigten Röhren konnten dem Kompressionsdruck auf Dauer nicht standhalten und barsten häufig. Hinweise auf neue technische Möglichkeiten kamen von Joseph Gainschnigg, dem Sohn eines armen Böcksteiner Schulmeisters, der an der Salzburger Universität wegen seiner Begabung unentgeltlich Mathematik studieren durfte. Er erstellte die Pläne für eine sogenannte „Aufzugsmaschine“, die nach einem Probebetrieb im Herbst 1803 dann 1804 tatsächlich regulär in Betrieb ging. Bei einer Höhendifferenz von rund 700 Höhenmetern und einer Länge von 1,4 km stellte die als eine Art Standseilbahn gebaute Transportanlage die erste echte alpine Seilbahn der Ostalpen dar. Sie diente ausschließlich den Zwecken des Bergbaubetriebs und stand zwischen dem Hieronymushaus als dem wichtigsten Montanstützpunkt am Radhausberg und der Schusterasten im unteren Nassfeldtal in Betrieb. Als Motor fungierte eine oben am Berg befindliche und teilweise mit Stollenwasser angetriebene Anlage, mit einem Wasserrad, das 15,5 m im Durchmesser hatte und das Seil mit einer fahrbaren Truhe an seinem Ende über eine 3,70 m im Durchmesser messende Seiltrommel auf- und abspulte. Lasten ließen sich mit einem Gewicht von bis zu vier Tonnen transportieren. Die Gasteiner Anlage stand bis 1865 in Betrieb und wurde dann bis 1868 abgetragen. In Rauris gab es ein um 1832 errichtetes Pendant gleicher Bauart: von Kolm Saigurn auf den Goldberg (Bereich oberhalb der Melcherböden).[54]

Der Aufschwung und die relativ gute Konjunktur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die es freilich auch nur auf rund 10% der Erträge der Blütezeit im 16. Jahrhundert brachte,[55] wich in der Zeit der staatspolitischen Vorgänge zu Beginn des 19. Jahrhunderts[56] einer Mangelperiode. (Tabelle 4)[57]

Dezennium Kübel Derb-Erz Silber aus dem Schmelzen (Kilogramm) Gold aus dem Schmelzen (Kilogramm) Gold aus der Aufbereitung (Kilogramm)
1780-1789 19.705 5.537 keine Angabe   115
1790-1799 16.849 2.353 k. A.   139
1800-1809 10.823 1.473 k. A.   147
1810-1819 6.398 1.068        86   123
1820-1829 6.297     831   100     83
1830-1836 2.252     633     61     68

 

Zum Vergleich die Entwicklung auf politischer Ebene: Um 1771 Ableben des sehr großzügigen Salzburger Landesherrn Sigismund III. Graf Schrattenbach; Abdankung des als sparsam bekannten Landesherrn Hieronymus Graf Colloredo um 1803; Säkularisierung des geistlichen Fürsterzbistums Salzburgs und 1803-1805 Kurfürstentum: dann 1806-1809 Zugehörigkeit Salzburgs zum Kaisertum Österreich, gefolgt von Zugehörigkeit zum Königreich Bayern 1810-1816; schließlich ab 1816 bleibend zu Österreich gehörig. Die Gründe für den Niedergang können kaum allein in äußeren Bedingungen zu suchen sein, obwohl es auch in diese Richtung Vermutungen unter dem Schlagwort „Verarmung der Erze in der Teufe“ gibt.[58] Eher ist wohl mit einem Nachlassen des Interesses vonseiten der im Umbruch begriffenen staatlichen Strukturen zu rechnen. Ein grober Umriss der Entwicklung zeigt, dass in der Zeit zwischen ca. 1800 und 1830 der gesamte montanistische Betrieb auf rund die Hälfte zurückging.

Obwohl im Verlauf des 19. Jahrhunderts sehr tüchtige Montanisten (Caspar Melchior Balthasar Schroll, Matthias Mielichhofer, Karl Russegger und Carl Reissacher[59]) die montanistische Ertragslage zu steigern versuchten und über die zu leistende „produktive Arbeitslosenfürsorge“ hinauszukommen und echte montanistische Gewinne zu erzielen bemüht waren, winkte das nunmehr in der österreichisch-ungarischen Monarchie für den Bergbau zuständige Ackerbauministerium ab. Im Jahre 1857 wurde das gesamte Gasteiner Montanwesen zum Verkauf ausgeschrieben und 1862/1864/1865 erfolgte abgestuft die letztendlich definitive Schließung des durch rund 250 Jahre betriebenen „ärarischen“ Gold- und Silberbergbaues.[60]

Ignaz Rojacher in Rauris und die private „Union Gewerkschaft“, später „Erste Gewerkschaft Rathausberg“. Ein zweiter Neubeginn

Das Schicksal der Beendigung des montanistischen Staatsengagements traf Rauris 1875. Doch noch im gleichen Jahr durfte sich der frühere Grubenzimmerer und Hutmann Ignaz Rojacher nun privater „Bergbaupächter“ und in der Folge sogar „Bergwerksbesitzer“ nennen. Rojacher war an technischen Neuerungen sehr interessiert. In seinem „Berghaus“ am Goldberg, in 2340 Meter Seehöhe, schaltete Ignaz Rojacher am 1. Mai 1883 erstmals die elektrische Beleuchtung in allen Räumen ein.[61] Ihm ist die Gründung der Wetterbeobachtungsstation auf dem Hohen Sonnblick zu danken, doch sein montanistischer Erfolg blieb weit unter den Erwartungen. Um die Rolle als Nachfolger Rojachers bemühten sich französische Kapitalgeber, doch zogen sie sich bald wieder zurück. Der Rauriser Bergbau war an sein Ende gekommen.

Günstiger stellte sich die Situation in Gastein dar. Bereits ein Jahr nach dem endgültigen Auszug der Staatsmontanisten, also 1866, gründete eine Reihe einheimischer Gasteiner Bürger eine private Bergwerksgesellschaft unter dem Namen „Union-Gewerkschaft“, der 1871 die Gründung der „Ersten Gewerkschaft Rathausberg“ (zur Schreibung vgl. Anm. 64) folgte, doch begann die eigentliche montanistische Gewinnungsarbeit erst 1875.[62] Initiator war um 1866 der Hofgasteiner Kaufmann Peter Höhenwarter. In der „Union-Gewerkschaft“ wollten Gasteiner Bürger ihr Geld wagen, Wirte, Bauern, Handwerker. Als führende Köpfe profilierten sich Dr. Karl Beringer und Paul Weibhauser. Die montanistischen Erfolge der „Ersten Gewerkschaft Rathausberg“ lagen bis 1898 mit den damals als gut bewerteten Erträgen im Durchschnitt bei rund 20 kg Edelmetall pro Jahr, doch dann sank die Produktion auf knappe 6 kg und um 1906 zeichnete sich ein endgültiges Aus ab.[63]

Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof und die „Zweite Gesellschaft Rathausberg“. Ein dritter Neuanfang

In der oben skizzierten Situation suchte der beim Bau der Tauernbahn und des Tauerntunnels (von Böckstein nach Mallnitz) beschäftigte Dipl.-Ing. Karl Imhof ein neues Betätigungsfeld und begann sich für die Zeit nach der Fertigstellung des Tunnels für den Goldbergbau zu interessieren. Entscheidend für einen Neuanfang war die gemeinsame Reise von Karl Imhof und Ludwig Sterner-Rainer nach Zürich zu dem reichen Unternehmer Fritz Meyer, der in der Folge als Financier gewonnen werden konnte. Beim denkwürdigen Gewerkentag von 1911 übernahm Dipl.-Ing. Imhof dann persönlich die Leitung des Unternehmens unter der neuen Bezeichnung „Zweite Gewerkschaft Rathausberg“. Die Kriegsereignisse ließen den Bergwerksbetrieb aber bald ins Stocken geraten, nicht zuletzt deshalb, weil Dipl.-Ing. Karl Imhof in Serbien zwei kriegswichtige Bergwerke leiten musste und nur zwischendurch mehrmals kurzzeitig in Böckstein anwesend war. [64] Die Erfolgsbilanz dieses Unternehmens war aus Sicht der auf Edelmetallgewinnung abzielenden Anstrengungen kein besonderes Ruhmesblatt: In den Jahren 1917 bis 1926 belief sich die Produktion auf 237 kg Gold, 1148 kg Silber, 746 Tonnen Arsen und 1199 Tonnen Schwefel. Durch die kriegswirtschaftliche Nutzung des Arsens (in Legierungen für Schrapnellgeschoße, Schutzanstriche an Schiffen) überstiegen die Erlöse des Arsenverkaufs jene von Gold und Silber bei Weitem: „Nicht die geringen Goldmengen finanzierten den Bergbau, sondern der Erlös des Arsens, das mitgewonnen wurde, da in dem abgebauten Hauptrevier das meiste Gold an Arsenkies, einer Verbindung von Arsen, Eisen und Schwefel, gebunden war. Als die Preise für Arsen bald nach beendetem Weltkrieg fielen, war der Abbau nicht mehr zu halten.[65] Um 1924 wird als Grund für eingetretene Verschlechterungen der Ertragslage angegeben: „Überschuß Verminderung durch Lohnsteigen 1,09 Gramm Au/t und durch gefallenen As-Preis 2.35 Gramm Au/t = — 3.44 Gramm Au/t Hauwerk.[66] Damit verschlechterte sich die Aufwand-Ertrags-Relation bei Gold um rund ein Drittel, bei Silber um rund ein Zehntel. Gravierend wirkte sich zudem das Fallen des Arsenpreises auf ein Fünftel jenes Preises aus, der sich noch während der vorangegangenen Kriegsjahre erzielen ließ. Bei allem bleiben hohe Transportkosten als zusätzliche wirtschaftliche Erschwernis zu bedenken. Die arsenreichen Aufbereitungsprodukte konnten nur in Freiberg in Sachen zugute gebracht werden, da im damaligen Österreich keine Anlage imstande war, die Extraktionsvorgänge für Edelmetalle und Arsen zufriedenstellend durchzuführen.[67]

Aufgrund tiefgreifender Veränderungen in den Besitzkonstellationen trat Dipl.-Ing. Imhof im Juni 1926 von seinen Funktionen zurück. Die Neuen in den Wiener Ministerien hatten kein echtes Interesse an der Weiterführung eines Gewinnungsbetriebes und stellten diesen am 15. Jänner 1927 ein. Alle Bergwerksanlagen verblieben weiterhin unter staatlicher Verwaltung. Eine kleine Anzahl von meist älteren Bergarbeitern wurde nicht entlassen, um ihnen den Lebensunterhalt, ihr „Stückl Brot“, zu sichern. Sie waren fortan mit der Instandhaltung der Stollen und der montanistischen Infrastruktur betraut. Als führende Köpfe dieser Dekade ohne jegliche bergmännische Produktionsaktivitäten fungierten Baron Ing. Ferdinand Florentin und ihm zur Seite der unermüdliche Grubengeometer und versierte Montanforscher Ing. Karl Zschocke.[68] Sie widmeten sich immer wieder der Erforschung der lagerstättenkundlichen Zusammenhänge und der Beurteilung historischen Schrifttums aus, für ihre Zeit, moderner Sichtweise.

Im Oktober 1937 begann der englische „Edron-Trust“, der vom österreichischen Staat günstige Optionen zugesagt erhalten hatte, mit Prospektionsarbeiten. Als eigentlicher Financier stand hinter dem Unternehmen ein äußerst wohlhabender Engländer, Sir Edmund W. Janson vom Londoner Finanzhaus Percy Tarbutt.[69]

Die „Zweite Gewerkschaft Rathausberg“ unter Führung der Preuß-AG und die „Gasteiner Heilstollen Gesellschaft“. Ein vierter Neuanfang

Als am 31. März 1938 die nunmehr deutsche Reichsregierung sämtliche dem „Edron Trust“ zuvor gewährten Begünstigungen zurückzog, sah sich dieser veranlasst, auf eine Weiterführung seines Engagements in Gastein zu verzichten. Als Nachfolgeunternehmen bot sich die deutsche Preuß-AG an, die nach Abtreten der österreichischen Regierung sofort deren gesamten Kuxenbesitz (Summe der aliquoten Anteilsrechte) am Gasteiner Bergbau übernahm. Sie vergütete den Engländern die getätigten Aufwände, sodass diese am 2. Juli 1938 auf alle Ansprüche am Bergbau offiziell verzichteten. Die Position der sonst noch vorhandenen Kuxeninhaber war schlecht: Ihnen wurde zur Wahl gestellt, gegen Bezahlung von 1000 Reichsmark je Kuxe auf ihre Rechte zugunsten der Preuß-AG zu verzichten oder in der Gesellschaft zu bleiben und den horrend hohen Kuxenzuschuss von 30.000 Reichsmark je einzelner Kuxe zu bezahlen.[70] Der Bund besaß zu diesem Zeitpunkt bereits 54,30% der Kuxe. Kleine private Kuxeninhaber, meist mit weniger als 1% der Kuxe waren zum Beispiel: Dipl.-Ing. Dr. Imhof (0,22%), Konsul Imhof (0,88%), Dr. Kovarbasic, Dr. Meyer, Dr. Richter und Fritzi Planner, E. Tweer, F. Wydler-Hollis, Buneau-Varilla. Kuxenbesitz um die 10% hatten Dr. Fleischmann und May de Madiis, W. Gutmann hielt 22%. Die Kärntner Gewerken May de Madiis befanden sich unter den ganz wenigen, die in der neuen Preuß-AG Gesellschaft verblieben. — Einige englische Montanexperten führten nach Vorgaben der Deutschen unter Bergassessor Dipl.-Ing. Siegfried Fleming den Gasteiner Bergbau aber noch bis Ende Juli 1939 weiter.

Die Preuß-AG (auch oft als „Preußag“ geschrieben) konzentrierte ihre Aktivitäten einerseits auf den Weiterbau des von Dipl.-Ing. Imhof begonnenen Erschließungsstollens zwischen dem Gasteiner Nassfeld und Kolm Saigurn im benachbarten Rauriser Tal.[71] Hier war von vornherein klar, dass einem sofortigen Beginn von Erzgewinnungsarbeiten nichts im Wege stand, zumindest was das auch nun wieder begehrte Arsenerz betraf. Hingegen war beim zweiten Großprojekt ebenso klar, dass es eine ungeheure Menge an typischem Risikokapital erfordern würde: Ein völlig neuer Stollen sollte in geringer Höhe oberhalb von Böckstein (im unteren Nassfeldtal) von West nach Ost in den Radhausberg eingetrieben werden, um die erhofften „Erzwurzeln“ jener Erzgänge, die in vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten oberhalb der Waldgrenze bis um die 2400 m Seehöhe hinauf reiche Vererzungen zum Abbau boten, nun ganz herunten in einer Höhe von ungefähr 1280 m Seehöhe zu unterfahren. Die Preuß-AG griff damit einen Plan auf, den zuvor bereits die Ingenieure des Edron-Trusts entworfen hatte, allerdings an anderer Stelle, nämlich unweit nördlich des heutigen Auto-Verladebahnhof in Böckstein. Aus montanistischer Sicht stellte sich das Unternehmen als kompletter Fehlschlag heraus, denn es ließ sich so gut wie überhaupt kein Erz gewinnen und von nennenswertem Edelmetall konnte keine Rede sein. Der von Dipl.- Ing. Karl Imhof, nun längst in Pension, aufgrund seiner Berechnungen vorhergesagte Misserfolg war Wirklichkeit geworden. Es geschah aber etwas, was weder Dipl.-Ing. Imhof noch sonst jemand ahnen hatte können: Die Mineure stießen beim Stollenvortrieb nach rund 1,5 km auf eine Zone immer wärmer werdenden Gesteins, sodass schließlich im innersten Bereich des sogenannten hangenden Südauslängens eine Temperatur von 45° Celsius zu messen war.[72] Die Vermutung eines wie immer gearteten Zusammenhangs mit den Heilquellen von Bad Gastein lag nahe, zumal viele der Arbeiter eine Besserung ihrer von früher her vorhandenen rheumatischen Beschwerden verspürten.

Das Zusammenwirken von natürlicher Wärme und dem in der Stollenluft in optimaler Dosis enthaltenen Edelgas Radon erwies sich als hochgradig heilkräftig, besonders bei Erkrankungen des „rheumatischen Formenkreises“ und bei Asthma. In einer gemeinsam gezeichneten Erklärung stellten Univ.-Prof. Dr. A. Hittmair und Univ.-Prof. Dr. F. Scheminsky fest: „Die mit der Frage nach dem Heilwert des Radhausberg-Unterbaustollens [Gasteiner Heilstollens] bei Badgastein-Böckstein betrauten Vorstände des Forschungsinstituts Gastein in Badgastein und der Medizinischen Universitätsklinik in Innsbruck haben ihre diesbezüglichen Ergebnisse verglichen und sind übereinstimmend zum abschließenden Urteil gelangt, dass der Behandlung im Stollen ein Heilwert zuzusprechen ist, welcher dem der Badkuren in Badgastein gleichkommt, bei einer beachtlichen Anzahl von Kranken aber den Heilwert aller bisher gebräuchlichen, auch der modernsten Behandlungsmethoden übertrifft.[73] In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich die medizinische Wissenschaft auf die weitere Vertiefung der Kenntnis von den beiden Wirkungsmechanismen natürliche Überwärmung der Luft und Einfluss der Radon-Emanation.[74] Federführend war die Universität Innsbruck.

Bis heute gibt es zur Herkunft weder der Wärme noch des Radongehalts wirklich belastbare wissenschaftliche Erklärungen.[75] Zur Diskussion gestellt wurden beispielsweise: Wärme quasi als Rest einer geologisch alten, damals „normalen“ geothermischen Tiefenstufe (Prof. Stini), Wärmeanomalie aufgrund des Vorhandenseins eines hochliegenden Batholithen (Introsivkörpers) mit Magma (Prof. Vetters, mündlich), weiters (bislang unaufgefundenes) juveniles oder vadoses Thermalwasser in der Nähe des Stollens (Prof. Stini, Prof. Pohl-Rühling, mündlich), chemische Reaktionen (Prof. Exner), Vorhandensein von Uranmineralien (Uranophan, Uronotil) und diversen Uranzerfallsprodukten (Prof. Haberlandt und Ing. Zschocke). Uran-Pechblende kommt nicht vor. Heute ist vom breiten Besucherpublikum die Theorie des für den Heilstollen verantwortlichen Geologen Dr. Brantmaier voll akzeptiert, [76] obwohl der in seiner Theorie wichtige Wasserdampf von den Professoren der „Gründerzeit“ nach 1945 (Exner, Haberlandt, Schiener), sogar trotz entsprechender Versuche (mit Lehm massiv abgedichtete Glasstürze über den wärmeführenden Gangklüften), niemals festgestellt werden konnte.[77] Karl Zschocke, Mineraloge, Bergmann und langjähriger Betriebsleiter des Heilstollens, vermerkt ausdrücklich, dass die „Gangklüfte staubtrocken“[78] sind und von den 140 durch den Stollen aufgefahrenen Klüften nur eine einzige geringfügig feucht ist.[79] Für die ja heute tatsächlich im Stollen vorhandene Luftfeuchtigkeit bot Zschocke eine überzeugende Erklärung (vorhandene bzw. fehlende Luftzirkulation über Stollenluft und eingebaute Lutten). Typisches Stollenwasser, wie es überall zu erwarten wäre, findet sich nur im äußeren, tagnahen Teil des Heilstollens.

Es gibt zu der gesamten Problematik eine reiche Fachliteratur und die jüngere Wissenschaftler-Generation bemühte sich im Rahmen des „Forschungsinstitutes Gastein“, gegründet im Jahr 1936 von Dr. Emmerich Granichstätten in Anwesenheit des damaligen österreichischen Bundespräsidenten Dr. Wilhelm Miklas, um neue Erkenntnisse. Heutigentags werden diesbezüglich Fragestellungen und Lösungsvorschläge von den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Paracelsus-Universität (Salzburg) sowie von der Universität Innsbruck konstant im Auge behalten.

Der Heilstollen trug ursprünglich den Namen „Pasel“-Stollen, und zwar nach Ing. Dr. Curt Pasel, Geheimer Bergrat im Reichs- und Preußischen Wirtschaftsministerium. Im Volksmund avancierte der „Pasel“-Stollen wegen seiner Heilwirkung schon bald zum „Wunderstollen“. Heutigentags sieht man das wissenschaftlich-nüchtern. Der jeweils rund einstündige Aufenthalt im Stollen ist ein medizinisch anerkanntes Heilmittel. In neuerer Zeit kam dazu ein modernes Kurhaus mit therapeutischen Zusatzanwendungen und dieses dient nun gewissermaßen als Eingangsstation zum Stollen. Jährlich absolvieren rund 8.800 Kranke mit insgesamt ca. 84.000 Einzelanwendungen[80] die meist drei Wochen umfassende Stollenkur, teilweise mit ganz wesentlichen Verbesserungen der Krankheitszustände. Es bleibt das zu unterstreichen, was Ludwig/Gruber 1982 schrieben: „Kriegswirtschaftliche Sinnlosigkeit zeitigte im medizinisch-sozialen Bereich einmal positive Spätfolgen.“[81]

Als die Preuß-AG Ende 1945 Bilanz zog, sah sie sich mit einem tristen Resümee konfrontiert: Insgesamt hatte man in den sieben Betriebsjahren rund 12,5 Millionen Reichsmark ausgegeben, davon im Nassfelder Imhofstollen-Revier 9,5 Millionen Reichsmark, im neuen Radhausberger Aufschließungsstollen (Pasel-Stollen, heute „Gasteiner Heilstollen“) rund 2,5 Millionen Reichsmark und den Rest in einem kurzfristigen Rauriser Versuchsbetrieb. Auf der Haben-Seite standen dem rund 0,5 Millionen Reichsmark für Edelmetalle aus dem Nassfeld und rund 1,4 Millionen Reichsmark für „Nebenprodukte“ gegenüber, wobei natürlich der wertmäßig bei weitem dominierende Anteil wieder auf den Arsenverkauf entfiel. Von Juli 1941 bis Ende Dezember 1944 wurden erzeugt: 223,408 kg Gold, 1.107,25 kg Silber, 996,5 t Arsen und 1.279,2 t Schwefel.[82] Der Preis für Arsen nahm im Zweiten Weltkrieg – und danach! – eine weitgehend parallele Entwicklung wie im und nach dem Ersten Weltkrieg. In ihrer Geschäftsgebarung traf das Riesendefizit die Preuß-AG aber nicht mit voller Härte, denn das zuständige Reichswirtschaftsministerium übernahm von den 12,5 Millionen im Minus stehenden Reichsmark immerhin beachtliche 9,5 Millionen Reichsmark zur Tilgung. Dies geschah im Rahmen des sogenannten „Förderprämienverfahrens“, das den Staat verpflichtete, das Defizit im Bergbau als kriegswirtschaftlichem Industriezweig[83] den privaten Bergbaufirmen zu vergüten, zumindest zu einem sehr großen Teil.[84] Die von Ing.-Dr. Curt Pasel veranlassten Zubuße-Zahlungen trafen seit 1940 regelmäßig bei der Gewerkschaft Radhausberg ein. – Der kriegführende deutsche Staat dachte auch beim Heilstollen entlang militärischer Interessenslinien, doch vergeblich: Ein „Wirtschaftlicher Lagebericht des Oberbergamtes Wien“ stellte unter anderem fest, dass der Böcksteiner Heilstollen wegen seiner hohen Temperatur im Rahmen der Bemühungen zur „Untertageverlegung der Rüstungsindustrie“ ungeeignet sei. Dass das „Förderprämienverfahren“ trotzdem zum Tragen kam, muss hauptsächlich der Produktion des kriegswichtigen Arsens (Imhof-Stollen im Nassfeld) geschuldet gewesen sein.

Nach Angaben von Betriebsleiter und Grubengeometer Ing. Karl Zschocke wurden in der Zeit von 1938 bis 1944 durch die Preuß-AG folgende Leistungen erzielt: 13.000 Meter mit Aus- und Vorrichtungsstollen, dazu im Abbau (Nassfeld) 35.000 Tonnen Hauwerk mit einem durchschnittlichen Gehalt von 6,95 Gramm/Tonne Gold. Weitere Durchschnittswerte: 36,35 Gramm/Tonne Gold und Silber zusammen, 3,80% Arsen und 4,96% Schwefel. Das Ausbringen betrug bei Au 93,31%, bei Ag 88,36%, bei As 76.12 %.[85]

Nach 1945 setzte sich das Unternehmen fort, diesmal unter dem Namen „Gewerkschaft Radhausberg“, nun richtig mit >d<. Die Preuß-AG besaß 1952 noch rund 38% der Besitzanteile, trennte sich aber dann durch regulären Verkauf von diesen, trotz des Wissens, dass mit der neuen Therapiestation in Zukunft auf Basis völlig neuer wirtschaftlicher Voraussetzungen eine sinnvolle, weil gewinnbringende Weiterarbeit einmal möglich sein könnte. Der Staat als neuer Mehrheitsbesitzer ließ in der Folge Anteilsverteilungen zu, die sich größtenteils innerhalb der verschiedenen Institutionen der öffentlichen Hand abspielten. Ebenfalls im Jahr 1952 konstituierte sich eine gesonderte Heilstollen-Betriebsgesellschaft, die den Stollen samt Kurhaus zu einer modernen Therapiestation ausbaute.

In der sehr warmen Stollenluft ist im innersten Bereich das Edelgas Radon vorhanden, das einen sehr wesentlichen konstitutiven Beitrag zur Heilwirkung beisteuert. Die Berghauptmannschaft Salzburg anerkannte am 20. Juni 1955 die vorhandenen Radon- (und Thorium-) Emanationen quasi als Bergwerksprodukte und verlieh, wohl erstmals in der österreichischen Bergrechtsgeschichte, „für den Aufschluss von Zerfallsprodukten uran- und thoriumhältiger Mineralien[86] offizielle bergrechtliche Grubenmaße.[87] Tatsächlich werden auch heute noch alljährlich bergmännische Arbeiten im Heilstollen vorgenommen.

Resümee: Das im Stollen auftretende Radongas, verbunden mit einer Temperatur um die 40° Celsius, ist im besten Sinne des Wortes ein moderner „Schatz der Alpen“.

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1911   Denkschrift für die Gewerkschaft Radhausberg über den Stand und Fortgang der Aufschlussarbeiten in den Bergbaurevieren Rathausberg und Erzwies-Pochart-Stieglitz. Böckstein 1911, S. 1-50

IMHOF, Karl

1934   Das Adelsgesetz für das Goldfeld der Hohen Tauern im Sonnblickmassiv, in: Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch 82 (1934), S. 1-16

Imhof, Karl

1938    Der Goldbergbau in den Hohen Tauern, in: Gruber, Fritz (Hrsg.), 2005, S. 39-52

KÄMPF, Hans

1926   Beiträge zur Geschichte des österreichischen Bergbaues. Gewinnungsdaten vom Goldbergbau bei Böckstein aus den Jahren 1616-1836, in: Montanistische Rundschau 10 (1926), S. 326 ff.

Kroker, Evelin

1976    Die Tätigkeit des Bergwerksverwalters Karl Reissacher im Spiegel seines Nachlasses, in: MHVÖ (Hrsg.): Tauerngold. Vorträge gehalten anlässlich der Montangeschichtlichen Tagung des Fachausschusses für Montangeschichte des Bergmännischen Verbandes Österreichs (BVÖ) gemeinsam mit dem Geschichtsausschuss der Gesellschaft Deutscher Metallhütten- und Bergleute (BDMB) in Badgastein vom 18. bis 20. Oktober 1976 (Leobner Grüne Hefte. Neue Folge 1), Wien 1979, S. 37-51

Leitmeier, Hermann

1947 Das Tauerngold, in: Österreichische Rundschau 1947, II/2, S. 279-281

LUDWIG, Karl-Heinz

1977   Der Salzburger Edelmetallbergbau des 16. Jahrhunderts als Spiegel der Moderne, in: Eberhard Zwink (Hrsg.): Salzburg in der europäischen Geschichte (Symposion der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde anlässlich des Landesfestes „900 Jahre Festung Hohensalzburg“ am 6./7. Juni 1977), Salzburg 1977, S. 111-135

LUDWIG, Karl-Heinz

1978   Bergleute im Bauernkrieg, in: Zeitschrift für historische Forschung 5 (1978), S. 23-47

LUDWIG, Karl-Heinz

1986   Die Innovation des bergmännischen Pulversprengens, in: Der Anschnitt 38 (1986), S. 117-122

LUDWIG, Karl-Heinz

1987   Einkommen und Löhne von Knappen und Arbeitern in der europäischen Montankonjunktur des 15./16. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für historische Forschung 14 (1987), H. 4, S. 385-406.

LUDWIG, Karl-Heinz

1993   Der Bergbau zur Zeit des Paracelsus, in: Dopsch, Heinz/Kramml, Peter: Paracelsus und Salzburg. Vorträge bei den internationalen Kongressen in Salzburg und Badgastein anlässlich des Paracelsus-Jahres 1993 (14. Ergänzungs-Band der MGSL), Salzburg 1993. S. 311-317

Ludwig, Karl-Heinz

2001   Gold- und Edelmetall in der europäischen Montangeschichte unter besonderer Berücksichtigung des Erzstiftes Salzburg, in: Ammerer, Gerhard/Weiss A. Stefan (Hrsg.): Das Tauerngold im europäischen Vergleich. Archäologische und historische Beiträge des Internationalen Kongresses in Rauris vom 7. bis 9. Oktober 2000 in Rauris, MGSL 141 (2001), Salzburg, S. 89 – 113

LUDWIG, Karl-Heinz

2003   „Der Anlaß“ – ein konjunkturpolitischer Clou des Jahres 1525 in Tirol, in: Paolo Pecorari (Hrsg.): Europa e America nella storia della civilità. Studi in onore de Aldo Stella, Treviso 2003,

LUDWIG, Karl-Heinz

2009   Bergleute im Bauernkrieg 1525/26: Salzburg zwischen Habsburg und Wittelsbach – oder politisch darüber hinaus, in: Dopsch, Heinz (Hrsg.) 2009, S. 191-248

Ludwig, Karl-Heinz/ Gruber, Fritz

1987   Gold- und Silberbergbau im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Das Salzburger Revier von Gastein und Rauris, Köln-Wien, S. 1-400, 1689 Anmerkungen mit Quellenangaben, ausführlicher Index

MOESTA, Hasso

1970   Ein spätmittelalterlicher Doppelschmelzofen im Hinteren Angertal, Bad Hofgastein. – III. Die metallurgische Analyse, in: MGSL 130, S. 782-787 (alle vier Teile: MGSL 130, S. 759-790)

MOESTA, Hasso

1983   Erze und Metalle – ihre Kulturgeschichte im Experiment, Berlin-Heidelberg-New York 1983

Mutschlechner, Georg

1968 Aus der hundertjährigen Geschichte der Gewerkschaft Rathausberg, in: Mitteilungen aus dem Forschungsinstitut Gastein 33 (1968), S. 1-55

MUTSCHLECHNER, Georg

1976   Der „Entdecker des Böcksteiner Heilstollens“, in: Gastein aktuell 87-88 (1976)

Posepny, Franz

1880    Die Goldbergbaue der Hohen Tauern mit besonderer Berücksichtigung des Rauriser Goldbergs, in: Archiv für praktische Geologie 1, S. 1-254

Reissacher, Carl

1860 Bruchstücke aus der Geschichte des Salzburgischen Goldbergbaues an den Tauern, in: Jahresbericht des Landesmuseums Carolino Augusteum, Salzburg

RENKER, Randolf

1970   Die Metallversorgung und der Münzbetrieb der österreichischen Münzstätten vom Ende des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, Inaugurial-Dissertation, Köln 1970

Rochata, Karl

1889   Das Angertal-Erzwiesrevier in den Hohen Tauern, Döllach 1889

Russegger, Joseph

1841  Der Aufbereitungsprozess gold- und silberhaltiger Pocherze im Salzburgischen Montanbezirke, Stuttgart 1843

Scheminsky, Ferdinand (Hrsg.)

1965   Der Thermalstollen von Badgastein-Böckstein, seine Geschichte, Erforschung und Heilkraft (Forschungen und Forscher der Tiroler Ärzteschule 5), Innsbruck 1965

SPERGES, Josef

1765   Tyrolische Bergwerksgeschichte, Wien 1765

Sperl, Gerhard

2009   Der Gasteiner Hüttenprozess des 16. Jahrhunderts: Die Zeit Weitmosers, in: Dopsch, Heinz (Hrsg.): Christoff Weitmoser und seine Zeit. Aus technisch-bergmännischer, wirtschaftlicher, sozialer und kunstgeschichtlicher Sicht. Beiträge des Weitmoser-Symposions in Bad Hofgastein vom 20. bis 23. September 2006, Bad Hofgastein 2009, S. 159-178

Stöllner, Thomas/Oeggl , Klaus (Hrsg.)

2015   BERGAUF BERGAB – 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen. Wissenschaftlicher Beiband zur Ausstellung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum vom 31.Oktober 2015 – 24. April 2016, Bochum 2016. S. 1-623

Wehdorn, Manfred

1977  Montandenkmal Altböckstein – Denkmalwerte und Möglichkeiten einer Revitalisierung, in: Der Anschnitt 29 (1977), S. 14-21

WEISS, Alfred

1976   Der Sackzug – eine historische alpenländische Fördermethode, in: Der Anschnitt 28 (1976), S. 123-128

WELSER, Johann

1981   Geologische Studien über die Golderzvorkommen und die Goldgewinnung in den Hohen Tauern (Böcksteiner Montana 5), Leoben 1981

Westermann, Ekkehard (Hrsg.)

1988  Die Listen der Brandsilberproduktion des Falkenstein bei Schwaz von 1470 bis 1623, VWGÖ Wien

WOGRINZ, Alfred

1940   Zur Geschichte des Tauerngoldes, in: Metall und Erz 36 (1939), S. 437-441 und 37(1940), S. 193 f.

WOLFSTRIGEL-WOLFSKRON, Max v.

1903   Die Tiroler Erzbergbaue 1301-1668, Innsbruck 1903

Zimburg Heinrich v.

1948   Die Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales, Wien 1948

Zschocke, Karl

1965  Der Goldbergbau in den Hohen Tauern und die Auffahrung des Radhausberg-Unterbaustollens (Pasel-Stollen, Thermalstollen, Heilstollen) in Böckstein bei Badgastein, in: Scheminsky, Ferdinand (Hrsg.) 1965, S. 69-85

ZSCHOCKE, Karl

1968   Die Schmelzplätze im Gasteiner und Rauriser Tal, in: Archaeologica Austriaca 43 (1968), 2-17

……………………………………………………………………….

Abkürzungen:

HHStA: Haus- Hof- und Staatsarchiv, Wien

MGSL: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde

MHVÖ: Montanhistorischer Verein Österreichs

SLA: Salzburger Landesarchiv

 

 

[1] Gruber 2015, S. 570, dort mit weiterführender Literatur.

[2] Hörburger 1982, S. 192. Zu slawischen Namen in Österreich, speziell in Kärnten, vgl. die Arbeiten von Heinz-Diether Pohl, Klagenfurt. Das >s< ist hier im Slawischen stimmhaft und wird meistens bei der Übernahme in Lateinschrift mit >z< wiedergegeben. Vgl. slowenisch „Železna Gora“ (Eisen-Berg), russisch железо, Eisen.

[3] Auf der südlichen Abdachung des Tauernhauptkammes findet sich der Name „Ruden“ in einer erzreichen Gegend. Das >eu< entstand aus altem („langem“) >u< unter Einfluss der Lautverschiebung von >u< zu >au< unter gleichzeitiger Wirkung des I-Umlautes: Ruden – Rauden –Räudenitzen – Reudnitzen. Verfasser hielt in der montanhistorischen Tagung vom Juni 2010 in Böckstein einen Vortrag zum Thema bergbau-bezüglicher Orts- und Großflurnamen.

[4] Hinterseer 1977, S. 70.

[5] Darüber im Detail: Gruber 2014.

[6][6] Ludwig/Gruber 1987, S. 93 f. und S. 96-99. Vgl. weiters Sperl 2009, S. 159-178.

[7] Ludwig/Gruber 1987, S. 88-91 et passim

[8] Weiß 1976; vgl. auch Ludwig/Gruber S. 82-85 und die S. 101, 112, 151, 246, 303, 318 f., 357 und 362; bemerkenswert ist der Sackzieheraufstand, hier S. 319.

[9] Gruber 1991b, S. 562-566

[10] Gruber/Ludwig 1982, Dokumentenanhang S. 85-122: „Freibrief zur Bergordnung, 1477“, „Die neue ‚Erfindung‘ auf dem Embach, 1489“, „Maßnahmen zur Förderung der Bergwerke, kurz nach 1489“, „‚Reformation‘ Erzbischof Leonhards über Gebrechen und Mängel bei den Gastein/Rauriser Bergwerken, 1501“.

[11] Dr. Leonhard Auer ist in einem Beitrag über die 14 Forderungsartikel im Bauernkrieg von 1525 ein eigenes Kapitel gewidmet, Erscheinungstermin voraussichtlich Herbst 2016 in den MGSL.

[12] Enthalten in Johann Georg Lori: Sammlung des baierischen Bergrechts mit einer Einleitung in die baierische Bergrechtsgeschichte, München 1764, S. 199-240. Die Datierung „xxxviii“ erklärt sich daraus, dass in der Druckfassung noch ein kurzer Zusatzartikel betreffend die innergebirgischen „Durchschläge“ vom „Sunntag Letare in der Vasten“ 1538 enthalten ist.

[13] Karl-Heinz Ludwig bearbeitet diesen Fragenkomplex wissenschaftlich und wird demnächst dazu eine grundlegende Publikation vorlegen.

[14] Die Blütezeit ist in der Literatur mehrfach abgehandelt, sodass hier einige Beispiele genügen mögen: Reissacher 1880, S. 1-55; Wogrinz 1940; Zimburg 1948, S. 60-81 und 127-141, jeweils mit Wiedergabe zeitgenössischer Gedichte des 16. Jahrhunderts; Ludwig/Gruber 1987; Hinterseer 1977, S. 412-435; Imhof 1938, S. 39-52; Ammerer 1982, S. 46-59; Gruber 2012b, S. 91-97, S.113-140, S. 210-219, S. 231-272.

[15] Der Name leitet sich von Hans Goldseisen her. Er war der Verwalter der Edelmetall-Einlieferungsstelle. Zu den weit ins Detail gehenden Ausführungen vgl. Gruber/Ludwig 1980, hier besonders S. 43.

[16] Es ist unmöglich, exakte Kaufwert-Äquivalente zu fixieren. Die Vorstellungen davon, was einerseits die Arbeit und andrerseits die Handelswaren „wert“ waren, gehen zwischen heute und damals weit auseinander. Dazu kommt, dass auch die Wertrelationen innerhalb der Gruppe der Waren in Teilbereichen völlig anders waren als heute. Dies lässt sich am Beispiel des einst begehrten „Unschlitts“ (Rindstalg) zeigen, für den heute kaum noch Nachfrage besteht. Vgl. Gruber 2012, S. 501 f.

[17] Westermann 1988, S. 111

[18] Ludwig/Gruber 1978, S. 276

[19] Westermann E. (1988), S. 111. Durchschnittsmenge 1556 bis 1559 betrug 6 625 kg.- Neben Fugger, Mandlich, Lingg und Dreiling war die „Römisch Kayserliche Majestät“ ab 1558 der bedeutendste Teilhaber.

[20] Sperges 1765, S. 36 und S. 77; Wolfstrig-Wolfskron 1903, S. 175 und S. 313. Es wurden punktuell minimale Mengen gefunden, zum Beispiel als Seifengold. Das Vorkommen am Heinzenberg (Zillertal) gehörte teilweise zu Salzburg und war nicht durchgehend in Betrieb.

[21] Gruber/Ludwig 1980, S. 28 f. und S. 41

[22] Ludwig 1987, S. 399. Der Betrag galt für „Herrenhäuer“ im Zeitlohn. Lehenhäuer konnten bei Brechen besonders edelmetallreicher Erze auch etwas mehr verdienen, hatten aber gleichzeitig das Risiko unter Umständen leer auszugehen. Für solche Fälle sprang man später mit dem sogenannten „Hilfsgeld“ ein.

[23] Canaval 1911; Gruber 2006, S. 247-281; weiters speziell für das Bockhart-Hochtal: Gruber 2001, S.113-130; 2002, S. 251-265; 2003a, S. 193-217.

[24] Gruber 2004b

[25] Gruber 1980, S. 40-42, mit detaillierten Aufgliederungen

[26] Renker 1970, S. 197. Auch die Reviere außerhalb des Bereichs der Hohen Tauern (Steinfeld, Friesach, Gmünd, Wolfsberg-St. Leonhard) kamen bei Weitem nicht an die an sich schon nicht gerade üppigen Ergebnisse von Großkirchheim und Obervellach heran. Relativ größere Mengen erzielte St. Leonhard, das es bei Gold auf einen Jahresdurchschnitt (aus 1560-1562) von 64,63 kg brachte. Quelle wie oben, S. 197.

[27] Gruber 2006, S. 350. Die vorangehenden und folgenden Jahre brachten es ungefähr auf die Hälfte. Nach 1586 brach die Produktion markant zusammen, sodass schließlich, um 1602, nur noch 2,81 kg Gold und 48,89 kg Silber zu Buche schlugen.

[28] Gruber 1987, über die „Großen Drei“ S. 264-276 und öfter. Der Verfasser bereitet eine Monografie über die Familie der Weitmoser zur Publikation vor.

[29] Aus der umfangreichen Literatur über die Bergleute im Bauernkrieg stechen die Beiträge von Karl-Heinz Ludwig besonders hervor, beispielsweise Ludwig K.-H. (2009): Die Bergleute im Bauernkrieg 1525/26: Salzburg zwischen Habsburg und Wittelsbach – oder politisch darüber hinaus, in: Dopsch H. (2009), S. 191-248.

[30] Gruber 2009, in: Dopsch 2009, S. 31-55

[31] Gruber, Fritz/Tammann, Andreas: Genealogie der Zott. Erscheint ca. 2017

[32] Vorgänger waren die Fugger, Melchior von Meckau, Anthoni von Ross, die Baumgartner von Kufstein u.a.; Nachfolger in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts: Familie Katzpeck, Familie Rosenberger. Als kleine Gewerken neben den „Großen Drei“ sind zu nennen: Christoff Perner und Virgil Krünner. Ausführlich über die Genannten in Ludwig/Gruber 1980 und Ludwig/Gruber 1987.

[33] Gruber 1987, S. 248

[34] Gruber 1981; Günther 2001

[35] Gruber 1991a; Sperl 2009, S. 159-178

[36] Blickle 2012, S. 36. Blickle sagt, dass 1525 die bei der „Aushöhlung“ (so wörtlich) des Festungsberges eingesetzten Knappen wegen ausbleibender Soldzahlungen zu arbeiten aufhörten, sodass „die Burg nicht im Berg versank“ (so wörtlich). Dazu gibt es nicht den geringsten belastbaren Hinweis. Vgl. dazu auch Ludwig 2009, S. 212 f.

[37] Gruber 2003, S. 642 ff. Über die Lehenschaft allgemein S. 626-647

[38] Darüber ausführlich Gruber F. (1993), S. 321 ff.

[39] Ludwig/Gruber 1987, S. 350-369: Verstaatlichung und Ausblick. –Vgl. auch Gruber 1979, S. 7-67.

[40] Gruber 2012a

[41] Renker 1970, S. 179. Im Jahr 1589 gelangten mehr als 100 000 Mark Silber, also das 10 000-Fache an Gewicht gegenüber dem Gold nach Hall. Es handelte sich um amerikanisches Edelmetall, das die Fugger in Hall in Tirol, wo eine wassergetriebene Münzprägemaschine in Betrieb stand, vermünzen ließen.

[42] Bergbericht von 1612 (Privatarchiv F.G.). Vgl. auch SLA Rauris, Pfleggerichtsakten, 1720 und Folgejahre. Zahlreiche weitere Belege, zum Beispiel SLA Bergwesen Amtssachen Lend 1720/1; SLA Bergwesen Amtssachen Rauris 1733/3.

[43] Kämpf 1926, S. 326 ff. (Tabelle)

[44] SLA, Montanakte. Ratschlag Libell in Gastein, 1642. Vgl. auch Kirnbauer F.: Die Geschichte der Sprengarbeit im Bergbau, in: Festschrift der Aktiengesellschaft Dynamit Nobel, Wien 1965, S. 120 ff. Weiters Günther W. (2001).

[45] Gruber 2012, S. 305-313, hier S. 310

[46] Gruber 2012, S. 321-329; Gruber 1979, 12-23

[47] Gruber 1991a, mit detailierten Darstellungen: „Die Lender Holzkohlen-Gesellschaft (1553-1569“ S. 50-63, Die „Gemeine Lender Handels-Gesellschaft (1569-1589)“, S. 63-73

[48] Die in der Literatur weit verbreitete Angabe, dass bereits um 1542 eine „Lender Gesellschaft“ von einem „soliden Gewerkenverein“ gegründet wurde, ist in jeder Hinsicht falsch.

[49] SLA, Bestand Bergwerks-Relationen 1741-1742. Im Detail bei Gruber 1979, S. 12 ff. Weiters Gruber 2012, Mosaikstein Nr. 50: „Wie es zur Gründung des Montankomplexes von Altböckstein kam, 1741“, S. 321-329.

[50] SLA, Bergwesen Oberamt Gastein, 1746/7.

[51] SLA, Berghauptmannschaftsakten Gastein, sub 1747/22: „Gründtliche Bweis-Tabelle das die neu errichteten Stoßherde dem hochfürstlichen Aerario … nützlich seien.“

[52] Bescheid des Österreichischen Bundesdenkmalamtes Zl. 504/78, mit ausführlicher Begründung.

[53] Ludwig/Gruber 1987, S. 83 ff, im Detail mit weiterführenden Angaben. Weiters Gruber 2012, Mosaikstein Nr. 35: „Der Sackzug – eine hochalpine Transportmethode (1490 bis ca. 1798 beziehungsweise 1880)“, S. 236-247. Vgl. in diesem Zusammenhang auch Gruber 1977.

[54] Gruber 2012, Mosaikstein Nr. 59: „Die Aufzugsmaschine (1804-1868), erste alpine Seilbahn Österreichs“, S. 374-382

[55] HHStA, Allgemeine Urkundenreihe sub „1787“. „Extract aus den Hauptrechnungen betreffend die in Gastein und Rauris eroberten Erze 1616 bis 1787„, von Anselm Thaddäus Lürzer von Zehendthal

[56] Säkularisierung des geistlichen Fürsterzbistums Salzburgs und 1803-1805 Kurfürstentum, dann 1806-1809 Zugehörigkeit zum Kaisertum Österreich, gefolgt von Zugehörigkeit zum Königreich Bayern 1810-1816, dann ab 1816 bleibend zu Österreich gehörig.

[57] In Kilogramm umgerechnet nach Kämpf 1926, S. 328

[58] Details bei Gruber 2006, S. 228

[59] Kroker 1976

[60] Für dies und das Folgende vgl. Reissacher 1860, Mutschlechner 1968. Gruber 1979, Gruber/Ludwig 1982, Gruber/Ludwig1991, Günther 2006, Gruber 2012. Für den infrage stehenden Zeitabschnitt gibt es eine Reihe allgemein historischer Darstellungen, die sich auch des Bergbauthemas annehmen. Hier seien nur die wichtigsten Autoren angeführt: Hacquet de la Motte, Vierthaler, Schultes, Koch-Sternfeld, Muchar, Zimburg, Hinterseer; Zauner, Hübner, Zillner und andere. Spezifisch zu Bergbaufragen forschte keiner von ihnen, doch bringen Hacquet und Koch-Sternfeld jeweils einzelne konkrete neue Angaben.

[61] Mündliche Mitteilung von Siegfried Kopp, Rauris, dem hiermit gedankt sei. Diese sehr interessante Tatsache wurde von ihm 2015 erstmals offengelegt.

[62] Gruber 2006, S. 464 f.:

[63] Gruber 1979, S. 40; Günther 2006, S. 398-403

[64] Gruber 2008, S. 58-69: Vgl. Gruber 2012 Mosaikstein Nr. 64: „Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof (1873-1944) und die Zweite Gewerkschaft Rathausberg“. Die Schreibung „Rathausberg“ ist nicht korrekt, wurde aber von der Ersten – und Zweiten Gewerkschaft Rathausberg als Standard verwendet. Aus etymologischer Sicht richtig ist nur „Radhausberg“.

[65] Leitmeier 1947, S. 279-281: Hans Leitmeier habilitierte sich bei Prof Ippen (dieser aus persönlich-weltanschaulichen Gründen ein Gegner Imhofs) und war dann Vorstand des Mineralogisch-petrographischen Instituts der Universität Wien. (Kopie: Privatarchiv F. G., Nr. W 4)— Imhof erwähnte das Arsen nur am Rande. Vgl. Günther 2006, S. 403-428 mit vorwiegend technischen Angaben

[66] Aufgrund von erhaltenen Unterlagen erstellte Statistik, undatiert, vermutlich von Karl Zschocke oder Ferdinand Florentin. (Kopie: Privatarchiv F. G., W 42, handschriftliche Tabellen.)

[67] Florentin 1937, S. 59 f.

[68] Zschocke 1968, S. 1-17 bearbeitete die historischen Schlackenhalden, die er in zwei Typen kategorisierte, in spät-mittelalterliche und in „vor“- mittelalterliche.

[69] Der Genannte war auch einer der zwei Direktoren der Gesellschaft. Der zweite Direktor hieß Lt. Col. Ronald Waterhouse. In Böckstein war als General Manager G. Maitland Edwards vor Ort tätig. (Schreiben Edwards an den englischen Konsul in Wien, Captain John William Taylor; Kopie: Privatarchiv F.G., W 28)

[70] (Kopie: Privatarchiv F.G., W 38). Rundschreiben des Gewerkenrates von August 1938

[71] Über diesen Zeitabschnitt vgl. die ausführlichen Darlegungen bei Florentin 1963, Mutschlechner 1968, Gruber 1979, Günther 2006

[72] Immer noch grundlegend das umfangreiche Buch von Scheminzky 1965 (Hrsg.), darin zum Beispiel folgende Beiträge: Scheminsky F.: „Vom Bergbau zur Stollentherapie“; Zschocke K.: „Der Goldbergbau in den Hohen Tauern und die Auffahrung des Radhausberg-Unterbaustollens (Pasel-Stollen, Thermalstollen, Heilstollen) in Böckstein bei Badgastein“; Haberlandt H., Scheminzky F. und Schiener A.: „Die hydrothermalen Mineralien im Heilstollen“; Scheminsky F.: „Die Wirkfaktoren der Stollentherapie“; Halhuber M. J., Inama K., Haus E., Christa CJ, und E. und K. Riemer: Die Stollenbehandlung bei rheumatischen Erkrankungen am stationäre Krankengut der Klinischen Sonderstation in Badgastein der Innsbrucker Med. Univ.-Klinik; Henn O.: „Die Stollenbehandlung des Morbus Bechterew“ und zehn weitere Beiträge zu medizinischen Fachfragen.

[73] Scheminzky 1965 (Hrsg.) – Darin: Vom Bergbau zur Stollentherapie, S. 29-69., hier S. 55. Die ausführlichen Radon-Messreihen ermittelten Radiologen der Universität Salzburg: Pohl E. und Pohl-Rüling J.: Physikalische und physikalisch-radiologische Messungen im Thermalstollen, ebenda S. 137-163. Die Radonemanation in der Stollenluft wurde erstmals von Prof. Hernegg, Universität Wien, wissenschaftlich bestätigt.

[74] Deuten, Peter/Falkenbach, Albrecht/Harder, Dietrich/Jäckel, Hans/Kaul, Alexander(Philipsborn von, Henning (Hrsg.): Radon als Heilmittel, Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2005. Prof. Dr. Deuten ist (heute emeritierter) Vorstand des Instituts für Physiologie und Balneologie der Universität Innsbruck, Dr. Falkenbach war langjähriger ärztlicher Leiter der „Krankenanstalt Gasteiner Heilstollen in Bad-Gastein-Böckstein

[75] Details vgl. Wikipedia unter Stichwort „Gasteiner Heilstollen“. Es ist nicht Aufgabe dieses Überblicks, auf das Für und Wider der einzelnen ( hypothetischen!) Denkansätze einzugehen.

[76] Vgl. Wikipedia unter „Gasteiner Heilstollen“; weiters „Wie funktioniert der Heilstollen aus geologischer Sicht?“, wie Anm. 82, mit beiliegender CD.

[77] Der Verfasser konnte noch persönlich mit den genannten Professoren themenbezogene Gespräche führen.

[78] Maschinschriftliches Gutachten vom 17.08.1945: „Vorkommen von Uran im Golderzgebiet der Hohen Tauern mit 4 Beilagen von Bergverwalter Karl Zschocke, Böckstein“ (Kopie: Privat-Archiv F. G., W 216).

[79] Zschocke schreibt 1956: „Während der Zeit von 1945 bis heute sind die einst ganz trockenen Grubenbaue feucht und naß geworden, hervorgerufen durch die natürlichen Bewetterungsverhältnisse. Während des jahrelangen Betriebsstillstandes fand keine künstliche Bewetterung statt. Der kalte, feuchte im Stollen einziehende, in den Grubenbauen erwärmte und in den Lutten ausziehende, natürliche Wetterwechsel war im Winter viel lebhafter als im Sommer, wo sich die Feuchtigkeit in den Grubenbauen steigerte. Die in den letzten Jahren nur ab und zu in Betrieb gesetzte, dem natürlichen Wetterwechsel entgegengesetzt wirkende künstliche Bewetterung reichte nicht aus, um den früheren trockenen Zustand in den Grubenbauen wieder herzustellen. Auch der hohe Wasserverbrauch bei der Tiefbohrung, beim Streckenvortrieb und beim Reinigen der Liegeroste vermehrte die Verdunstung.“ (Maschinschriftlicher Brief Zschockes an Prof. Scheminsky, Vorstand des Physiologischen und Balneologischen Instituts der Universität Innsbruck und Leiter des Forschungsinstituts Gastein. Kopie: Privatarchiv F. G., W 221.)

WENN DIESES ZITAT AUS ZSCHOCKES BRIEF ZU LANG IST, DANN ERSUCHE ICH HÖFLICH UM TILGUNG DIESER ANMERKUNG. Ich werde dann zu diesem Thema – einmal – einen eigenen Artikel schreiben. Ich verfüge dazu noch über weiteres Material.

[80] Statistisches Zahlenmaterial von 2015, zur Verfügung gestellt von der Direktion des Gasteiner Heilstollens

[81] Gruber/Ludwig 1982, S. 74.

[82] Gutachten von Karl Zschocke, Betriebsleiter und Grubengeometer (Kopie: Privatarchiv F.G., Nr. W 39).

[83] Deutsches Bundesarchiv, Koblenz, R 7/769-772. Für die Eruierung der Akten ist Prof. Dr. Karl-Heinz Ludwig zu danken.

[84] Gruber 2012, Mosaikstein 65: „Tätigkeitsbericht der Gewerkschaft Rathausberg vom 31.12.1945“, S. 416-422

[85] Gutachten Zschockes, S. 1, (Kopie: Privatarchiv F. G., W 35).

[86] Zschockes „Gesichtspunkte“, maschinschriftliches Manuskript vom 1. Juli 1960, S. 9, mit weiterführenden Details.

[87] Günther 2006, S. 97-104: „Vom Radhausberg-Unterbaustollen zum Gasteiner Heilstollen“, mit reichem Bildmaterial und ausführlichen technischen Details.- Ohne Historisches, aber mit ausführlichen sonstigen Informationen brilliert: Gasteiner Heilstollen (Hrsg.): Ärzte-Information „Gasteiner Heilstollen Radon-Therapie“. Verordnung/Indikationen/Wissenschaft, Böckstein 2014

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